Zusammen lesen,
zusammen entdecken

Von Michael Achleitner

Nicht jedes Kind muss gerne lesen. Aber jedes Kind muss sinn­erfassend lesen können. Das Lesepaten-Projekt will dazu beitragen.

Ohne Lesekenntnisse ist eine erfolgreiche Bildungs- und Berufslaufbahn ebenso unmöglich wie das Erschließen von Kulturgütern. Die Konsequenzen niedriger Bildung sind belegt: Höheres Risiko für Arbeitslosigkeit, niedrigeres Einkommen, schlechterer Gesundheitszustand, höherer Pflegebedarf und höheres Kriminalitätsrisiko sind nur einige von ihnen.

Lesepatenschaft

Um dem entgegenzuwirken, setzen das Österreichische Rote Kreuz und das Jugendrotkreuz mit der Lesepatenschaft eine Initiative bei den kleinsten Bildungsbürgerinnen und -bürgern – im Kindergarten und in der Volksschule. Zwar werden die Fertigkeiten für das Lesenlernen in Österreichs Volksschulen problemlos vermittelt, die Förderung von Kindern mit Leseschwächen ist aber im Regelunterricht nicht immer im erforderlichen Ausmaß möglich und braucht daher vermehrt Einzelbetreuung, wie sie durch Lesepatinnen und Lesepaten stattfinden kann.

Das Rote Kreuz hat es sich zum Ziel gesetzt, ein flächendeckendes Angebot zur Steigerung der Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen durch das Eingehen von Lesepatenschaften
zwischen freiwilligen ÖRK-Mitarbeitern/-Mitarbeiterinnen und Kindern bereitzustellen. Mit dem Projekt Leseförderung sollen die Lust am Lesen sowie die Neugier junger Leser auf humanitäre und gesellschaftspolitische Themen geweckt werden. In den Genuss der Lesehilfe kommen Kinder und Jugendliche im Pflichtschulbereich aus sozial schwachen Familien oder Familien mit Migrationshintergrund sowie Kinder und Jugendliche, deren Lesefähigkeit zu Hause nicht adäquat gefördert werden kann.

Lesefreude vermitteln

Lesepatinnen und Lesepaten kommen jede Woche zu einem – wenn möglich fixen – Termin für zwei Schulstunden in die Klasse oder während der Nachmittagsbetreuung in die Schule. Die Regelmäßigkeit der Besuche ist wichtig. In der Klasse üben sie mit den Kindern, die Betreuung am meisten benötigen. Die Aufgaben werden mit der Schulleitung und vor allem mit dem Lehrpersonal abgestimmt.
Doch nicht erst in der Volksschule, schon im Kindergarten können Lesepatinnen und Lesepaten Lesefreude und eine positive Haltung zum Lesen vermitteln: durch Vorlesen. Auch einfache Experimente mit den Kindern durchzuführen ist spannend und weckt die Neugierde. Experimente schaffen Sprechanlässe, der Wortschatz wird erweitert, auch durch die Einbindung der nicht deutschen Erstsprache.

Leitfaden zur Initiative

Der Leitfaden „Zusammen lesen, zusammen entdecken“ beschreibt auf 40 Seiten, wie man eine Lesepaten-Initiative an seiner Schule startet, wie die Koordination mit der Schule funktionieren kann, wer Lesepatinnen und Lesepaten sowie Kinder auswählt und was (vor)gelesen werden soll. Zudem gibt es Hintergrundberichte darüber, wie das Lesen eigentlich funktioniert und warum man liest. Denn die bloße Freude am Lesen ist nur ein Grund dafür, viel häufiger ist das Lesen eine alltägliche Notwendigkeit, deren Beherrschung Voraussetzung für Unabhängigkeit ist. Der Leitfaden bietet zudem eine Reihe von Lesespielen, jede Menge Experimente und Tipps für Lesepatinnen und -paten.

Der Leitfaden

Österreichisches Rotes Kreuz (Hg.):
Zusammen lesen, zusammen entdecken
Leitfaden für das begleitete Lesen mit Kindern.
Mit 20 Experimenten zur Erweiterung des Sachwortschatzes.

40 Seiten

Den Leitfaden gibt es auf www.roteskreuz.at/gesellschaftspolitik als PDF-Datei zum Ausdrucken.