Digital Literacy

Von Ines Wagner

Dass Kinder und Jugendliche oft viel Zeit vor dem Computer verbringen, lässt sich nicht bestreiten. Doch welche Fähigkeiten entwickeln sie dabei? Welche Anwendungen benutzen sie? Und wie gehen sie mit den Sicherheitsrisiken um? Antworten auf diese Fragen liefert eine neue Studie.

Board mit Begriffen zur Digital Literacy

Digital Literacy wird übersetzt mit dem Begriff Digitalkompetenz und meint die Fähigkeit, über Computer dargestellte Informationen unterschiedlicher Formate zu verstehen und anzuwenden. In der Studie „Digital Literacy and Safety Skills” (siehe Kasten rechts) standen die Reichweite an Aktivitäten, die Kinder und Jugendliche im Internet durchführen, ihre Fähigkeiten und, als dritter Punkt, ihr Selbstvertrauen im Internet beziehungsweise die Selbsteinschätzung betreffend ihr eigenes Können im Mittelpunkt der Untersuchungen.

Wie aktiv sind die 9- bis 16-Jährigen im Internet?

Um herauszufinden, in welchem Umfang Kinder und Jugendliche zwischen neun und 16 Jahren das Internet nutzen, mussten die Befragten angeben, welche der 17 wählbaren Anwendungen (z. B.: Internet für die Hausübung nutzen, Videoclips ansehen, chatten, Lesezeichen anlegen, Spammeldungen blockieren, videospielen, E-Mails verschicken, eine Webcam bedienen etc.) sie im letzten Monat benutzt hatten. Die befragten Personen gaben an, im Durchschnitt etwa 7,2 dieser 17 Aktivitäten im letzen Monat durchgeführt zu haben. Anwendungen, die sich mit Information (z. B. Informationen für die Hausübung), Unterhaltung (z. B. Videospiele) und Kommunikation (Chatten) beschäftigen, sind dabei deutlich beliebter als das Durchführen von gruppenbasierendem Austausch (z. B. Datensharing). Buben haben in dieser Studie leicht die Nase vorn (7,5 Aktivitäten von 17), die Mädchen (7 von 17) sind vor allem bei den Videospielen eher zurückhaltende Internetnutzer.
Auch im Alter gibt es Unterschiede: Je älter Kinder werden, desto häufiger benutzen sie das Internet und auch einen viel größeren Bereich an unterschiedlichen Anwendungen. Auffallend sind auch Ungleichheiten in der Internetnutzung aufgrund eines unterschiedlichen sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Status. Kinder aus gehobenen sozialen Schichten haben ein höheres Repertoire an Anwendungen im Internet aufzuweisen.
Diese erste Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass jüngere Kinder, Mädchen und Kinder mit niedrigem sozialökonomischem Status weniger Anwendungen benutzen und deswegen auch weniger Digitalkompetenz haben.

Was macht das Internet mit mir?

Auch die Sicherheitsrisiken wurden abgefragt. Man kam zu dem Ergebnis, dass die Jugendlichen nur etwa die Hälfte der untersuchten Anwendungen beherrschten. So sind sie weniger dazu imstande, Informationen zu filtern und zu blocken, als Sicherheitsinformationen im Netz zu finden, Personen zu blocken oder eine Seite mit einem Lesezeichen zu markieren. Wiederum war aus den Antworten herauszulesen, dass Jüngere noch nicht so viele Fähigkeiten haben, Buben ein wenig besser sind als Mädchen und Jugendliche aus höheren sozialen Schichten einen Vorteil bei der Internetnutzung haben.

Das Internet: Eine unbekannte Größe?

Eine weitere Möglichkeit, die Digitalkompetenz zu untersuchen, ist die, Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten selbst einschätzen zu lassen. Dies gibt auch gleich Aufschluss über das Selbstvertrauen, das Kinder und Jugendliche online an den Tag legen. Es wurden zwei Fragen beantwortet: „Wie sehr trifft es zu, dass ich viel über das Internet weiß?“ sowie „Wie sehr trifft es zu, dass ich mehr darüber weiß als meine Eltern?“
Hier sollte man nicht von übertriebenen Fehleinschätzungen ausgehen. Nur 36 Prozent der europäischen 9- bis 16-Jährigen gaben an, mehr über das Internet zu wissen als ihre Eltern. Nur 33 Prozent sagen, dass es zutrifft, dass sie sehr viel über das Internet wissen. Je älter die Befragten sind, desto häufiger geben sie an, viel über das Internet zu wissen. Buben sind dabei etwas selbstbewusster als Mädchen. Auffällig ist, dass jene, die angeben, mehr als ihre Eltern über das Internet zu wissen, aus einkommensschwächeren Haushalten kommen.

Fazit

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die drei Interessensgebiete (Aktivitäten, Fähigkeiten und Selbstvertrauen) positiv miteinander verbunden sind. Grundsätzlich ist zu sagen: Je mehr Zeit Kinder online verbringen, desto mehr Fähigkeiten und Wissen über das Internet haben sie. Weiters gilt: Je mehr Fähigkeiten bzw. Selbstvertrauen sie im Netz haben, desto mehr unterschiedliche Aktivitäten üben sie aus und können damit das Internet auf positive Art nutzen.

Betrachtet man die Ergebnisse im Ländervergleich, so wird deutlich, dass die Aktivitäten im Internet und die entwickelten Fähigkeiten sehr stark miteinander korrelieren und sich auch gegenseitig beeinflussen. In Ländern, in denen Kinder ausgeprägte Fähigkeiten vorweisen, haben sie auch ein großes Repertoire an Aktivitäten.

Immer mehr junge Kinder verbringen sehr viel Zeit im Internet. Digitale Fähigkeiten und vor allem ein verantwortungsvoller Umgang mit den Sicherheitsrisiken im Netz werden aber erst nach und nach erlernt und sind erst im höheren Alter ausgereift. Das gezielte Erlernen von Digitalkompetenz sollte demnach ein Ziel sein. Denn je schneller ein Kind Fähigkeiten im Umgang mit dem Internet erlernt, desto sicherer ist es dort unterwegs.

Die Studie

Cover der Studie

N. Sonck, S. Livingstone, E. Kuiper, J. Haan:
Digital literacy and safety skills
EU Kids Online, London School of Economics & Political Science, London, UK.

In der Studie wurden 25.000 europäische Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 16 Jahren über ihren Umgang mit neuen Medien befragt.

Digital literacy and safety skills (701 KB)

Childrens digital Literacy

Studienergebnisse

© Digital literacy and safety skills