LEKTÜRE FÜR DIE FERIEN
Bücher für den Sommer
Sommerzeit, Ferien, Sonne, Strand und Erholung. Da darf ein gutes Buch nicht fehlen. Literacy.at empfiehlt Bücher, die spannende und unterhaltsame Lesestunden in den Ferien garantieren. Zum Schmökern – vielleicht auch für die letzten Unterrichtsstunden – gibt es Leseproben.
Das große Fressen (8+)
Warum stoßen Buckelwale bei der gemeinsamen Jagd Luftblasen aus? Wieso „weinen” Krokodile, wenn sie fressen, oft „Krokodilstränen” ? Und warum renkt die Kreuzotter zum Schlucken häufig ihre Kiefer aus?
Antworten auf diese und andere Fragen gibt der vorliegende Band, in dem sich alles ums Fressen dreht. Er stellt zwölf außergewöhnliche Tierarten aus unterschiedlichen Lebensräumen und ihre besondere Art der Nahrungsbeschaffung und -aufnahme vor. Karten, die Aufschluss über das Vorkommen der Tiere geben, übersichtliche Steckbriefe und ein Glossar ergänzen den Text. Das großformatige Buch überzeugt bereits auf den ersten Blick mit einer wunderbar gelungenen und ansprechenden Gestaltung.
Xulio Gutierrez | Tiere – wie sie fressen | Sachbuch | Gerstenberg | 32 Seiten | Preis: € 15,40
Extrem witzig und megacool (10+)
„Ich verbringe die Sommerferien am liebsten mit Videospielen vor der Glotze, am besten im Dunkeln mit zugezogenen Vorhängen.” Dermaßen motiviert beginnt Greg die Ferien und sein viertes Tagebuch. Seine Mutter goutiert die Idee der verdunkelten Ferien erwartungsgemäß nicht und zur Krönung wird auch noch der Strandurlaub der Familie aus finanziellen Gründen gestrichen. Was soll Greg bloß die ganze Zeit tun? Etwa Schlange stehen im Freibad und lange Autofahrten zum Wasserrutschenparadies ertragen? Das ist doch öde und irgendwie auch unter seinem Niveau ...
Greg ist ein Muffel und bringt Lesemuffel zum Lesen. In seinen Tagebüchern – knapp und wie mit Hand auf liniertem Papier geschrieben, angereichert mit Comic-Zeichnungen und Sprechblasen – spricht er Buben zwischen neun und 12 Jahren direkt aus der Seele. Denn Greg ist echt. Authentisch und direkt, einfach und ohne Schnörkel erzählt er aus seiner Lebenswelt, und die Buben können sich bestens mit ihm identifizieren. Er ist, wie er ist, und Punkt. Und er ist durchaus nicht immer nett und liebenswert, im Gegenteil, er ist faul, selbstbezogen, gerät immer wieder in Katastrophen. Erwachsene findet er nicht so prickelnd, sich selbst dafür aber umso mehr. Und: Er ist extrem witzig und megacool. (MS)
Jeff Kinney | Ich war’s nicht! Gregs Tagebuch 4 | Comicroman | Baumhaus | 224 Seiten | Preis: € 13,40 | Leseprobe
Wenn Menschen flügge werden (12+)
„Im Vergleich zu Insekten sind Menschen ein missratener Versuch der Natur“, findet Nour. Die Menschenwelt kann ganz schön ernüchternd sein: Nach einem Streit geht seine Mutter Tille und lässt ihren Mann Len und den 13-jährigen Nour zurück. Len, ein Violinist mit viel Talent und wenig Ambitionen, flüchtet sich in Lethargie. Nour vertieft sich in seine Insektensammlung. Doch das Leben im Ausnahmezustand hat eine Ablaufzeit. Ein Wohnungs- und ein Schulwechsel bringen neue Herausforderungen, neue Probleme und schließlich neue Lebenslust. Die belgische Autorin Marleen Nelen erzählt, wie drei Menschen nach einem Bruch in ihrem Leben ihren Weg neu finden müssen. Der Ich-Erzähler Nour ist ein sensibler Beobachter. Scharfsinnig ist sein Blick auf die Beziehung der Eltern, präzise untersucht er die filigrane Schönheit eines Insektenflügels. Ein Roman nicht nur für Teenager, der fesselt und berührt – und nebenbei wohl auch LeserInnen, die zuvor keine besondere Sympathie für Gekreuch und Gefleuch hatten, die Faszination der Insektenwelt nahebringt. (SK)
Marleen Nelen | Glasflügler | Roman | Aus dem Niederländischen von Thomas A. Ostheim | 254 Seiten | Urachhaus | Preis: € 15,40 | Leseprobe
Aus dem Leben eines übergewichtigen Mädchens (13+)
„Du hast die schönsten Augen, die ich je gesehen hab!“ Paulina traut ihren Ohren nicht. Meint Marcus das ernst? Schließlich hört sie sonst eher Dinge wie „Fettkloß“ oder wird von Jungs ignoriert. Paulina ist 18 Jahre alt und wiegt 119 Kilo. Im Laufe der Jahre hat sie gelernt mit Beleidigungen umzugehen und blöden Bemerkungen zuvorzukommen: Sie macht sich lieber gleich selbst über sich lustig. Auch eine Art Panzer. Und es ist ja nicht so, dass ihr Leben nur schlecht ist: Sie hat eine beste Freundin, kann wunderbar tanzen und malen und ist witzig. Außerdem hat sie sich gerade für ein anspruchsvolles Kunststipendium in Barcelona beworben.
Allerdings hatte sie mit ihren 18 Jahren noch nie einen Freund, hat noch nie im Kino Händchen gehalten, noch nie geküsst. Und da kommt jetzt Marcus, „nicht nur der schwärzeste, sondern auch der schönste Mann“, den Paulina je gesehen hat. Er ist gerne mit ihr zusammen, macht ihr Komplimente, interessiert sich genauso für Kunst wie sie. Irgendwie zu schön, um wahr zu sein, befürchtet Paula ...
Der neue Roman von Chantal Schreiber ist sehr amüsant und angenehm zu lesen. Zugleich räumt er mit einigen Vorurteilen auf und gibt Einblick in das Leben und die Gefühlswelt eines übergewichtigen Mädchens. Ein Buch, das Spaß und Mut macht, Verständnis weckt und auch zeigt, was man erreichen kann, wenn man will und sich traut. (MS)
Chantal Schreiber | Dick angezogen | Roman | Planet Girl (Thienemann) | 304 Seiten | Preis: € 17,40 | Leseprobe
Freund- und Feindschaften (14+)
Inge lebt mit ihren Eltern auf Gut Hohenau in Bankau in Schlesien. Im Oktober 1944 erging an die dort lebenden Deutschen der Fluchtbefehl vor der russischen Armee. Inge wird von ihren Eltern getrennt. Plötzlich ist das behütet aufgewachsene Mädchen ganz auf sich allein gestellt und muss Hals über Kopf fliehen. Mit Wanda, einem gleichaltrigen, auf Gut Hohenau zur Zwangsarbeit verpflichteten polnischen Mädchen, die sie nicht leiden kann, packt Inge schnell ein paar Sachen zusammen. Voller Misstrauen der jeweils anderen gegenüber machen sich die beiden auf den Weg.
„Die verlorenen Schuhe“ ist nicht nur ein Buch über die beschwerliche 800 Kilometer lange Flucht aus Schlesien am Ende des Zweiten Weltkrieges, sondern auch ein Roman über eine ungewöhnliche Freundschaft. Inge und Wanda trennen sich und finden wieder zusammen, sie schließen sich anderen Flüchtlingen an, werden bestohlen, betrogen und ausgenutzt, abgewiesen und enttäuscht, überfallen und gerettet. Sie leiden Hunger, sind verzweifelt und stellen nach und nach fest, dass sie gar nicht so verschieden sind, wie sie anfangs dachten.
Ein ausführliches Glossar, Kartenmaterial, womit man den Weg der beiden verfolgen kann, sowie ein Interview mit einer Zeitzeugin liefern einem (nicht nur) jugendlichen Lesepublikum ergänzende Informationen. (MA)
Gina Mayer | Die verlorenen Schuhe | Roman | 384 Seiten | Thienemann | Preis: € 18,50 | Leseprobe







