„Lesefutter für alle Kinder“

Interview: Simone Kremsberger

Gerade in der Volksschule spielt die Schulbibliothek eine besonders wichtige Rolle, ist Hermann Pitzer überzeugt. Gemeinsam mit Michaela Schinka betreut er die Schulbibliothek der Volksschule 5 Wels-Mauth. Die innovative Schule wurde 2009 neu errichtet, und die kürzlich eröffnete Schulbibliothek bietet viele Extras für eine sinnliche Leseförderung.

Die neue Schulbibliothek der VS Wels-Mauth

Literacy.at: Kürzlich wurde Ihre Schulbibliothek eröffnet. Welche Vorzüge bietet die neue Bibliothek?
Hermann Pitzer: Die Schulbibliothek wurde von Vornherein in die Planung der Schule einbezogen. Sie hat eine zentrale Rolle und ist auch vom Ort her zentral gelegen. Zwei Seiten sind verglast und weisen zum Hof hin, es gibt eine Terrasse, wo eine Freiluftklasse draußen arbeiten kann. Sie bietet viel Platz und ist technisch für eine Volksschulbibliothek sehr gut ausgestattet.

Welche Bedeutung hat die Schulbibliothek in der Volksschule?

Ich glaube, die Schulbibliothek ist in der Volksschule am wichtigsten, weil es die Zeit ist, in der die Kinder lesen lernen und Interesse und Spaß am Lesen entwickeln. In die erste Klasse kommen manche Kinder, die nur ein paar Buchstaben oder gar nicht lesen können, manche, die einzelne Wörter lesen können, und manche, die schon Bücher lesen können. Die Kinder sind sehr unterschiedlich in dem, was sie kennen und können. Da bietet eine Schulbibliothek eine hervorragende Möglichkeit, das individualisierte Lernen mit entsprechenden Angeboten zu fördern. Am Übergang vom Lesenlernen zum Lesekönnen geht es darum, dass trainiert und einfach viel gelesen wird. In der Bibliothek ist genug Lesefutter für alle Interessen und Standards vorhanden.

Wie nutzen Sie die Bibliothek im Unterricht?

Die Schulbibliothek wird einerseits für den Verleih von Freizeitlektüre genutzt. Andererseits wird derzeit ein Konzept erarbeitet, um die Schulbibliothek nicht nur als Leseort, sondern auch als Lernort zu nutzen. Es geht darum, den Kindern grundlegende Lern- und Arbeitstechniken beizubringen. Das wurde bereits beim Medienankauf berücksichtigt: Wir haben einige Medienpakete, die zu bestimmten Themen entsprechende Literatur für ganze Klassen und pädagogisch-didaktische Unterlagen bieten.

Schülerin söbert in der neuen Schulbibliothek

Die Schule wird nach dem Konzept der „bewegten Schule“ geführt – das heißt in Bezug auf die Schulbibliothek, die Klasse wandert in die Bibliothek und arbeitet dort?
Es gibt die Möglichkeit, dass jede Klasse einmal in der Woche in der Unterrichtszeit in die Bibliothek kommt. „Bewegt“ heißt auch, dass die Schulbibliothek jederzeit für die Schüler zugänglich ist. Die Schüler können in der Bibliothek arbeiten. Die Schulbibliothek verfügt über einen Laptopkasten, man kann mit Internet und Förderprogrammen arbeiten. Der Laptopkasten ist auch „bewegt“, man kann ihn woanders hinfahren. Und schließlich ist die Schulbibliothek so gebaut, dass alle Regale beweglich sind. Man kann aus der Bibliothek einen großen Raum für Veranstaltungen und Lesungen machen.

Welche Medien bietet die Schulbibliothek?

Es gibt einen relativ neuen Bestand, der Altbestand ist stark aussortiert worden. Wir haben nach Interessengruppen ausgewählt, von Bilderbüchern über Krimis bis zu Sachbüchern. Es sind nun rund 2000 Medien, und der Bestand soll laufend wachsen. Derzeit werden Hörbücher forciert. Wir haben eine Hörbuchstation, die von Thalia zur Verfügung gestellt worden ist, und auch eine E-Book-Station zum Ausprobieren.

Was borgen die Kinder am liebsten aus?

Was Kinder gerne haben, ist der Fantasybereich. Dann lieben sie alles, was lustig ist, Geschichten und Bilderbücher. Auch Sachbücher sind sehr gefragt

Merken Sie Unterschiede bei den Interessen von Mädchen und Buben?

Ja, die Sachbücher sind eine Domäne der Buben – nicht nur statistisch gesehen, das merkt man auch beim Ausleihen. Mädchen leihen stärker alles aus, was mit sozialen Beziehungen zu tun hat, etwa Freundschafts- oder Schulgeschichten, aber auch Fantasy.

Und was empfehlen Sie den Kindern am liebsten?

Was man als Bibliothekar gut präsentiert, zu dem greifen Kinder gerne – etwa zu den Drachen-Büchern von Franz Sales Sklenitzka. Was ich auch gern empfehle, ist „Dirk und ich“ von Andreas Steinhöfel, das sind lustige Geschichten mit zwei Buben im Mittelpunkt.

Die Schule

Bibliotheksbetreuerin Michaela Schinka
Bibliotheksbetreuerin Michaela Schinka

Ende 2009 nahm die neu errichtete Volksschule 5 Wels-Mauth den Betrieb auf. Die Volksschule wird nach dem Konzept der „bewegten Schule“ geführt: Statt einer fixen Schultafel gibt es fünf kleinere Tafeln, die mittels Schienensystem beliebig im Klassenzimmer positioniert werden, die Schulbänke sind ebenfalls mobil. Kürzlich wurde die Schulbibliothek eröffnet, die von Hermann Pitzer und Michaela Schinka betreut wird und viel Raum und Lesefutter bietet. „Ich freue mich besonders über unsere großzügige neu ausgestattete Bibliothek, die sehr gut zum Konzept der bewegten Schule und unserer Pädagogik passt“, sagt Direktorin Monika Wiesmeyr.