DOROTHEE SCHWAB
Fliegen mit Pinsel und Papier
Die Illustratorin Dorothee Schwab hält Workshops für Volksschulkinder. Literacy.at begleitete sie.
Was macht ein kleiner Wicht, dem es in seinem Wald zu eng wird? Er sucht sich ein reiselustiges Raschelblatt und fliegt mit ihm einmal um die ganze Welt – in dem Bilderbuch „Ein Waldwicht fliegt in den Oman“.
Die Bilder sind mehr als nur Zeichnungen – fantasievolle Collagen, wie man sie in einem Bilderbuch noch nie gesehen hat und die nur andeutungsweise an die Klassiker von Eric Carle („Die Raupe Nimmersatt“) erinnern.
Ebenso „neu“ wie die Bilder ist die Zeichnerin: Dorothee Schwab hat nie zuvor ein Bilderbuch gemacht. Sie kommt direkt aus der Ausbildung an der Höheren Grafischen Bundeslehr- und -versuchsanstalt. Am Ende der Ausbildung steht die Meisterklasse, erzählt sie: „Man arbeitet ein Semester lang an einem Projekt. Meine Mitschüler haben fast alle Werbeprojekte entworfen. Ich habe mich für ein Bilderbuch entschieden.“
„Ein Bilderbuch gestalten, das war schon immer ein Traum von mir. Schon als Kind hab ich Bücher gebastelt und geklebt. Ich habe einfach zu einem Text Bilder gemalt.“ Genau das wird Dorothee Schwab jetzt mit einer Schulklasse ausprobieren.
In der Klasse
Es ist ein Freitagmorgen, viertel nach acht. 19 Kinder der Privatschule Kreamont im niederösterreichischen St. Andrä-Wördern haben sich für den Workshop mit Dorothee Schwab angemeldet. Die Kinder sind erstaunlich munter und freuen sich auf den Besuch aus Wien. Sie besuchen die „Primaria“, eine Art Mehrstufenklasse für die ersten drei Schulstufen.
„Bilder zu Geschichten malen – das tust du sicher auch manchmal“, erzählt Dorothee Schwab, „ich habe es zu meinem Beruf gemacht.“ Zuerst liest die Illustratorin das Buch vor. Dann erklärt sie, wie sie die Zeichnungen gemacht hat: „Den Hintergrund habe ich mit Acrylfarben gemalt. Dann habe ich Sachen in meiner Wohnung fotografiert – Kisten, Teppiche oder eine Vase. Ich habe Zeitungen zerrissen, die ausgerissenen Stücke sind Wolken. Auf einer Seite sieht man Emil. Er ist ein Chamäleon und mein Haustier.“
Dorothee und die Kinder wollen Bilder vom Fliegen malen. „Ich baue meine Bilder auf dem Computer zusammen. Wir tun es mit Papier, Schere und Kleber.“
Zuerst denkt sich jedes Kind ein Fluggerät aus, mit dem es fliegen will: Hier ist ein Regenschirm, ein anderes Kind möchte sich von Luftballons tragen lassen. Alice malt ein Boot, das von fliegenden Marienkäfern gezogen wird. Manche malen mit Wasserfarben einen Himmel dazu, andere schneiden Wolken aus Zeitungen aus.
Am Ende vergleichen die Kinder ihre Bilder. Keines sieht wie das andere aus. Das ist der Zeicherin besonders wichtig: „Ich mache öfter solche Workshops. Es ist interessant, dass in manchen Schulen die Kinder dann alle mehr oder weniger das Gleiche malen, während hier jedes Kind sehr selbstständig und ohne Seitenblicke zu anderen oder Rückfragen bei der Lehrerin malt und bastelt, was ihm einfällt.“ Überflüssig zu fragen, welche Arbeitsweise der Illustratorin sympathischer ist …
Jetzt fehlt noch das „Waldwicht-Willkommenslied“. Text und Noten stehen im Buch. Steffi, die Lehrerin, spielt Gitarre, alle singen. Am Ende zeigt jedes Kind seine Zeichnung her, die Fotografin drückt jedes Mal ab. Jedes Kind erhält „sein“ Foto als Souvenir per E-Mail.





