Lesen kommt in den besten Kreisen vor

Von Michael Achleitner

Der dtv-Verlag hat ein Onlineportal für Lesekreise geschaffen. Dort gibt es Begleitmaterial zu ausgewählten Buchtiteln, das als Diskussionsgrundlage für regelmäßige Treffen von Lesebegeisterten dienen kann.

Jugendliche liegen mit ihren Büchern im Gras

Anregend, aufschlussreich, exklusiv – und kostenfrei“ – so bewirbt der dtv-Verlag sein neues Online-Lesekreis-Portal. Speziell für Lesekreise wurde auf der Website Begleitmaterial zu Büchern zusammengestellt, über die gerne und häufig diskutiert wird. Zu den Titeln sind dann etwa exklusive Texte zur Entstehungsgeschichte, Werkeinführungen oder Interviews mit bzw. Erfahrungsberichte von Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzern oder Herausgeberinnen und Herausgebern zu finden. Es gibt zudem ein Lesejournal, in dem man Leseeindrücke und Notizen festhalten kann. Zentrale Zitate, Thesen und Fragen sollen zur Diskussion in Lesezirkeln anregen.

Lesekreise – veraltet oder doch noch zeitgemäß?

Aber sind solche Lesezirkel überhaupt noch zeitgemäß? Trifft man sich wirklich noch im Kaffeehaus, um über Neuerscheinungen zu diskutieren? Verlage setzten auf Social Media, betreiben Blogs und posten bei Facebook, Lesezirkel klingt da schon etwas verstaubt. „Nur scheinbar“, erzählt Annika Schneeweiss von dtv, die dem sechsköpfigen Projektteam angehört, im Interview mit literaturcafe.de. „Es gibt offensichtlich ein großes Bedürfnis danach, sich mit anderen Menschen zusammenzusetzen und sich über Literatur auszutauschen, und das nicht nur virtuell. Die Idee ist entstanden, weil wir zahlreiche Anfragen nach zusätzlichen Informationen zu Autoren und ihren Büchern bekommen, die in Lesekreisen besprochen werden. So bekommen wir auch mit, dass ständig neue Lesekreise ganz unterschiedlicher Natur entstehen – ob privat im Freundeskreis oder in Verbindung mit Buchhandlungen, Volkshochschulen oder Literaturhäusern.“

Derzeit stehen zehn Titel (darunter „Stoner“ von John Williams, „Der alte König in seinem Exil“ von Arno Geiger und „Der Fall Jane Eyre“ von Jasper Fforde) zur Verfügung. Material zu weiteren Titeln ist in Planung.

Buchtipp

Cover: Das Lesekreis-Buch

Thomas Böhm
Das Lesekreisbuch: Eine Anleitung

144 Seiten
Berlin Verlag
ISBN: 978-3833307737

So spannend wie die erste Seite eines neuen Romans ist die erste Minute eines Lesekreistreffens. Hat jemand eine lebenswichtige Weisheit entdeckt? Banalen Blödsinn? Oder eine wunderbare Stelle? Thomas Böhm erläutert, wie man die Lesekreisfreunde und die lesenswertesten Bücher findet. Wie sich die Treffen gestalten lassen – von der Diskussionsleitung bis zum passenden Menü. Daneben enthält das Buch Gedanken zur Tradition des geselligen Lesens und Lektürevorschlägen bekannter Autoren – kurz: alles, was Sie brauchen, um schon bald selbst die erste Minute Ihres Lesekreises zu erleben.