Richard Bamberger

Ein Leben für die Leseförderung

von Susanne Blumesberger

Richard Bamberger

Eigentlich sollte der am 22. Februar 1911 geborene Richard Bamberger Schuhmacher wie sein Vater werden. Er entdeckte jedoch schon früh die Liebe zur Literatur, die ihn bis zu seinem Tod am 11. November 2007 nie mehr verlassen sollte. Nach der Lehrerbildungsanstalt in Krems absolvierte er 1933 die Hauptschullehrerprüfung für Deutsch und Englisch, studierte Germanistik und promovierte 1938 über Charles Dickens. Im selben Jahr heiratete er Maria Saranczuk, die später eng mit ihm zusammenarbeitete. Nach dem Kriegsdienst, der ihn zum überzeugten Pazifisten werden ließ, unterrichtete Bamberger am Akademischen Gymnasium in Wien. Als er von den Buchklubs in den USA hörte, war er sofort von der Idee begeistert und gründete 1948 den Österreichischen Buchklub der Jugend, einen gemeinnützigen Verein, der in Zusammenarbeit mit Schulen, Verlagen und Buchhändlern Kindern gute, aber preiswerte Bücher anbot. 1948 bis 1981 war er dort Generalsekretär.

Er gab sich aber mit dem Erreichten nie zufrieden und rief 1965 das Internationale Institut für Jugendliteratur- und Leseforschung ins Leben und 1988 das Institut für Schulbuchforschung und Lernförderung, dessen Direktor er bis ins Jahr 2001 war. Ab 1962 arbeitete Bamberger mit der UNESCO zusammen und war Gründungsmitglied des Internationalen Kuratoriums für das Jugendbuch (International Board on Books for Young People, IBBY).

Förderung von Lesekompetenz

Die Förderung von Lesekompetenz und Lesemotivation von Kindern war ihm sehr wichtig, er formulierte dazu zahlreiche Projekte und beschäftigte sich mit der Gestaltung von modernen Lesebüchern, indem er aktuelle Kinder- und Jugendliteratur berücksichtigte. Bamberger, der Pionier der Leseförderung in Österreich, verfasste auch zahlreiche Standardwerke zur Kinder- und Jugendliteraturforschung, wie etwa das 1955 erschienene Werk „Jugendlektüre“, und zur Lesepädagogik. 1960 erschien „Mein erstes großes Märchenbuch“. Mit seiner Frau zusammen gab er mehrere auflagenstarke Lexika heraus, unter anderem 1952 „Die Welt von A–Z“ und 1955 „Die Kinderwelt von A–Z“.

Meilensteine in der Forschung

Beschäftigt man sich mit österreichischer Kinder- und Jugendlektüre, Leseforschung oder Leseförderung, führt kein Weg an Richard Bamberger vorbei. Inspiriert von seinem Deutschlehrer, der ihn für Goethe begeisterte, politisch von seinen Eltern geprägt, sah er das Lesen auch als politische Funktion. So war er auch in der Bildungsarbeit der Sozialistischen Partei Österreichs tätig und als begabter Rhetoriker auf dem besten Weg in die Kulturpolitik, als ihn die Idee des Buchklubs erfasste und er sich in Folge als Erster mit der eigenständigen österreichischen Kinderliteratur befasste.

Die Anfänge waren bescheiden. Mit einem Bücherrucksack war er in ganz Österreich unterwegs und konnte zahlreiche Eltern und SchülerInnen für die Mitarbeit gewinnen. Der Buchklub der Jugend war auch international bald angesehen. Seine Vortragsreisen führten ihn unter anderem in die USA, nach Russland und Persien. Er war jedoch nicht nur ein erfolgreicher Redner, sondern auch ein guter Organisator, der unter anderem die Österreichische Lesegesellschaft gründete und einen internationalen Lesekongress in der Wiener Hofburg organisierte. Zu seinen Talenten gehörten auch die Fähigkeit, Geld zu akquirieren, und vor allem seine mitreißende Begeisterung, die er sich bis ins hohe Alter erhielt. Bamberger war auch sein eigener Werbemanager, denkt man nur an seine Slogans „Zum Lesen verlocken“ oder „Lesen lernt man durch Lesen“. Bamberger, von Klaus Doderer auch als Mahner der Lesekultur bezeichnet, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2003 das Ehrendoktorat der Universität Dortmund. Die International Reading Association ehrte ihn 1996 auf ihrem Weltkongress in Prag mit der „International Citation of Merit“. In Paudorf, seinem Heimatort, wurde im Oktober 2009 eine Bronzebüste enthüllt. Anlässlich des 100. Geburtstages entsteht derzeit unter http://phaidra.univie.ac.at/o:63518 ein digitales Archiv.