Ohne Vamperl geht es nicht

Von Susanne Blumesberger

31 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes hat Renate Welsh den vierten Teil der Vamperl-Reihe veröffentlicht. Die inzwischen zum Kult gewordene Figur des gallensaugenden Vampirs (oder besser: vampirähnlichen Wesens) hat mittlerweile schon mehrere Kindergenerationen begleitet.

Das Vamperl

Die Vamperl-Geschichten haben zudem zahlreiche Kinder dazu inspiriert, sich selbst Geschichten rund um Vamperl auszudenken und damit zu weiteren Bänden angeregt. Die Reaktionen der Kinder haben der Autorin aber auch eigene Nöte und Ängste offenbart. Hat in den ersten Bänden noch Vamperl selbst dafür gesorgt, dass die Welt um Frau Lizzi und ihren Schützling Hannes heil wurde, indem er Galle aus den Bäuchen der wütenden Menschen saugte, hat sich die Welt im vierten Band etwas geändert.

Happy End mit Purzel

Inzwischen lebt Vamperl mit seiner Familie in Transsilvanien und nur Purzel, sein Sohn, ist bei Frau Lizzi geblieben. Doch Purzel macht es Frau Lizzi nicht einfach und sie hätte am liebsten Vamperl wieder bei sich, doch der kann nicht von seiner Frau weg, weil wieder ein Kind zur Welt kommen soll. Ganz anders als sein Vater amüsiert sich Purzel eher über aufgeregte Menschen, anstatt tatkräftig einzugreifen, und er liebt zum Entsetzen von Frau Lizzi Blutwurst. Hat sie doch einen gefährlichen Vampir im Haus? Die Geschichte endet jedoch positiv. Neben einer Romanze mit dem gelehrten, aber tollpatschigen Prof. Obermeier, der ja einst Vamperl auf rein wissenschaftliche Weise untersuchen wollte, kommt es auch zu einem Happy End mit Purzel. Er greift in Extremsituation ein, saugt – wenn auch widerwillig – Galle und wird dafür mit Blutwurst belohnt. Es muss eben auch ohne Vamperl gehen, sieht Frau Lizzi schließlich ein.

Braucht es Superhelden?

Toleranz, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft genügen, um mit anderen gut zusammenleben zu können – auch wenn gerade keine Superfigur zur Hand ist. Das Buch ist nicht nur eine leicht zu lesende und humorvolle Lektüre, sondern kann auch zu Diskussionen über das Miteinander anregen. Darüber, dass wir das Recht haben, anders zu sein als andere, wenn dies sogar bei Vampiren möglich ist. Über die Frage, wie weit es eines Superhelden in unserer Gesellschaft bedarf und ob es denn möglich ist, dass ein Wesen, das doch eigentlich seiner Bestimmung nach böse sein sollte, durch Erziehung bedingungslos gut sein kann.

Das Buch

Buchcover: Ohne Vamperl geht es nicht

Renate Welsh
Ohne Vamperl geht es nicht

Ab 7 Jahren
144 Seiten
dtv junior
ISBN 978-3-423-76016-4
Preis: € 10,30

Wie der Vater so der Sohn? Schön wärs! Denn im Gegensatz zu Papa Vamperl hat sein Sohn Purzel nichts als Unsinn im Kopf. Und als Purzel auch noch beginnt, BLUTwurst zu essen, weiß Frau Lizzi nicht mehr weiter. Keine Frage, Vamperl muss her, um seinem Sohn den Kopf wieder zurechtzurücken. Doch Vamperl weilt in Transsilvanien – und so kommt am Ende alles ganz anders als gedacht. Und da muss sich Frau Lizzi etwas einfallen lassen ...

Website: Zum Vamperl-Special

Über die Autorin

Porträt Renate Welsh

Renate Welsh, geboren 1937 in Wien, studierte Englisch, Spanisch und Staatswissenschaften und schreibt seit 1970 sowohl Kinder- und Jugendbücher als auch Bücher für Erwachsene. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Sie lebt in Wien.

Zur Person

Porträt Blumesberger

Mag. Dr. Susanne Blumesberger, Autorin dieses Fachartikels, publizierte zahlreiche Beiträge in in- und ausländischen Fachzeitschriften und hielt Vorträge u. a. zum Thema „Kinder- und Jugendliteratur“. Sie ist stellvertretender Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (ÖGJKLF).