Die Liebe, ein Rätsel

Von Simone Kremsberger

John Green zeigt in seinen vielfach ausgezeichneten Romanen das Teen-Age und alle damit verbundenen Peinlichkeiten, ohne darin selber peinlich oder anbiedernd zu sein – dafür klug, witzig und berührend. Heuer ist sein dritter Jugendroman erschienen: „Margos Spuren“ ist eine sensible Coming-of-Age-Story, eine große Liebesgeschichte und ein spannendes Roadmovie in einem.


Ausschnitt aus dem Cover Margos Spuren

Das Mädchen von nebenan spielt eine wichtige Rolle in Geschichten von der Jugend: in Romanen wie auch in Filmen und Fernsehserien. Man denke nur an Kevin Arnolds „Wunderbare Jahre“ und seine Winnie Cooper. Diese fiktiven Nachbarmädchen zeichnen sich nicht durch die typischen Eigenschaften aus, die einem „Mädchen von nebenan“ zugeschrieben werden: hübsch, nett, mit Kumpeltauglichkeit und bezauberndem Lächeln. Sie sind jemand ganz Besonderes – eine, die man nicht vergisst. Auch in John Greens Roman „Margos Spuren“, in einer Neubausiedlung in Florida, gibt es ein solches Mädchen von nebenan. „Margo war nicht hübsch. Sie war der Hammer.“

Die Coole von der Schule

Schon als kleiner Junge ist Quentin von der geheimnisvollen Margo hingerissen. Ein gemeinsames einschneidendes Erlebnis verbindet die beiden. Dann kommt die Pubertät dazwischen. Margo gehört zu den Coolen. Ihre Freunde sind Sportler und Anwärterinnen auf den Thron der Schönheitskönigin. Quentin gehört zu den Netten. Seine Freunde sind Computernerds und spielen im Orchester. Im Schuluniversum bedeutet das: unüberbrückbare Differenzen. Nichtsdestotrotz himmelt Quentin Margo aus der Ferne an. Von dort geht das schließlich am leichtesten.

Bis sie ihm plötzlich wieder naherückt: Eines Nachts steht Margo wie in Kindestagen vor seinem Fenster. Sie fordert Quentin zu einem ebenso verrückten wie unwiderstehlichen Abenteuer auf – und er verbringt die längste Nacht seines Lebens. Am nächsten Tag ist Quentin voller Erwartungen. Und Margo ist weg.

Amerikanische Geschichten

Sympathischer Normalo liebt schillerndes Übermädchen: Bereits in seinem Debütroman „Eine wie Alaska“ hat John Green eine solche hoffnungsvolle wie hoffnungslose Liebe beschrieben. In „Margos Spuren“ gibt es eine ähnliche Konstellation. Und eine wunderbare, pralle, neue Geschichte: nein, viele Geschichten, durch die John Green seine Leserinnen und Leser führt. Sie sind dabei, wenn sich Quentin auf Margos nächtliche Tour de force einlässt. Sie verfolgen, wie er sich auf die Suche macht und verrätselte Hinweise zusammenfügt. Sie triumphieren, wenn Quentin und seine Freunde in Margos Fahrwasser einige Coolnesspunkte in der Schule sammeln – und gehen mit auf die Reise auf Margos Spuren quer durch Amerika.

John Green schöpft aus dem amerikanischen Jugendkulturgut, wie es auch hiesige Jugendliche aus Film und Fernsehen kennen. Die Highschool. Der Abschlussball. Der Roadtrip durch die Staaten. Green, der Englisch studiert hat und nebenbei als Literaturkritiker arbeitet, vermittelt auch klassisches Literatur- und Kulturwissen. Walt Whitman, nicht erst seit dem „Club der toten Dichter“ eine Referenz in Sachen Literaturerziehung, spielt eine wichtige Rolle. Verweise auf Woodstock und Bob Dylan dürfen nicht fehlen.

Liebe etcetera

Vor allem kann John Green erzählen: Mit Witz, Respekt und Verständnis für jugendliche Herzen spinnt er eine Geschichte von großen Gefühlen und großen Enttäuschungen. Er schildert, was am schwierigsten zu fassen ist: das Unerklärliche, das sich zwischen den Menschen und hinter ihren Fassaden abspielt.

Quentin liebt Margo. Doch mehr als Margo liebt er die überlebensgroße Vorstellung, die er sich von ihr macht. John Green zeigt, wie sich Gefühle verlaufen können und wie eine Spurensuche näher und zugleich immer weiter weg vom Ziel führen kann. Letztlich ist Margo kein Über-Mädchen. Margo ist einfach Margo – eine, die man nicht vergisst.

 
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DAS BUCH

Buchcover: Margos Spuren

John Green
Margos Spuren
Aus dem Englischen von Sophie Zeitz

Ab 13 Jahren 

336 Seiten

Hanser 2010
ISBN 978-3-446-23477-2

Preis: € 17,40

Leseprobe

Ausgezeichnet mit dem Jugendbuchpreis 2010 der Jury der jungen Leser, Literaturhaus Wien: „John Green erschafft mit seinen Worten Personen, die man heiraten will, Welten, von denen man ein Teil sein will und Geschichten, die man erleben will. Er zaubert mit seiner Sprache Grinser in unsere Gesichter und beschwört Gefühle herauf, die bleiben. Mit rasantem Tempo erzählt, brennt sich Quentins Geschichte in unsere Herzen.“

ÜBER DEN AUTOR

Porträt John Green

John Green wurde 1977 geboren. Er studierte Englisch und Vergleichende Religionswissenschaften und arbeitete als Journalist. Bereits sein erstes Jugendbuch „Eine wie Alaska“ kam bei Kritik und Publikum bestens an. Nach „Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)“ ist nun mit „Margos Spuren“ sein dritter Jugendroman erschienen. Zuletzt hat er gemeinsam mit Koautor David Levithan den Jugendroman „Will Grayson, Will Grayson“ (erst auf Engl. erschienen) veröffentlicht.

Zu John Greens Website