„Ich hatte keinen Plan B”

Laura Widerhofer erzählt über ihre Erfahrungen beim Erstellen ihrer vorwissenschaftlichen Arbeit im Unterrichtsfach Deutsch.

Literacy.at: Wie bist du auf dein Thema gekommen, wurdest du bei der Themenfindung beraten?
Laura: Für mich war schon zu Beginn klar, dass ich nach einem literarischen Thema suchen würde. Meine Ursprungsidee war es dann, die literarische Umsetzung von Depression besonders in Werken von Autorinnen zu untersuchen und eventuelle autobiografische Aspekte herauszuarbeiten. So kam ich auf Marlen Haushofer und „Die Wand“. Da es sich aber als schwierig herausstellte, gerade psychische Erkrankungen in Fiktion „festzumachen“ beziehungsweise zu „belegen“, habe ich auf Anraten meiner Betreuerin diesen Aspekt in das literarische Motiv der Isolation geändert und „Die Wand“ nun als (moderne/weibliche) Robinsonade betrachtet. Schließlich entfiel auch der autobiografische Teil und meine Arbeit sollte zu einem Werkvergleich werden. Als Gegenstück zur Wand riet mir meine Betreuerin, „Die Arbeit der Nacht“ von Thomas Glavinic zu wählen.

Wenn du nicht über dieses Thema geschrieben hättest, welches wäre es dann geworden?
Ich hatte keinen konkreten Plan B, aber ich denke, wäre es kein literarisches Thema geworden, hätte ich mich vielleicht an ein rein philosophisches Thema gewagt. Genauso gut hätte es aber auch eine historisch angelegte VWA werden können. Jedenfalls taten sich im Arbeitsverlauf immer mehr und mehr wirklich spannende Aspekte und Blickwinkel auf, die nicht alle in einer Arbeit abzuhandeln waren und genügend Stoff für weitere bieten würden.

Deine Meinung: Das Thema eher allgemein halten oder lieber eng ziehen?
Auf jeden Fall lieber eng ziehen und spezifische Fachliteratur wählen.

Wann hast du mit deiner VWA begonnen?
Schon relativ früh, da mir klar war, ich würde während des laufenden Schuljahres nicht ausreichend Zeit finden, um mich intensiv genug mit der Thematik an sich, all der Sekundärliteratur und natürlich dem Schreiben meiner Arbeit befassen zu können. So begann ich bereits im Frühsommer vor der 8. Klasse und schrieb einen Großteil meiner Arbeit in den Sommerferien, was sehr gut war. Die Monate danach konnte ich so noch zum Umarbeiten nutzen.

War es schwierig für dich, die Termine einzuhalten?
Nein. Ich denke, dass gerade die ersten Fristen zu weit auseinanderliegen. Zwischen der ersten Themeneinreichung und dem tatsächlichen Schreiben vergeht viel Zeit, die nur schwer genutzt werden kann. Eine intensive Auseinandersetzung mit entsprechender Sekundärliteratur wäre auf jeden Fall sinnvoll, bevor man eine Gliederung einreicht – was also meines Erachtens nach auch etwas später angesetzt werden könnte.

Welchen Bereich des Arbeitens hast du am schwierigsten gefunden?
Das Strukturieren, Umstrukturieren, Neustrukturieren! Man glaubt es anfangs nicht, aber die Kapiteleinteilung zu treffen ist wohl eines der essenziellsten, aber auch schwierigsten Dinge und für die Arbeit von maßgeblicher Bedeutung.

Hast du es während des Arbeitens bereut, dieses Thema ausgewählt zu haben? Wenn ja, warum?
Nein! Je mehr ich mich damit beschäftigte, umso begeisterter war ich.

Dein persönlicher Tipp für alle, die ihre VWA vor sich haben?
Vorbereitung ist alles! Jede Idee, jede Information und jedes Wissen, das ich mir vor Schreibbeginn aneigne, hilft mir, den Überblick über den Umfang zu bekommen, und somit später auch beim Verfassen der Arbeit.

Du hast eine VWA über ein literarisches Thema geschrieben. Wir interessieren uns für deinen Büchergeschmack.
Dein(e) Lieblingsautor(in)?

Schwer zu sagen – einen speziellen Autor, eine spezielle Autorin gibt es da für mich gar nicht.

Deine drei Bücher für die einsame Insel?
„The Catcher in the Rye“ von J. D. Salinger,
„Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow,
„Heldenplatz“ von Thomas Bernhard.

Welches Buch liest du gerade?
„Tête-à-tête: Leben und Lieben von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre“ von Hazel Rowley und „Kafka at the Beach“ von Haruki Murakami.