Vorlesen mit Apps

Von Michael Achleitner

Interaktive Kinderbuch-Apps können für zeitgemäße Leseförderpraxis sorgen. Wie Sie mit Büchern und passenden Apps Vorlesestunden gestalten und so digitale Medien für die Leseförderung einsetzen können.

Frau liest Kindern mit digitalem Lesegerät vor

Viele neue digitale Leseformate für Kinder und Jugendliche sind in den vergangenen Jahren entstanden – interaktive Kinderbuch-Apps inklusive. Diese bieten großes Potenzial für die Leseförderung, wenn sie etwa bei Vorlesestunden zum Einsatz kommen. Bei Kinderbuch-Apps und interaktiven E-Books werden die Handlungsangebote über Wischen, Drücken oder Schütteln des Lesegeräts gesteuert. Bilder sind oft animiert, im Hintergrund ertönen die passenden Soundelemente. Zusatzinformationen werden aufgeklappt. Kleine Spiele werden aktiviert. Natürlich muss man beim Vorlesen diese digitalen Zusatzelemente nicht nutzen, vergibt damit aber den Mehrwert einer Vorlesestunde mit Apps.

Auswahl der Apps

Bei der Auswahl von digitalen Leseprodukten für eine Vorlesestunde gilt es einige Aspekte zu beachten. Als Erstes sollte man natürlich die technischen Voraussetzungen beachten, die in der Einrichtung gegeben sein müssen. Über welches Betriebssystem verfügt Ihr Tablet? Gibt es einen Beamer und eine Leinwand für eine Projektion in der Gruppe? Welche Adapter benötigen Sie? Stehen den Kindern eigene Tablets zur Verfügung?

Das digitale Produkt selbst sollte den Vorgaben des Kindermedienschutzes folgen, also keine Werbung, keine In-App-Käufe und keine Links beinhalten. Die Bedienung sollte einfach und kindgerecht sein. Das umfasst auch, dass die Produkte keine langen Ladezeiten haben und eine technische Stabilität aufweisen sollten. Kinder verlieren schnell die Geduld. Generell gilt: Wenn Sie eine App in der Gruppe zeigen, sollte die App den Kindern im Anschluss zum Selbst-Ausprobieren zur Verfügung stehen.

Gestaltung der Vorlesestunden

Neben dem Vorlesen einer App-Geschichte, dem Zeigen der App über einen Beamer bzw. in kleinen Gruppen und dem Verwenden der interaktiven App-Angebote ist auch eine Mischung der Vorlesestunde aus klassischem Buch und anschließender App-Aktion, z. B. als Zusatzaktivität nach dem Vorlesen, sinnvoll. Die App sollte dann thematisch zum Buch passen. Sie könnten z. B. nach einer „Raupe Nimmersatt”-Lesung anbieten, an einer Station einen Schmetterling zu malen, an einer Station Sachbücher über Schmetterlinge anzusehen und an einer Station das „Raupe Nimmersatt”-Puzzle in der App zu spielen.

Mehrwert von Lese-Apps

Eine Investition in die Verbindung von Lesen mit Apps bringt neue Impulse für die Leseförderpraxis. Der technische Aspekt der Apps begeistert oft auch Buben, die vielleicht sonst weniger gerne lesen, und zudem Kinder mit geringeren Sprachkenntnissen, die das Textverständnis der Geschichten durch die multimedialen Zusatzelemente besser verstehen. Die Interaktionsmöglichkeiten der Apps kurbeln zudem das gemeinsame Gespräch an, das ebenfalls ein bedeutender Faktor für eine erfolgreiche Sprach- und Leseförderung ist. Eine Menge Gründe also, die Möglichkeiten und Vorteile, die digitale Medien für das Vorlesen und das gemeinsame Sprechen bieten, zu nützen.

Tipps

Florian Felix Wey
Quietsch

ab 4 Jahren
Für iOS und Android

Mal so richtig nach Herzenslust laut sein dürfen – davon träumen viele Kinder, so auch Anton. Stattdessen muss er immer leise sein. Das geht nicht lange gut ...
Mit dieser App lässt sich hervorragend das Zuhören üben und die Hörwahrnehmung schärfen.

Susann Opel-Götz
Ab heute sind wir cool

ab 6 Jahren
Für iOS: iPod, iPhone, iPad

Was bedeutet es eigentlich, cool zu sein? Klare Sache für Leo und Mug: Immer Sonnenbrillen tragen (auch bei Regen und auf dem Klo!), coole Filme mit Monstern und Vampiren schauen, damit die Haare zu Berge stehen, laute Krachmusik hören, eine Strickmütze tragen (wegen der Krachmusik) und rülpsen, pupsen, schmatzen und spucken – so viel wie möglich. Cool, oder?

Les inéditeurs
BOUM!

ab 8 Jahren
Für iOS und Android

„Boum!“ setzt weniger auf interaktive Elemente als auf eine erzählerische Dynamik und einen stimmungsvollen Soundtrack. Text gibt es hier nicht. Und wozu auch? Durch Weiterwischen der extrem reduzierten, überwiegend in Schwarz und Weiß mit sehr gezielten Farbtupfern gehaltenen Illustrationen bringt man die Geschichte im eigenen Tempo zum Laufen und steigt im Wortsinn durchs Fenster in ein skurriles Märchen ein.

Ideen

Coverabbildung

Um allen begeisterten Vorleserinnen und Vorleser den Einstieg in die Nutzung von digitalen Kinderbuch-Apps zu erleichtern, hat die Stiftung Lesen Ideen und Ablaufpläne für Vorlesestunden mit sechs verschiedenen interaktiven Geschichten-Apps zusammengestellt.

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