Wenig kompetente Leser

Von Michael Achleitner

Laut aktueller PISA-Studie erreicht beinahe jeder vierte österreichische Schüler bzw. jede vierte österreichische Schülerin mit seiner/ihrer Leseleistung das Grundkompetenzniveau nicht und gilt damit als Risikoschüler/in.

Bub rauft sich vor Tafel mit der Aufschrift „PISA” die Haare

Die PISA-Studie wurde Ende der 1990er-Jahre von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ins Leben gerufen, um Daten zur Qualität und Effektivität der verschiedenen Schulsysteme in den Mitgliedsstaaten zu erhalten. Eine wesentliche Neuerung bei PISA 2015 besteht in der Durchführungsform der Studie selbst. Erstmals bearbeiteten die Schülerinnen und Schüler die Testaufgaben am Computer und nicht mehr auf Papier.

Der Haupttest wurde zwischen 27. Oktober und 4. Dezember 2015 durchgeführt. Für die Berufsschulen gab es ein erweitertes Testfenster von 12. Oktober bis 11. Dezember 2015. Getestet wurden Schüler/innen, die zwischen 1. August 1999 und 31. Juli 2000 geboren wurden. Die Stichprobe umfasste 7007 Schüler/innen aus 269 Schulen aller Schulformen, die von 15-/16-Jährigen besucht werden.

Risikoschüler

Österreich hat bei der neuen PISA-Studie etwas schlechter als bei der letzten Erhebung 2012 abgeschnitten und liegt insgesamt weiterhin im Mittelfeld der OECD-Staaten, im traditionell schlechtesten Testgebiet der Österreicher, dem Lesen, darunter. Hier kamen die Schülerinnen und Schüler auf nur 485 Punkte, das ist signifikant unter dem OECD-Schnitt von 494 und schlechter als im letzten vorhergegangenen Test im Jahr 2012 (490). 23 Prozent erreichten das Grundkompetenzniveau im Lesen nicht und gelten damit als Risikoschülerinnen und -schüler, die „grobe Mängel“ beim Leseverständnis aufweisen. Sieben Prozent erreichten Spitzenwerte.

Buben holen auf

Seit Beginn von PISA erzielen die Mädchen deutlich bessere Leseleistungen als ihre männlichen Alterskollegen – so auch bei PISA 2015. Interessant ist, dass sich die Leseleistung der Buben in Österreich im Vergleich zu den Mädchen 2015 um 17 Punkte verbessert hat. Der Vorsprung der Mädchen gegenüber den Burschen beträgt „nur mehr“ 20 Punkte. Der Rückgang der Leistung in ihrem traditionell stärksten Bereich (495 Punkte) dürfte laut Experten mit der neuen Erhebung zu tun haben: Mädchen schnitten schon in den vergangenen Erhebungen beim Lesen elektronischer Texte weniger gut ab als beim Lesen gedruckter Vorlagen. Das kam den Buben bei der diesmal vollständig am Computer durchgeführten Erhebung zugute. So erklärte die Direktorin des die PISA-Studie durchführenden BIFIE-Forschungsinstituts, Claudia Schreiner, im Standard: „Bei den Lesebeispielen stand der Text früher auf einer Doppelseite im Testheft und jetzt muss hin- und hergescrollt werden. Computerbasierte Tests kommen Mädchen weniger entgegen als Buben, diese Hypothese ist nicht ganz von der Hand zu weisen.“

Platz 23 von 35

Unter den 35 OECD-Ländern bedeutet Österreichs Punkteanzahl statistisch die Rangplätze 23 bis 28. Die höchste Lesekompetenz zeigen neben den Schülerinnen und Schülern aus Singapur, die auch beim Lesen mit 535 Punkten die Spitzenposition einnehmen, die Schüler/innen aus Kanada (527) und Finnland (526). Eine im Schnitt signifikant bessere Lesekompetenz als österreichische 15-/16-Jährige zeigen von unseren Nachbarn Deutschland (509) und Slowenien (505). Das Lesen ist damit seit 15 Jahren die relative Schwäche Österreichs bei PISA.

PISA-Ergebnisse 2105

LESEKOMPETENZ
(15- bis 16-Jährige)

Singapur (535 Punkte)
Kanada (527)
Hongkong (527)
Finnland (526)
Deutschland (509)
USA (497)
Schweiz (492)
Tschechien (487)
Österreich (485)
Rumänien (434)
Türkei (428)
Mexiko (423)