Fernsehen ist kein Kinderspiel

Von: HAF

Immer noch gehen die Meinungen zum Thema „Kinder und Fernsehen“ weit auseinander. Auf der einen Seite setzen KritikerInnen jeglichen TV-Konsum mit Verdummung gleich, auf der anderen erklären BefürworterInnen den Fernseher ohne Vorbehalte zum Bildungsinstrument, das den Widerspruch zwischen Wissensvermittlung und Spaß aufhebt. Also was jetzt?

Bub vor TV-Gerät

Eine Studie der University of Montreal, geleitet von der kanadischen Psychologin Linda S. Pagani, kam zu dem Schluss, dass sich häufiger TV-Konsum von Kleinkindern auf lange Sicht negativ auswirkt. Grundlage der Studie sind die tagebuchartigen Aufzeichnungen von Eltern bezüglich des Fernsehverhaltens ihrer Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren.

Überzeugende Argumente?

Einige Jahre später wurden die schulischen Leistungen der inzwischen 10-Jährigen von den Eltern in einem „ausführlichen Bericht“ dargelegt. Das Ergebnis: Wer in seiner frühen Kindheit mehr als zwei Stunden täglich mit Fernsehen beschäftigt war, meldete sich im Durchschnitt um sieben Prozent seltener im Unterricht und wies tendenziell schlechtere mathematische Leistungen auf. „Vielseher“ waren eher in Probleme mit Klassenkameraden verwickelt, häufiger Mobbing-Opfer und hatten eine erhöhte Neigung zu ungesundem Lebensstil. Sie wogen im Schnitt um fünf Prozent mehr und waren sportlich weniger aktiv. Pagani ist überzeugt, dass ihre Studie „überzeugende Argumente gegen exzessives Fernsehen in der frühen Kindheit liefert“. Stellt sich die Frage, ob diese Einsicht wirklich der Verdienst dieser doch fragwürdigen Studie ist, bei der sich beinahe sämtliche Vergleichswerte im einstelligen Prozentbereich befinden. In der Tat gibt es aber keine Studien oder sonstigen Untersuchungen, die einen positiven Einfluss von TV-Konsum auf Kleinstkinder sehen.

Eingeschränkter Medienkonsum

Die Amerikanische Akademie für Kindermedizin (AAP) empfiehlt, Kindern unter zwei Jahren so wenig wie möglich und Kindern generell maximal zwei Stunden täglich Fernsehkonsum zu erlauben. Da gerade frühkindliche Erfahrungen das Gehirn besonders nachhaltig prägen, ist es wichtig, den Fernsehkonsum nicht isoliert vom sonstigen Medienkonsum – via Computer, Tablet oder Smartphone – zu sehen.

Die folgenden Richtlinien beziehen sich daher nicht explizit nur aufs Fernsehen:

  • Bis zum 3. Lebensjahr: Fernsehen und Internet möglichst meiden.
  • Zwischen drei und sechs Jahren (Vorschulalter): max. eine halbe Stunde täglich 
  • Zwischen sechs und neun Jahren (Volksschüler): bis zu fünf Stunden pro Woche

Eine nützliche Empfehlung gibt darüber hinaus Dr. Martin Pachinger, Leiter des Linzer Kinderhilfswerks: „Es bewährt sich, ab dem ca. zehnten Lebensjahr ein TV-Wochenstundenbudget zu vereinbaren. Es sollte acht bis neun Stunden nicht überschreiten und Kindern dabei helfen, zu lernen, sich ihre Zeit selbst einzuteilen.“

Eltern als Vorbild

Sinnvoll sei es weiters, Kinder nicht einfach vor dem Fernseher zu parken, sondern gemeinsam mit ihnen „das Fernsehprogramm auszuwählen und diese Sendungen auch gemeinsam anzuschauen“. Pachinger spricht von altersadäquatem Fernsehen und empfiehlt Eltern junger Kinder, die gesehenen Inhalte zu kontrollieren. Bei Gewaltszenen gäbe es kein Pardon: „Hier sind die Eltern aufgefordert, den Konsum solcher Inhalte klar zu unterbinden.“ Das eigene Fernsehverhalten dürfe freilich nicht im krassen Widerspruch zu den aufgestellten Richtlinien stehen – letzten Endes sind Eltern und ErzieherInnen eben doch die unmittelbarsten Vorbilder, an denen sich Kinder orientieren.

Tipps für ErzieherInnen

Die Deutsche Bundesprüfstelle wendet sich mit zehn grundlegenden Tipps, die von Fachleuten zusammengestellt wurden und eine sichere Orientierung für Eltern und LehrerInnen bieten, an ErzieherInnen.

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Relevant ist nicht nur, wie viel ferngesehen wird, sondern auch, was man sich ansieht: FLIMMO wendet sich an Erziehende und wartet mit stets aktuellen Sendungsempfehlungen auf. Daneben gibt es eine Art Filmguide, der sich der Kindertauglichkeit von Hollywood-Filmen und Serien widmet und auch eine Altersempfehlung abgibt.

Wikipedia Familienfilm

Ein breites Verzeichnis der Wikipedia-Datenbank an deklarierten Familienfilmen mit Informationen zu Handlung, Rezeption und Altersfreigabe.

http://de.wikipedia.org