Niederösterreichischer Bücherschatz

Leben und Lernen in der Schulbibliothek des BG/BRG Waidhofen an der Thaya.

Interview:Helga Simmerl

Elisabeth Tschuden mit Schülerinnen und Schülern in der Schulbibliothek

Wenn man die Website Ihrer Schulbibliothek besucht, fällt auf, dass Sie ungewöhnliche Öffnungszeiten anbieten. Wie kommt das?
Elisabeth Tschuden: Etwa zwei Drittel unserer Schülerinnen und Schüler wohnen im Umkreis von bis zu dreißig Kilometern Entfernung zur Schule. Die An- bzw. Rückfahrt von und zur Schule ist aufgrund der Busfahrpläne häufig nicht unmittelbar im Anschluss an den Unterricht möglich. Für viele Schülerinnen und Schüler und auch deren Lehrer/innen ist es daher gerade in der Zeit vor und nach dem Unterricht wichtig, das vielfältige Angebot und die multimediale Ausstattung der Schulbibliothek nutzen zu können.

Welche Möglichkeiten der Nutzung haben Schüler/innen und Lehrer/innen in Ihrer Schulbibliothek?
Neben den traditionellen Aufgaben einer Bücherei – Entlehnung und Rückgabe von Medien – stehen ein als Lernraum gestalteter Zugangsbereich und zwei Haupträume mit ans Schulnetz angebundenen PCs, Laserdrucker, DVD/Videokombination, ein Beamer und Smartboard zur Verfügung. Durch die räumliche Aufteilung ist es möglich, hier zu lernen, zu lesen, Präsentationen vorzubereiten und zu erproben, aber auch sich zu unterhalten, gemeinsam zu spielen oder die Fische in dem von Schülerinnen und Schülern betreuten Aquarium zu beobachten.

Worin sehen Sie die wesentlichen Aufgaben Ihrer Schulbibliothek in didaktischer Hinsicht?
Zu den Aufgaben unserer Schulbibliothek gehören drei wesentliche Schwerpunkte: Leseanimation und Leseförderung, das Ermöglichen von Unterricht in der Schulbibliothek und die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern beim Verfassen der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA). Zur Leseanimation bzw. Leseförderung haben wir einen Lesekurs für Schüler/innen der 5. Schulstufe zusammengestellt. Dadurch steht eine Fülle an teilweise selbst hergestellten Lesematerialien wie Leserätsel, Lesepuzzles und Leseralleys oder auch Lesetests zur Verfügung, die im gesamten Schulnetz abrufbar sind. Ab der zweiten Klasse liegt das Augenmerk auf der Vermittlung der Informationskompetenz im Umgang mit Sachbüchern. Schüler/innen lernen, wie aus Sachbüchern Informationen entnommen und verarbeitet werden.

Sie nehmen auch an Wettbewerben teil.
Ja, auch die Teilnahme an Wettbewerben soll die Schüler/innen zum Lesen motivieren. Im Schuljahr 2011/12 konnten wir einen Hauptpreis beim „Buchliebling“ gewinnen, 2015/16 erhielten wir den „Niederösterreichischen Bücherschatz“ – 100 neue Bücher für die Schulbibliothek – mit der Aktion „Lesen ist (ge)wichtig – Wie viele Kilo Literatur schaffen wir?“. Immerhin erreichte die gesamte Schulgemeinschaft, die aufgefordert worden war, von Anfang Dezember bis Mitte Jänner möglichst viel zu lesen, ein „Lesegewicht“ von 280 kg, die Siegerin alleine konnte über 10 Kilogramm Bücher erlesen.

SchülerInnen in der Schulbibliothek des BG/BRG Waidhofen an der Thaya

Wie gelingt an Ihrer Schule Lehren und Lernen in der Schulbibliothek?
Durch die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen wurden Materialien für verschiedene Unterrichtsfächer, aber auch Übungen zu aktuellen Themen für Supplierstunden angelegt. Die Schüler/innen nutzen dabei die Bibliothek, um unterschiedlichste Aufgaben in abwechslungsreichen Lernformen – vom Stationenbetrieb bis zur Reading Race – zu lösen. Diese Art bibliotheksdidaktischen Unterrichts ist aufgrund verschiedener Schwierigkeitsgrade sowohl bei den Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I, als auch der Sekundarstufe II sehr beliebt. Die Freude und die Begeisterung an selbstständigen Lernformen mit den Medien der Schulbibliothek ermutigen, weitere Projekte dieser Art zu entwickeln, nicht zuletzt um unsere Schüler/innen auf spätere Aufgaben (VWA, Studium, lebenslanges Lernen) bestens vorzubereiten.

Welche Aufgaben übernimmt die Schulbibliothek im Rahmen der Vorwissenschaftlichen Arbeit?
Einerseits stellt die Schulbibliothek eine große Zahl an theoretischen Werken bereit, die Schüler/innen sowohl bei der Themenwahl wie auch beim Verfassen der Arbeit unterstützen können. Darunter befindet sich Literatur zum Aufbau einer (vor)wissenschaftlichen Arbeit, zum Schreibstil, zur Zitation und auch zu Präsentationsfertigkeiten.
Darüber hinaus haben wir ein eigenes Modul („Suchen“) entwickelt, das Recherche- und Informationskompetenz stärken soll. Um unseren Schülerinnen und Schülern auch gelungene Beispielarbeiten zur Verfügung zu stellen, werden viele bisher abgegebene Vorwissenschaftliche Arbeiten mit Einverständnis ihrer Verfasser/innen in den Bestand der Schulbibliothek aufgenommen.

Was trägt aus Ihrer Sicht ganz besonders zur hohen Akzeptanz und Nutzung Ihrer Schulbibliothek bei?
Zwei wesentliche Faktoren unterstützen die erfolgreiche Arbeit in unserer Schulbibliothek: einerseits die benutzerfreundlichen Öffnungszeiten (täglich von 7.00 durchgehend bis 16.50 Uhr), die sowohl durch die Arbeitszeit der Bibliothekarin als auch durch die zusätzliche Aufsicht von Lehrer/innen und Schülerbibliothekaren/innen gewährleistet werden können, und andererseits die Aktualität des Bestandes.

Wieviel Bücher gibt es derzeit in Ihrer Bibliothek?
Unser Bestand umfasst momentan über 16.000 Medien und ist in eine Kinder- und Jugendliteraturabteilung und eine Sammlung von Sachbüchern zu jedem Unterrichtsfach gegliedert. Die Unterteilung jedes Fachbereichs in eigens gekennzeichnete Interessensgebiete wird von den Bibliotheksnutzerinnen und -benutzern besonders geschätzt. Eine reichhaltige Zeitschriftenabteilung ergänzt das Angebot.

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