Wir twittern!

Von Simone Kremsberger

Kreatives Schreiben in der Schule macht Spaß. Es muss ja kein Buch sein. Es reichen 140 Zeichen. So viele Zeichen hat ein Tweet, eine Meldung auf dem Mikroblog Twitter. Viele nutzen Twitter, um zu kommunizieren, zu informieren oder sich zu präsentieren. Und manche nutzen ihr Profil, um „Twitteratur“ zu posten: Miniatur-Literatur auf Twitter.

Probiert es selbst:

Worüber soll ich schreiben?
Themen findest du überall. Hör den Leuten in der Straßenbahn zu, schau aus dem Fenster oder horch in dich selber hinein. Alles, was dich interessiert, ist es wert, dass du darüber schreibst. Vielleicht kommst du auch auf Ideen, wenn du Musik hörst oder eine Zeitschrift oder ein Sachbuch durchblätterst.

Wie fange ich an?
Dort, wo die Idee beginnt. Du musst nicht mit dem ersten Wort oder Satz beginnen. Du kannst das aber natürlich auch so machen. Manche brauchen den Anfang, um weiterzukommen. Merk dir oder schreib auf, was kommt, und spiele mit den Worten. Es muss nicht gleich perfekt sein.

Wie wird das ein Gedicht?
Was macht ein Gedicht aus? Der Reim, werden viele sagen. Aber ein Gedicht muss gar nicht gereimt sein. Seht euch verschiedene Gedichte (Tipp: www.lyrikline.org) an. Überlegt mit eurem Deutschlehrer oder eurer Deutschlehrerin, was ein Gedicht von einem Prosatext unterscheidet. Wichtig ist zum Beispiel der Rhythmus. Sprich dir dein Gedicht laut vor und horch: Holpert es? Hat es einen guten Beat? Oder galoppiert es dir davon?

Nur 140 Zeichen ...?!
Das sind 140 Zeichen / Das sind 140 Zeichen / Daa sind 140 Zeichen / Das sind 140 Zeichen / Das sind 140 Zeichen / Das sind 140 Zeichen / Da

140 Zeichen – inklusive Leerzeichen – sind nicht viel Platz. Aber auf diesem Platz kannst du machen, was du willst. Wenn du am Computer arbeitest, verrät dir dein Textverarbeitungsprogramm, wie viele Zeichen du schon geschrieben hast. Wenn du mit der Hand schreibst, kannst du die Buchstaben auch durchzählen. Wenn du ein eigenes Twitter-Profil hast, kannst du automatisch nur 140 Zeichen in das Eingabefeld tippen. Zu lang? Streich weg, was nicht unbedingt nötig ist. Stehen bleibt, was dir wichtig ist. 

Ist mein Gedicht gut?
Gefällt es dir? Das ist schon mal gut. Gefällt es noch jemand anderem, bringt es sie oder ihn auf bestimmte Gedanken oder in eine besondere Stimmung? Das ist super. Ob ein Text „gut“ oder „nicht gut“ ist, lässt sich objektiv schwer sagen. Wenn viele Leute ein Buch lesen, heißt das noch nicht, dass es auch den Kritikern gefällt – und umgekehrt. Ein guter Text erfüllt gewisse handwerkliche Kriterien; damit aus dem Handwerk Literatur wird, muss aber noch etwas hinzukommen: etwas Besonderes, Überraschendes ... Ist dein Gedicht gut? Kann sein! Und: Immerhin hast du ein Gedicht geschrieben. Gratulation!

Simone Kremsberger ist Gewinnerin des Twitter-Lyrik-Wettbewerbs 2010

 
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ZUR PERSON

Porträt Simone Kremsbefrger

Simone Kremsberger, geboren in Linz, lebt in Wien. Studium der Germanistik in Salzburg und Wien, Dissertation über Hilde Spiel als Essayistin und Literaturkritikerin (2008). Arbeit als freie Journalistin und Lektorin. Teilnahme an der Leondinger Akademie für Literatur 2005/06. Einladung zum Autorinnenforum Berlin-Rheinsberg 2007. Aufenthaltsstipendium des Landes Oberösterreich in der Atelierwohnung Villa Stonborough-Wittgenstein, Gmunden, 2010. Gewinnerin des Twitter-Lyrik-Wettbewerbs 2010 (www.twitter-lyrik.de). Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften.
@SalonSimone

Ein ausführliches Interview mit Simone Kremsberger finden Sie auf der Website des Literatur-Café.

GEBRAUCHSANLEITUNG

Der Workshop kann im Deutschunterricht (passend zu den Themen: Lyrik, Textproduktion, neue Medien) durchgeführt werden. Ein Twitter-Account ist dafür nicht nötig. Vielleicht ein Tipp für die letzten Stunden vor den Ferien?