Die Schulbibliothek als Medienzentrum

Von Nicole Rennhofer

Die multimediale Schulbibliothek am GRG Ödenburger Straße in Wien wird von einem Team engagierter Lehrerinnen betreut. Bibliotheksleiterin Charlotte Mayerhofer erläutert, wie diese moderne Bibliothek funktioniert, welche Vorteile sie hat und wie sie bei den SchülerInnen ankommt.

Fünf Mädchen stehen vor einem Bücherregal – alle mit einem Buch in der Hand und lesen.

Literacy.at: In der GRG Ödenburger Straße gibt es eine multimediale Schulbibliothek. Was kann man sich darunter vorstellen?
Charlotte Mayerhofer: Das Besondere an einer multimedialen Schulbibliothek ist das breite Angebot an Büchern und Zeitschriften in Verbindung mit Neuen Medien. Neben ca. 16.000 Medien, das sind Bücher, Zeitschriften, DVDs, Videos, CD-Roms, einige wenige Hörbücher, verfügen wir auch über zehn Computerarbeitsplätze mit Internetzugang. Für Präsentationen und Referate steht ein Beamer zur Verfügung.

Worin liegen die Vorteile einer multimedialen Schulbibliothek?
Gedruckte und digitale Quellen sind gleichermaßen verfügbar, im Unterricht kann auf das digitale, da aktuellste Material zurückgegriffen werden. Der digitale Medienbestand kann über einen „WebOpac“ abgerufen werden. Das ist ein elektronischer Bibliothekskatalog, der über das Internet aufrufbar ist. Alle Medien, ihre Verfügbarkeit und kurze Informationen zu den Büchern sind dort zu finden.
 Eine Vernetzung der Medien Buch und Internet erfolgt auch durch das Leseförderprogramm „Antolin“, welches innerhalb und außerhalb des Unterrichts genutzt wird.

Lenken die Computer mit Internetzugang die SchülerInnen nicht ab?
Da gibt es Regeln. So sind die Computer primär für schulisches Arbeiten zu verwenden, Online-Spielen ist nicht gestattet und die Social Networks sind über das Schulnetz nicht zugänglich.

Wie sieht eine gelungene multimediale Unterrichtsstunde aus?
Dank der großzügigen Ausstattung ist es möglich, den Unterricht mit einer Klasse von 30 Schülerinnen und Schülern in der Bibliothek abzuhalten. Mit einem Auftrag ausgestattet, wird in Gruppen gearbeitet, die nötigen Informationen werden im Medienbestand der Bibliothek und im Internet recherchiert, die Ergebnisse werden in Präsentationen zusammengefasst und vorgetragen.

Kann bei allen SchülerInnen eine Affinität zu Neuen Medien vorausgesetzt werden?
An unserer Schule gibt es für die Neuankömmlinge zuerst eine Einschulung am Computer und in der Bibliotheksnutzung. Die Computerkenntnisse der Zehnjährigen sind zu Beginn sehr unterschiedlich, aber wir können doch in den ersten Wochen die Grundkompetenzen festigen. Viel Wert wird auf Eigenverantwortlichkeit, Eigenständigkeit und Medienkompetenz gelegt – wir fordern immer wieder zum kritischen Hinterfragen der dargebotenen Medieninhalte auf. Für die SchülerInnen der Oberstufe bietet die Bibliothek eine erweiterte Einführung in Recherchearbeit und Mediennutzung als Voraussetzung zur vorwissenschaftlichen Arbeit, welche ab 2013 Bestandteil der Matura sein wird.

Haben auch die Bibliothekarinnen und Bibliothekare eine multimediale Ausbildung erhalten?
LehrerInnen müssen heutzutage gut mit Internet & Co. umgehen können. Die Neuen Medien sind ein wichtiger Teil der Schule geworden. So sind Hilfestellungen bei den Programmen an den Arbeitsplätzen und grundlegende Kenntnisse in der Arbeit mit Suchmaschinen gefragt. Ein zweijähriger Lehrgang informiert über die pädagogischen und kulturellen Aufgaben der Schulbibliothek als Informations- und Medienzentrum der Schule. Der erfolgreiche Abschluss dieses Lehrgangs ist Voraussetzung für die Leitung einer multimedialen Schulbibliothek.

Worauf muss bei einer multimedialen Bibliothek besonders geachtet werden?
Zunächst einmal sollten genügend Computerarbeitsplätze eingeplant werden. Von Anfang an sollten Lehrerinnen und Lehrer auf größtmögliche Aktualität der Medien achten. Denn eine multimediale Schulbibliothek ist eben keine Präsenzbibliothek. Zudem würde ich generell den Ankauf von E-Books überdenken. Ausleihe und Rechte sind zwar eher problematisch zu handhaben, für Schulbibliotheken mit schwierigerem Zugang zu großen Bibliotheken sind E-Books aber vielleicht dennoch eine Alternative.

Zur Person

Porträt Charlotte Mayerhofer

Mag. Charlotte Mayerhofer

ist AHS-Lehrerin für Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung (GSP) und Französisch. Sie ist seit 1982 im Schuldienst und arbeitet seit 1999 in der Schulbibliothek mit, gleichzeitig absolvierte sie die Ausbildung zur Schulbibliothekarin. Seit 2005 leitet sie die Bibliothek. Privat liest sie gerne Krimis – besonders aus Skandinavien – sowie Bücher von Daniel Glattauer, Gerhard Roth, Markus Werner.