Lesen von (ganz) klein auf

Lesen beginnt nicht in der Schule, auch nicht im Kindergarten. Sondern noch früher. Man muss kein Experte sein, um sein Kind an die Welt des Lesens heranzuführen. Man muss nur mit gutem Beispiel vorangehen – und vorlesen.

Vater und Sohn beim gemeinsamen Lesen

Lesen – ein Wort, das für viele untrennbar mit Schule und Lernen verknüpft ist: Lesen lernen, Schreiben lernen, Rechnen lernen ... Da sind jene im Vorteil, die schon vor der Schule mit Buchstaben in Berührung kamen – und Freude daran hatten. Für sie ist Lesen mit fernen Welten, mit Abenteuern, mit Fantasie verbunden. Man muss keine Expertin bzw. kein Experte sein und keine Übungsbücher kaufen, um sein Kind an die Welt des Lesens heranzuführen. Man kennt sein Kind und weiß, was ihr oder ihm Spaß macht. Und man weiß, dass Kinder imitieren, was sie bei den Erwachsenen sehen. Kinder lernen am liebsten durch Nachahmen. Jetzt muss man nur noch mit gutem Beispiel vorangehen, besser gesagt, vorlesen – und sich auch selbst ab und zu mit einem Buch sehen lassen ...

Früh übt sich ...

Damit kann man gar nicht früh genug anfangen. Schon ein wenige Monate altes Baby schätzt es, wenn man ihm eine Geschichte erzählt. Es registriert Ihre Zuneigung, es verbindet die oder den Vorlesenden mit dem gesproche­nen Wort – und mit dem Buch, das die Person dabei in Händen hält.

Später, mit zwei, drei Jahren, wird das Kind schon von sich aus mit Bilderbüchern zu den Erwachsenen kommen, um diese vertraute Situation herbeizuführen. In jedem guten Kindergarten wird es Bücher zum Ausleihen geben, und die KindergärtnerInnen werden ihre Noch-nicht-LeserInnen daran erinnern, Bücher mit nach Hause zu nehmen.

Kein Buch im Kinderzimmer

Dann beginnt die Schule – und wieder sind nicht wenige Taferlklassler dabei, die zwar eine Schultüte haben, aber kein einziges Buch im Kinderzimmer. Dazu passt die Reaktion der Eltern, wenn solche Kinder keine Freude an der Schule finden: „Ich weiß auch nicht, warum das Kind nicht lesen will.“
Wir wissen es: weil zu Hause das Vorbild fehlt. Weil zu Hause auch niemand liest. Zwar gibt es Kinder, die gegen jede Vorbildwirkung immun sind und einfach immer „NichtleserInnen“ bleiben – aber das ist ein verschwindend geringer Anteil. Fast jedes Kind liest gerne irgendwas – es muss ja nicht immer ein Roman sein. Es können auch die Tabellen auf den Sportseiten sein oder der Chat im Internet.

Lesen ist essenziell

Fest steht: Lesen ist die wichtigste Kulturtechnik. Wer nicht sinnerfassend lesen kann, der kann nicht lernen, hat kaum berufliche Chancen. Auch der Umgang mit Computer und Internet setzt Lesekompetenz voraus. Es ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben der Schule, dafür zu sorgen, dass die Kinder sinnerfassend lesen können. Natürlich setzt die Schule alles daran, den Kindern das Lesen beizubringen. Aber da geht es um die Technik des Lesens. Die ist tatsächlich Sache der Schule. Eltern müssen also mit einem Kindergartenkind nicht Lesen und Schreiben üben. Aber Sie können Ihrem Kind die Leidenschaft für das geschriebene Wort vermitteln.
Jeden Tag zehn Minuten Vorlesen: Eine bessere Vorbereitung auf die Schule, für die Karriere, für die Bildung gibt es nicht. Fangen wir am besten gleich an!

Buchtipp

Otfried Preußler

Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete


ab 6 Jahren | 64 Seiten |
Verlag: Thienemann | Preis: € 12,40 |
ISBN: 978-3-522-18510-3

Coverabbildung

Der Räuber Hotzenplotz ist mal wieder ausgebrochen. Seppel und Kasperl wollen ihn ein für allemal auf den Mond schießen! Ein neues Abenteuer aus den Anfängen seiner Räuberkarriere.

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