„Jedes Buch ist eine Reise“

Interview: Thomas Aistleitner

Peter Freund schreibt Detektivgeschichten in der Tradition von „Fünf Freunde“ und TKKG. Der Autor im Interview über die Drachen-Bande.

Peter Freund

Literacy.at: Herr Freund, von Ihnen ist bekannt, dass Sie Ihre Bücher sehr genau durchplanen und die Handlung detailliert erarbeiten, bevor Sie mit dem eigentlichen Schreiben beginnen. Wie viel wissen Sie im Voraus, wie viel entsteht beim Schreiben?
Peter Freund: Ich fange erst an zu schreiben, wenn ich weiß, worum es gehen wird, wenn ich die Handlung weiß. Dennoch kommt beim Schreiben ein Punkt, an dem ich merke: Das ist jetzt nicht richtig so, da muss ich noch mal ran. Obwohl ich mich immer sehr gut vorbereite, ist mir das noch bei jedem Buch passiert. Dann merke ich, dass die Vorbereitung nicht ausreichend war.

Vielleicht kann man die Handlung eines Buches ja gar nicht zur Gänze vorbereiten?

Ich vergleiche das Bücherschreiben immer mit einer Reise. Wenn ich ein Buch schreibe, will ich nicht nur ankommen, sondern auch eine aufregende Reise erleben. Und meine Leser sollen diese Reise auch erleben. Wenn ich eine Reise antrete und ins Blaue fahre, dann kann es sein, dass ich durch Glück und Zufall aufregende Sachen am Wegesrand entdecke. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass ich mich hundertmal verfahre, weil ich mich nicht vorbereitet habe, und mein Ziel überhaupt nicht erreiche. Deshalb braucht jede Reise Planung – und jedes Buch auch.

Ihre Serie „Die Drachen-Bande“ richtet sich an Kinder ab zehn Jahren. Ein Buch daraus wie „Im Bann des schwarzen Ritters“ liest sich sehr knapp und dicht. Gab es da Spielraum beim Schreiben?
Nein, ich hatte ein Exposé von 12 Seiten, und daran hat sich nicht mehr viel geändert. Die „Drachen-Bande“ habe ich mit meinem Sohn genau konzipiert. Der Verkaufspreis stand schon vorher fest. Damit war klar, es würde keine 200 Seiten oder noch mehr haben wie meine anderen Bücher. Wenn man aber auf 150 Manuskriptseiten eine aufregende Geschichte erzählen will, darf man nicht lange abschweifen.

Wie teilen Sie sich die Autorenschaft mit Ihrem Sohn? Wie schreibt man etwas gemeinsam?
Wir haben die Serie gemeinsam entwickelt. Wir wollten so etwas schaffen wie „Fünf Freunde“, das habe ich selbst als Kind gelesen, oder auch „TKKG“, das haben meine Söhne gelesen und die Kassetten gehört. Dann habe ich einen Film über Rettungshunde gemacht und war begeistert von den Fähigkeiten dieser Tiere. Und das war die Idee: Wenn jeder meiner Helden auch einen tierischen Helden hätte. So entstand die „Drachen-Bande“ mit vier menschlichen und vier tierischen Helden. Die Zusammenarbeit ist so, dass wir die Plots gemeinsam machen, abwechselnd einen Band schreiben und gemeinsam redigieren. Am Anfang steht immer die Überlegung: Welche Geschichte wollen wir erzählen?

Welche Rolle spielen die Tiere?

In allen Bänden leisten sowohl die Kinder als auch die Hunde ihren Beitrag zur Auflösung des Falles.

Peter Freunds „Mysteria“-Serie fand auf der BuchWien 2009 umgehend interessierte Leser, die sich in den Folgeband „Ayani“ vertieften
Bub beim Lesen

Eine persönliche Frage: Angenommen, hier auf der Messe kommt irgendein Mann und macht Ihrer Frau schöne Augen. Wie würden Sie reagieren, was würden Sie sich denken?
Ich würde ziemlich gelassen reagieren, denn wenn meine Frau einen anderen Mann spannender findet als mich, dann ist das mein Pech. Ich hätte also kein Problem mit den Flirtversuchen anderer.

Die Frage hat folgenden Hintergrund: Im „Schwarzen Ritter“ (siehe Kasten rechts) hat die verliebte Marie die Fantasie, dass sie dem anderen Mädchen die Augen auskratzen will ... Eine heftige Fantasie oder nur eine Redensart?

Keine Redensart. So ist es mir früher auch gegangen. Die Gelassenheit kommt mit den Lebensjahren. Ich denke mir, solche Gedanken hat man in diesem Alter – und nicht nur in diesem – und deshalb habe ich sie aufgeschrieben.

Noch ein Zitat, diesmal aus der „Mysteria“-Reihe: „Niemand von uns kann sich den Aufgaben entziehen, die die uns das Leben stellt, auch wenn sie uns noch so schwierig erscheinen mögen.“ Gilt das nur in der „Mysteria“ oder darf man hier auf Ihre Haltung schließen?

Ja, dieser Satz gilt für mich im ganzen Leben. Es gibt einen heute sehr beliebten Zugang zum Leben, der besagt, das Leben müsste Spaß machen, das Leben wäre ein einziger Spaß. Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn man feststellt, dass das Leben kein Riesenspaß ist. Und das ist auch gut so.

Wollen Sie Ihren Leserinnen und Lesern die Botschaft mitgeben, das Leben dürfe keinen Spaß machen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass es im Leben wichtig ist, gute und schlechte Momente zu haben. Wer davon ausgeht, dass das Leben nur Spaß machen muss, wird unglücklich zurückbleiben. Weil er nicht gelernt hat, dass es völlig natürlich ist, dass es Schwierigkeiten gibt, die er selbst überwinden muss. Deshalb stehen die Helden in meinen Büchern immer wieder vor sehr schwierigen, scheinbar unlösbaren Aufgaben. Das Leben macht genau dann Spaß, wenn man Schwierigkeiten überwindet und Herausforderungen meistert. Das versuche ich in meinen Büchern auszudrücken.

Zur Person

Porträt Peter Freund

Peter Freund
Peter Freund ist seit 1980 in der Film- und Fernsehbranche tätig, zunächst als Leiter und Manager verschiedener Kinos, dann im Filmverleih und seit 1993 als Producer und Autor. Seit Ende der 1980er-Jahre hat er neben Drehbüchern immer wieder auch Romane und Geschichten veröffentlicht. Sein bisher größter Erfolg ist die „Laura Leander“-Reihe (bisher sechs Bände). Laura Leander ist ein 13-jähriges Mädchen, das ein Internat besucht und an sich übersinnliche Fähigkeiten entdeckt. Mit „Mysteria“ hat Peter Freund eine umfangreiche und vielbeachtete Fantasy-Serie begonnen.
Band 1: „MYSTERIA – Das Tor des Feuers” (bereits erschienen)
Band 2: „AYANI – Die Tochter des Falken” (bereits erschienen)
Band 3: „SINKKÅLION – Das Schwert des Schicksals” (erscheint im Oktober dieses Jahres)

Das Buch

Abbildung des Buchcovers: Schwarze Ritter

Peter und Florian Freund
„Die Drachen-Bande – Im Bann des schwarzen Ritters“

Omnibus TB
224 Seiten
€ 5,95

Sie sind Jan, 12, „Einstein“, 11, Marie, 11, und Julia, 8. Sie lösen Fälle und sind ein bisschen schlauer als die Polizei. Eine wichtige Rolle dabei spielen Tarzan, Zweistein, Diva und Potter, die schnüffelnden Freunde der vier Detektivinnen und Detektive. Inspiriert von den realen Fähigkeiten von Rettungshunden machen sich die Hunde auch beim Lösen der Fälle nützlich.
Mit der „Drachen-Bande“ nimmt Peter Freund die Tradition erfolgreicher Kinder-Krimis auf und stellt die Handlung in ein modernes Umfeld. Der Ort der Handlung ist Steiningen, genannt Rock City. Die Website zur Serie ist mit Musik unterlegt. Anders als in den anderen Reihen des Autors geht es hier nicht um Fantasy, sondern um die Realität. Auch wenn der „schwarze Ritter“ eine ganze Stadt in seinen Bann zieht, gibt es am Ende doch eine einleuchtende Erklärung ohne Spuk und Zauber.
In der Reihe sind bisher vier Bände erschienen. Die Geschichten sind dicht, aber kurz und ab zehn Jahren geeignet. Geübte LeserInnen werden sie sich schon früher aus dem Regal holen.

Leseprobe aus „Im Bann des schwarzen Ritters“

Hörprobe aus „Im Bann des schwarzen Ritters“
Gelesen von Peter Freund.