Kidz, lernz Medien

Von Michael Achleitner

Fast alle Kinder haben heute die Möglichkeit, das Internet zu nutzen. Gut zwei Drittel aller Sechs- bis 13-Jährigen zählen nach eigenen Angaben zu den regelmäßigen Internetnutzern.¹ Dabei sind sie mit einer Flut an Informationen konfrontiert, die es zu bewerten und zu filtern gilt. Wer bringt den Kindern das bei? Muss Medienkunde ein verpflichtendes Unterrichtsfach werden?

Mädchen mit Laptop und Kopfhörer

Seit ca. 30 Jahren gibt es nun das Internet in Österreich. Keine andere technische Entwicklung hat unsere Gesellschaft stärker verändert als das World Wide Web (WWW). Um im Dschungel der digitalen Daten überhaupt Informationen zu finden, greift man auf Suchmaschinen wie Google zurück, die zum Synonym für die Internetsuche wurde: Man sucht nicht, man googelt. Man kauft online ein, verschickt seine Briefe online, bildet sich online weiter, begibt sich via Google Maps auf eine virtuelle Tour zum nächsten Urlaubsort. Kinder und Jugendliche pflegen ihre Freundschaften auf Facebook, verabreden sich auf WhatsApp, stellen sich auf Instagram zur Schau und konsumieren Inhalte von Videokanälen auf YouTube.

Natürlich ist nicht alles Gold, was im Internet glänzt. Junge Menschen vor dem Bildschirm werden mitunter zum Extremismus verführt – man denke an die Propagandamaschine des Islamischen Staats. Pornoseiten wie youPorn prägen das Sexualverständnis von Pubertierenden. Manche Verliebte senden auf Drängen ihres Verehrten Nacktvideos, die später im Internet landen. Cybermobbing ist längst kein reines Schlagwort mehr.

Medienkunde als Unterrichtsfach?

Auch in der Schule kommen digitale Geräte zum Einsatz, allerdings passiert dies derzeit noch sehr punktuell. Etwa jede dritte Schülerin bzw. jeder dritte Schüler verwendet im Unterricht zumindest einmal pro Woche einen klassischen Computer (31 %). Mobile Geräte wie ein Handy oder Smartphone (16 %) sowie Notebooks oder Laptops (15 %) werden noch seltener eingesetzt. Bei jedem/jeder zehnten Schüler/in (11 %) kommt zumindest einmal pro Woche ein Whiteboard zum Einsatz. Auch sind derzeit Tabletklassen noch die Ausnahme, nach Angaben der befragten Schulkinder werden im Laufe einer Woche Tablets nur bei acht Prozent der Schülerinnen und Schüler im Unterricht verwendet.

Neben den großartigen bereits existierenden Initiativen wie saferinternet.at oder der Demokratiewebstatt des Parlaments könnte etwa ein verpflichtendes Unterrichtsfach „Medienkunde“ helfen, Kinder auf die angesprochene Problematik, die mit der Nutzung des Internets verbunden ist, aufmerksam zu machen. Medienkompetenz (media literacy) ist eine Schlüsselkompetenz, die hilft, bessere Entscheidungen zu treffen. Wir brauchen Medienkompetenz, um fundiert zwischen verschiedenen Medien wählen zu können, um Inhalte und Informationen kritisch bewerten zu können und in vielfältigen Medien zu kommunizieren. Wir brauchen Medienkompetenz, um das Potenzial des Internets uneingeschränkt risiko- und medienkompetent zu nutzen.

Tatsächlich ist die (digitale) Medienerziehung in Österreich in einem Grundsatzerlass festgeschrieben. Da Medienerziehung nicht an einen Gegenstand gebunden ist, sind eine intensive Anwendung und Umsetzung in allen Fächern anlassbezogen notwendig. Nachhaltiger Kompetenzaufbau ist eine wesentliche Aufgabe von Schule und Unterricht. Ein zeitgemäßes Verständnis von Lernen und Unterricht eröffnet den Schülerinnen und Schülern passende Möglichkeiten, damit sie aktiv und zunehmend eigenständig ihre individuellen Leistungspotenziale entfalten können.

Medienarbeit an der Schule

Die Plattform für aktive Medienarbeit an der Schule, mediamanual.at, setzt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft udn Forschung zahlreiche Maßnahmen und Schwerpunkte, die die Integration von Medienbildung im Schulalltag erleichtern und unterstützen, dazu zählen u. a. Ressourcen für die aktive Medienarbeit an der Schule, Workshops, Tagungen, der „media literacy award“ und eine Sammlung von Best-Practice-Beispielen.

Auch die Initiative SQA hat das Ziel, durch pädagogische Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung zu bestmöglichen Lernbedingungen beizutragen und das eigenständige Lernen von Schülerinnen und Schülern zu fördern. Für Schulen, die in diesem Rahmen „mehr Medienbildung“ zu ihrem Anliegen machen wollen, hat die Redaktion mediamanual.at einen modellhaften Entwicklungsplan erstellt, der den Schulen (Sek. I und II) Anregungen für die Erarbeitung eines eigenen Entwicklungsplans bietet.


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Quelle: KIM-Studie 2018 (veröffentlicht im Mai 2019)

KIM-Studie 2018 (Zfg.)

Fast alle Kinder (98 %) haben die Möglichkeit, zu Hause das Internet zu nutzen. Gut zwei Drittel aller Sechs- bis 13-Jährigen zählen nach eigenen Angaben zu den InternetnutzerInnen. Bei den Sechs- bis Siebenjährigen nutzt gut ein Drittel zumindest selten das Internet, im Alter von acht bis neun Jahren sind knapp drei von fünf Kindern online. Mit zehn bis elf Jahren zählen vier von fünf Kindern zu den InternetnutzerInnen und bei den Zwölf- bis 13-Jährigen nehmen mit 94 Prozent fast alle Kinder Online-Dienste in Anspruch.

Bei der Betrachtung der regelmäßigen (mind. einmal pro Woche ausgeübten) Tätigkeiten im Internet sind die Recherche über Suchmaschinen (65 %), das Verschicken von WhatsApp-Nachrichten (62 %) und YouTube-Videos (56 %) die meistgenannten Beschäftigungen der Internetnutzer/innen. Ein knappes Drittel hört über das Internet regelmäßig Musik. Im Laufe einer Woche nutzt jeweils jede/r Vierte Facebook oder Wikipedia bzw. verschickt E-Mails. Ein Fünftel (21 %) ist mindestens wöchentlich Snapchat-Nutzer/in, 17 Prozent nutzen regelmäßig Instagram. Fernsehsendungen werden von 16 Prozent über das Internet angesehen, zwölf Prozent nutzen Musical.ly (jetzt TikTok). Die Nutzung von Social-Media-Angeboten ist vor allem für ältere Kinder relevant. Eine zentrale Bedeutung im Alltag hat WhatsApp. Dies betrifft vor allem Kinder ab zehn Jahren, 73 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen und 83 Prozent der zwölf- bis 13-jährigen Internetnutzer/innen verwenden täglich WhatsApp (6–7 Jahre: 17 %, 8–9 Jahre: 36 %). Insgesamt betrachtet – bezogen auf alle befragten Kinder – gibt damit jedes dritte Kind an, diesen Messenger jeden Tag oder fast jeden Tag zu nutzen.

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