SPELLING BEE
B wie Buchstabieren
Spelling Bees sind nichts Neues. 1925 gab es bereits den ersten, derzeit erleben die Buchstabierwettbewerbe in den USA aber wieder einen Popularitätsschub. Den heurigen nationalen Buchstabierwettbewerb, der live im US-Fernsehen übertragen wurde, gewann ein 14-jähriges Einwandererkind.

- Anamika Veeramani, Tochter indischer Einwanderer, ist nun offiziell beste Buchstabiererin Amerikas
S-t-r-o-m-u-h-r“ war schließlich das für englische Ohren seltsam klingende Fremdwort, das die Entscheidung herbeiführte. Anamika Veeramani, die Tochter indischer Einwanderer, darf sich nun offiziell Amerikas beste Buchstabiererin nennen und einen Scheck über 30.000 US-Dollar einlösen.
Auf ihrem Weg stach die 14-Jährige 273 FinalistInnen aus. Beim Wettbewerb treten immer zwei Teenager gegeneinander an. Auf der Bühne und vor laufenden TV-Kameras haben sie jeweils 2,5 Minuten Zeit, um zwei Wörter richtig zu buchstabieren – mehrere Runden lang, bis ein Sieger oder eine Siegerin feststeht.
Buchstabieren im Unterricht
Gestartet werden die Spelling Bees in den USA in den Schulen (School Bee), die sich für die Teilnahme am nationalen Buchstabierwettbewerb einschreiben. Mit Buchstabierquiz-Programmen trainieren die Klassen im Unterricht. Die Champions der einzelnen Klassen werden dann zur regionalen Ausscheidung geschickt und so weiter und so fort.
Sind Buchstabierwettbewerbe in der Schule aber wirklich pädagogisch wertvoll und sollten sie auch verstärkt von Österreichs LehrerInnen eingesetzt werden? „Die SchülerInnen müssen dafür jedenfalls bereits rechtschreiben können bzw. die Rechtschreibregeln kennen (frühestens ab der Sekundarstufe – besser ab ca. 13/14 Jahren)“, ist Prof. Dr. Christina Hager von der Pädagogischen Hochschule in Wien überzeugt. „Solange Rechtschreibregeln noch unbekannt sind bzw. nicht verstanden werden können (Anm.: Entwicklung des abstrakten Denkens ist noch nicht abgeschlossen – sprachliche Regeln sind etwas Abstraktes) machen solche Wettbewerbe keinen Sinn: Da würde nur auswendig gelernt und damit ist das Ganze bestenfalls ein Gedächtnistest und hat mit Wissen/Können nichts zu tun“, so die Expertin.
Wettbewerb führt zu Stress
Kritisch sieht Prof. Mag. Dr. Elisabeth Furch den Wettbewerbscharakter solcher Veranstaltungen. „Haben diese Wettbewerbe Prüfungscharakter, sind sie aus meiner Sicht abzulehnen – denn im Stress lernen SchülerInnen sicher nichts dazu! Das ist ähnlich wie beim 'Rechenkönig', der sehr häufig am Beginn von Mathematikstunden angewandt wird. Er bringt eigentlich nicht viel – es bleiben immer die gleichen SchülerInnen gut und die schlechteren schlecht! Außerdem ist jeder Wettbewerb in einer Klasse schlecht für das soziale Miteinander, übrigens auch im Turnen. Wenn ein Wettbewerb freiwillig angeboten und ab und zu gemacht wird, ist dagegen aber sicher nichts einzuwenden“, erklärt die Wissenschafterin.
