Sprachliche Bücherbrücken in alle Welt

Von Ines Wagner

Österreich ist ein vielsprachiges Land: Slowenisch, Kroatisch, Bosnisch, Serbisch, Türkisch, Russisch, Chinesisch, zunehmend auch Albanisch und Arabisch sind gebräuchliche Umgangssprachen. Wichtig ist es, den Stellenwert dieser Erstsprachen zu stärken. Denn Forschungsergebnisse zeigen, wie wichtig die gute Beherrschung der Erstsprache für den Erwerb weiterer Sprachen ist.

Blick in eine Buchhandlung

Kinderbücher in verschiedenen Sprachen signalisieren Kindern, dass es nicht nur eine Sprache und Schrift gibt, sie fördern auch die Sprachkompetenz. In den Regalen der Buchhandlungen sind allerdings wenige fremdsprachige Titel und noch weniger bilinguale Geschichten für Kinder- und Jugendliche zu finden. Solange sich die Suche auf englische Titel beschränkt, wird man noch relativ problemlos fündig. Sucht man Bücher in Bosnisch, Albanisch oder Serbisch, ist das Angebot bei weitem weniger umfangreich. Warum ist das so? Einen Erklärungsversuch liefert Petra Wagner vom Projekt Kinderwelten der Internationalen Akademie in Berlin: „Während Englisch und Französisch als angesehene Sprachen gelten, werden andere, wie Kroatisch, Slowenisch, Türkisch oder Arabisch immer noch geringer bewertet und damit diskriminiert.“ Das schlägt sich auch im Angebot der mehrsprachigen Buchtitel im Handel nieder. Es liegt an der Gesellschaft, die sprachliche Identität dieser Kinder ausreichend zu stärken. Erst ein viel größeres Angebot an Büchern in „weniger angesehenen“ Sprachen, würde diese gleichwertig neben das Deutsche stellen.

Wenig Gewinn

Ein weiterer Erklärungsversuch ist der kommerzielle Ansatz: „Da mehr- bzw. fremdsprachige Bücher hauptsächlich von kleinen Verlagen in geringen Mengen publiziert werden, ist die Gewinnspanne der Buchhandlungen aufgrund geringerer Rabatte bedauerlicherweise kleiner“, beschreibt Hildegard Pohl von der internationalen Buchhandlung Le Matou in Berlin die Situation. Eine weitere Hürde für mehrsprachige Bücher, wenn Deutsch eine der Sprachen ist: „Zwei- und mehrsprachige Bücher sind dann in Österreich der Buchpreisbindung unterworfen – im Gegensatz zu fremdsprachigen Büchern!“, erzählt Silke Rabus vom Hauptverband des österreichischen Buchhandels.

Onlineshops

Doch die Nachfrage nach mehrsprachigen Kinder- und Jugendbüchern steigt: Eltern, ErzieherInnen und PädagogInnen sehen sich in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft mit neuen sprachlichen Herausforderungen konfrontiert, die sie Hilfe und Unterstützung durch mehrsprachige Bücher suchen lassen. Verlage wie Arena, Drava, Edition Orient, NordSüd Verlag, Edition bi:libri und einige andere haben sich zusammengetan, um mehr zweisprachige Kinder- und Jugendbücher in die Regale der Buchhandlungen zu bringen. Viele Verlage bieten mittels kundenfreundlichen Onlineshops die Antwort auf den schwachen Präsenzbestand mehrsprachiger Bücher im Buchhandel und damit eine einfache Möglichkeit, bilinguale Bücher zu beziehen.

Schulzeitschriften

Zeitschriften für den Unterricht

Mehrsprachige Bücher

Literacy.at hat Bezugsquellen für mehrsprachige Kinder- und Jugendbücher im Internet und bei Buchhandlungen gesucht und gefunden.