„Die Bibliothek braucht eine zentrale Stellung!“

Interview: Simone Kremsberger

Drei Eisenbahnwaggons im Schulhof: So sah bisher die Schulbibliothek des Wiener Goethe-Gymnasiums aus. Am 18. Jänner wurde die neue Indoor-Bibliothek der Schule feierlich eröffnet. Nun ist Platz für Projekt- und Gruppenarbeit mit ganzen Klassen, freut sich Schulbibliothekar Helmut Schödl.

Die neue Bibliothek bietet den Schülerinnen und Schülern Belletristik, Kinder- und Jugendliteratur, Sachbücher, Spiele, audiovisuelle Medien und vieles mehr.
Die neue Schulbibliothek des Goethe-Gymnasiums im 14. Wiener Gemeindebezirk

Die Bibliothek war bisher in drei Zugwaggons am Schulhof untergebracht. Eine ungewöhnliche Lösung ...
Es gab viele Kinder, die hauptsächlich wegen der Bibliothek an diese Schule gekommen sind. Wir haben jedes Jahr eine Veranstaltung, die sich „Goethiade“ nennt und bei der Volksschulklassen aus der Gegend zu uns kommen und sich die Schule anschauen. Die Bibliothek haben die Kinder immer ganz toll gefunden.

Was sind die Nachteile eines Bibliothekszugs?

Wenn Sie keine festen Schuhe anhaben, kriegen Sie nasse Füße, denn wenn Sie von einem Waggon in den anderen gehen, müssen Sie durchs Freie. Im Winter kann es trotz Heizung vom Boden her sehr kalt werden. Und vor allem ist nicht genug Platz, dass man mit Klassen drin arbeiten kann. Im Sinne des Projektunterrichtes ist das aber ganz wichtig, und die Bibliothek muss eine zentrale Stellung in jeder Schule haben.

Welche Vorzüge bietet nun die neue Bibliothek?
Erstens ist der Raum vom Haus aus erreichbar, man muss nicht ins Freie und ist witterungsunabhängig – im Normalfall eine Selbstverständlichkeit, aber für uns ist das eine Neuerung. Zweitens kann man mit ganzen Klassen Projektarbeit machen. Drittens kann man multimedial arbeiten, z. B. Präsentationen oder Filme zeigen. Und der Bestand ist wesentlich übersichtlicher und attraktiver aufgestellt als bisher. Die Ausstattung spielt auch eine Rolle: Es ist alles in Echtholz gemacht, der Boden ist ein geölter Massivholzboden.

Der „alte“ Bibliothekszug der Schule wird weiter genutzt.
Der „alte“ Bibliothekszug mit Mag. Erna Fischer

Bleibt der beliebte Bibliothekszug erhalten?
Ein Zug wird Teil der Bibliothek sein, die zwei hinteren Waggons sollen für Unterrichtszwecke benutzt werden. Der Bibliothekszug ist ein Markenzeichen: Es gibt keine andere Schule in Wien, die eine Bibliothek im Zug hat – und jetzt haben wir eine Bibliothek im Zug und eine Bibliothek, die alle funktionalen Erfordernisse erfüllt.

Gab es viele neue Anschaffungen mit der Neueröffnung?

Wir haben so viele neue Medien, dass sich das Problem des Ankaufs für die Neueröffnung nicht gestellt hat. Wir haben allein 500 DVDs – ich weiß von anderen Schulen, dass das nicht die Regel ist. Bei uns geht es nicht darum, neue Medien zu kaufen, sondern das, was wir haben, so zu zeigen, dass die Kinder danach greifen.

Was borgen die Kinder am liebsten aus?

Die Buben in der Unterstufe lesen entweder Fantasy oder bebilderte Sachbücher. Die Mädchen lesen weniger Sachbücher, mehr Kinder- und Jugendliteratur aller Art. Wenn sie älter werden, gibt es einen gewissen Einbruch. Dann kommen die Schülerinnen und Schüler eher mit Aufträgen, dass sie etwas von einem bestimmten Autor oder aus einer bestimmten Zeit lesen sollen, und wir beraten sie dann.

Wann haben die SchülerInnen Gelegenheit zum Schmökern und Ausborgen?

Wir haben entsprechend der Größe unserer Bibliothek elf Stunden in der Woche geöffnet, das verteilt sich auf mehrere Tage und Tageszeiten, teilweise fällt es in Unterrichtszeiten, teilweise in Zeiten nach dem Unterricht. Zusätzlich haben wir in vielen Pausen geöffnet, und in der 10-Uhr-Pause kommt die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler.

Gibt es auch SchülerInnen, die in der Bibliothek mitarbeiten?

Ja, ich habe gerade Kinder aus der zweiten Klasse eingeladen, mitzuarbeiten. Sie ordnen Bücher ein, beraten die anderen bei der Auswahl der Bücher ...Wobei man den Nutzen der Mitarbeit am Anfang nicht überschätzen darf – das dauert Jahre, bis der Nutzen sehr groß ist. Aber allein dass da jemand da ist, mittut, Freude hat, das ist wichtig.

Wie möchten Sie die Schulbibliothek im Unterricht einbinden?

Ich möchte gerne im Unterricht mit Büchern arbeiten, wobei ich die Gruppenarbeit, das selbstständige Arbeiten und das das selbstständige Erarbeiten von Themen fördern möchte. Das ist ganz, ganz wichtig.

Festliche Eröffnung

SchülerInnen bei der Eröffnungsfeier

Am 18. Jänner wurde die neue Schulbibliothek des Goethe-Gymnasiums im 14. Wiener Gemeindebezirk feierlich eröffnet. Bereits am Morgen ging es für die SchülerInnen nicht ins Klassenzimmer zur Mathestunde, sondern in den Festsaal zu Renate Welsh. Die Autorin las aus ihrem Werk und beantwortete die zahlreichen Fragen der Kinder mit spannenden und lebendig erzählten Geschichten aus ihrem Leben. Abends fand ein Festakt zur Eröffnung der Schulbibliothek mit Dichterlesungen und vielen Beiträgen der Schulklassen – vom „Bibliotheksblues“ bis zur „Bücherverkochung“ – statt. Zahlreiche Ehrengäste aus den Bereichen Bildung, Politik, Literatur und Wirtschaft waren geladen und konnten sich ein Bild von der modern und freundlich gestalteten Schulbibliothek machen.

Zur Website des Goethe-Gymnasiums

Zur Person

Erna Fischer und Helmut Schödl

Prof. Mag. Helmut Schödl unterrichtet Deutsch und Französisch und betreut gemeinsam mit Mag. Erna Fischer, Lehrerin für Deutsch und Geschichte, die Schulbibliothek des Wiener Goethe-Gymnasiums.