UNTERRICHTSHILFE ODER SUPPLIERFÜLLER?
Schule im Kino
Von Ines Wagner
Film im Unterricht gibt es in Österreich seit hundert Jahren und das ist kein bisschen übertrieben. 1912 wurde der Verein Kastalia, die österreichische Gesellschaft für wissenschaftliche und Unterrichtskinematographie in Wien, gegründet. Seitdem ist der Schulfilm, als Unterrichtshilfe oder nur als Supplierfüller, nicht mehr wegzudenken.

Dass der Film im Unterricht vor allem bei SchülerInnen sehr beliebt ist, ist unumstritten. Doch immer noch haben viele LehrerInnen Berührungsängste, vor allem wenn es um den Einsatz des Films als Unterrichtshilfe und um die Filmvermittlung geht. Grund dafür ist meist die eigene Unsicherheit mit dem Medium, das fehlende Wissen um Filmanalyse, Filmproduktion, Wirkung, die Auswahl und die adäquate Anwendung des richtigen Films. Die folgende Auswahl an Internetportalen, Schulfilmprojekten und Literaturtipps rund um den Einsatz von Film im Unterricht kann eventuell einige Anregungen geben:
Schulkino
Unter dem Titel „Kino macht Schule“ bieten das VOTIVKINO und das DE FRANCE nahezu täglich Schulvorführungen sehr sorgfältig ausgewählter Filme an, die sich besonders für den Einsatz im Unterricht eignen. Sowohl für die Unterstufe als auch für die Oberstufe aller Schultypen gibt es für einen Ticketpreis von € 5,–/Kind Filme mit einem breiten Spektrum an Themen und Schwerpunkten – vom Kinderfilm für Volksschulen bis zur fremdsprachigen Literaturverfilmung für die Sekundarstufe II, vom Filmklassiker bis zum zeitgenössischen Festivalpreisträger.
Der polyfilm-Verleih, mit dem Filmcasino als Kinostandort in Wien, hat unter dem Titel cineclass einen Pool an Filmen, die PädagogInnen individuell – oft bundesweit – buchen können. Je nach Bedarf und Verfügbarkeit gibt es die Möglichkeit von Diskussionen und Workshops zu den Filmen.
www.schulkino.at ist eine bundesweite Informationsplattform für Pädagoginnen und Pädagogen, die das Medium Film für ihren Unterricht nutzen wollen. In Kooperation mit 39 Partnerkinos in ganz Österreich (vorwiegend Multiplex-Kinos) können Filme online für Schulvorstellungen ausgewählt und gebucht werden. Zu einigen Filmen stehen auch Unterrichtsmaterialien zu Verfügung.
Vor mittlerweile 14 Jahren ist das Kinder- und Jugendkino vom Kosmos-Kino ins Cinemagic, das ehemalige Opernkino, gezogen. Besonderer Wert wird bei der sorgfältigen Programmauswahl auf die inhaltliche und formale Eignung der Filme sowie auf die Programmvielfalt gelegt. In den Programm-Reihen „Kino für Kinder”, „Schule im Kino” sowie „movieZ” werden in regelmäßigen Abständen Filmgespräche mit einer Filmpädagogin bzw. mit ExpertInnen (RegisseurInnen usw.) angeboten.
Für SchülerInnen zwischen sieben und 18 Jahren gibt es seit 2002 die Möglichkeit, kostenlos das Filmmuseum zu besuchen. In vier Veranstaltungsreihen (Im Atelier mit: ... Filmemacher stellen ihre Arbeit vor; Lecture: Vorträge von FilmvermittlerInnen; Film-Talk: Filmvorführung und Gespräch mit Filmemachern; Watch your Language: „Filmschätze“ in Originalsprache) kann Film in seiner ganzen Vielfalt durch unterschiedliche Methoden erfahren werden.
Film-Plattformen
Das Institut filmABC versteht sich als eine Anlaufstelle für Fragen der Filmvermittlung bzw. für Film im Unterricht, mit dem Versuch eines bundesweiten Angebots. Angeboten werde Seminare und Workshops für PädagogInnen (Film trifft Schule), Unterrichtsmaterialien, Veranstaltungskalender etc. aber vor allem: eine umfassende, übersichtliche Verlinkung zu Kinos, Filmvermittlern, Verleihern, Medien, Instituten, Festivals u. v. m.
Das bm:ukk hat mit www.mediamanual.at eine interaktive Plattform für die aktive Medienarbeit an der Schule geschaffen. Hier findet man themenorientierte, umfassende Informationen, Lectures, Workshops zu Film & Video (technisch und inhaltlich), Computer und neuen Medien.
Mit www.visionkino.de, www.kinofenster.de und www.bjf.info soll noch auf deutsche Internetportale hingewiesen werden, die sich umfassend dem Kinder- und Jugendfilm und der Filmvermittlung verschrieben haben. Auf den sehr übersichtlich gestalteten Portalen erhält man leicht Zugang und Wissen zu Kinder- und Jugendfilmen, Unterrichtsmaterialien, Interviews, Leitfäden zur Filmvermittlung, findet aber auch Artikel zu vielen Aspekten des Films, seien die nun technischer oder inhaltlicher Natur.
Vorführungen selbst organisieren
Außerhalb von Wien dünnt sich das Angebot an Filmvermittlungsprogrammen recht schnell aus. Allerdings gibt es in vielen regionalen Kinos, egal ob in Kinos großer Ketten oder aber kleinen Programmkinos, die Möglichkeit, eigene Schulvorstellungen (meist zum Preis von € 5,–/Kind) zu organisieren. Grundsätzlich können die meisten Filme, aktuell oder Klassiker, Blockbuster oder Arthouse, extra gebucht werden.

