Schöner lesen

Interview: Martina Starz

Mit viel Engagement und Kreativität hat die HS/RS Fehring ihre Schulbibliothek neu gestaltet – unter der Regie von Gabriele Bichler und nahezu ohne finanziellen Aufwand. Jetzt ist sie ein bunter und beliebter Treffpunkt.

SchülerInnen in der Bibliothek

Im Schulzentrum Fehring gibt es eine Hauptschule mit angeschlossener Polytechnischer Schule und einer Klasse Realschule pro Jahrgang. Alle gemeinsam haben eine Schulbibliothek und eine sehr engagierte Schulbibliothekarin: die Mathematik- und Zeichenlehrerin Gabriele Bichler, die auch die öffentliche Bibliothek in Fehring leitet.

Sie sind Schulbibliothekarin und Mathematikerin. Eine spannende Kombination, die nicht oft gegeben ist. Wie kam es dazu?

Ja, darauf werde ich öfter angesprochen. Ich bin eine begeisterte Leseratte und habe schon sehr früh in der öffentlichen Bibliothek in Fehring mitgearbeitet. Vor zehn Jahren habe ich die Leitung der Stadtbibliothek übernommen und vor drei Jahren wurde mir die Leitung der Schulbibliothek übertragen.

Spielt durch diese Kombination das Thema „Lesen in allen Fächern“ eine besondere Rolle an Ihrer Schule?

Ja, da war ich wahrscheinlich Vorreiter – besonders da ich auch noch Zeichenlehrerin bin! Im Ernst: Für mich bedeutet es keinen Widerspruch, dass man als Mathematikerin gern liest und mit Büchern arbeitet. Es hat durchaus Vorteile, dass ich als Nicht-Deutschlehrerin die Bibliothek leite. Manche SchülerInnen haben mich bei ihrem Besuch in der Schulbibliothek etwa ganz erstaunt gefragt: „Ich darf ein Buch ausborgen, ohne dass ich ein Referat halten muss und ohne dass ein Lesetest gemacht wird?“ Für manche ist Lesen eine Pflichtübung, die dann überprüft wird. So ist das bei mir nicht. Lesen soll Spaß machen.

Wie sieht die Schulbibliothek aus?

Jetzt ist sie toll! Unsere Schulbibliothek besteht aus zwei Räumen, von denen einer auch als Vorführraum für Videos vorgesehen war. Deshalb war dieser Raum sehr oft abgedunkelt und der freie Platz durch das TV-Gerät verstellt. Aber das haben wir geändert! Wir haben das TV-Gerät und ein Regal entfernt. In den freien Raum wurden Tische und Sessel gestellt, die nun zum Spielen, Tratschen und Schmökern einladen. Alles wurde hell und bunt gestaltet. In Eigenregie, mit einfachsten Mitteln, praktisch ohne Geld aufzuwenden. Wir haben alten Sesseln mit Farbe ein neues Aussehen gegeben, an den Wänden finden sich große bunte Bilder und Fotos von Aktivitäten in der Bibliothek. Die angenehme Atmosphäre des Raumes wird durch viele Blumen noch unterstrichen. Eine Kollegin, die textiles Werken unterrichtet, hat mit einigen Schülerinnen bunte Polsterüberzüge genäht. Alle Bücher werden neu systematisiert.

Zwei SchülerInnen in der Bibliothek

Das klingt nach viel Arbeit, besonders wenn man bedenkt, dass Sie neben Unterricht und Schulbibliothek ja auch noch die öffentliche Bücherei leiten!
Ja, aber wenn man es gerne macht, empfindet man es nicht als Arbeit.
Mir ist einfach sehr wichtig, dass die Bibliothek ein Treffpunkt ist, wo sich die Kinder und Jugendlichen wohl fühlen, wo sie schmökern können, aber wo sie auch einfach zusammenkommen, sich unterhalten können und die Bücherei mit einem Buch wieder verlassen.

Ihre Schulbibliothek ist anscheinend gut besucht!

Oh ja, die SchülerInnen sind jetzt sehr gerne dort und es wird auch viel ausgeborgt. Sie dürfen in der Bibliothek auch essen und trinken, was in vielen Schulbibliotheken nicht erlaubt ist. Die SchülerInnen passen sehr gut auf und haben noch nie etwas beschmutzt.
 
Was borgen die SchülerInnen am liebsten aus?

Unsere Kinder und Jugendlichen sind sehr an Sachbüchern (z. B: Technik, Biologie, Geschichte, Aufklärungsliteratur …) interessiert. Das Guinness-Buch der Weltrekorde ist der Renner dieses Monats. Harry Potter und die Biss-Bücher hingegen wurden nicht sehr oft ausgeborgt. Ich habe heuer mit Hörbüchern begonnen, die aber nur vereinzelt geholt werden.
Wir haben auch MigrantInnen in unserer Schule. Sie kommen sehr gerne in die Bibliothek und suchen ihre Bücher auffallend sorgfältig und gezielt aus – oft auch für ihre Familie.

Arbeiten die SchülerInnen auch mit?

Ja, bei der Umgestaltung haben sie natürlich mitgeholfen. Wir haben ja auch viel im Rahmen der Zeichenstunden gemacht. Auch bei der Ausleihe unterstützen sie mich. Pro Tag haben sich zwei SchülerInnen zum Büchereidienst gemeldet. Monatlich werden die Namen der TopleserInnen und die Klassen, die am meisten entliehen haben, auf der Homepage erwähnt, in den Klassenräumen, in der Bibliothek und im Konferenzzimmer ausgehängt. Im Vorjahr wurden der „beste Mühlespieler“, die „beste Mühlespielerin“ in der Bücherei gekürt.
Ich versuche immer auf Großereignisse einzugehen. So konnten die SchülerInnen in der Schulbibliothek ihren Tipp für die Fußballweltmeisterschaft abgeben, wurden auch täglich über die Spielergebnisse informiert. Auf dem Schwerpunkttisch konnten sie Literatur zu diesem Thema finden.

Verfügt die Bibliothek über einen Internet-Zugang?
Ja, ich arbeite mit Biblioweb. Leider jedoch ist unser Gerät sehr alt und ich muss derzeit auf meinen privaten Computer ausweichen. Ich hoffe aber, dass wir bald ein neues Gerät bekommen werden! Die SchülerInnen können auch von zu Hause über Biblioweb recherchieren und den Bestand abfragen. Das tun sie auch, etwa wenn sie sich für ein Referat vorbereiten. Doch das persönliche Gespräch mit der Bibliothekarin ziehen sie alle vor. 

Wann ist die Bibliothek geöffnet?

Täglich, manchmal dreimal am Tag. Ich bin für die Bibliotheksbetreuung für drei Unterrichtsstunden freigestellt, verbringe aber zwischen zehn und 15 Stunden pro Woche in der Bücherei.

Zur Person

Gabriele Bichler ist Hauptschullehrerin für Mathematik, Geometrisches Zeichnen und Bildnerische Erziehung. Sie leitet seit zehn Jahren die öffentliche Bücherei und seit drei Jahren die Schulbibliothek der HS/RS Fehring. Beide konnte sie stark ausbauen und erweitern. Sie hat sowohl die Ausbildung zur Bibliothekarin für öffentliche Bibliotheken (angeboten vom Büchereiverband) als auch die viersemestrige Ausbildung zur Schulbibliothekarin an der Pädagogischen Hochschule fast beendet.