WAS SAGT DIE WISSENSCHAFT ZUR MEHRSPRACHIGKEIT?
Deutsch als Zweitsprache
Von Elisabeth Furch
Der Lehrplan-Zusatz „Deutsch für SchülerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache“ (seit 1992) – eine Zusammenschau (vgl. Lehrplan der Volksschule, www.bmukk.gv.at, 08-2008) ist Grundlage für den Unterricht von Deutsch als Zweitsprache und ist in Verbindung mit dem Lehrplan „Deutsch, Lesen, Schreiben“ bzw. „Deutsch, Lesen“ zu verstehen.
Er ist nicht schulstufenspezifisch aufgebaut, sondern ein mehrjähriges Lernkonzept, das individuell für SchülerInnen mit keinen oder nur geringen Kenntnissen in der Unterrichtssprache Deutsch jeweils von Beginn an durchlaufen wird – unabhängig von der der Schülerin oder dem Schüler zugewiesenen Schulstufe. Dieser Lehrplan-Zusatz ist als Differenzierungshilfe zum allgemeinen Lehrplan für Deutsch gedacht, ein fließender Übergang zwischen den beiden Deutsch-Lehrplänen ist zu beachten und anzustreben.
Ziele der Unterrichtsarbeit
Ziele der Unterrichtsarbeit, wenn Deutsch Zweitsprache ist:
- Freude am Zuhören und Mitsprechen sowie am Lesen und Schreiben in der Zweitsprache soll angebahnt werden.
- Kinder mit anderer/anderen Muttersprache/n als Deutsch sollen sich zunehmend differenziert in deutscher Standardsprache verständigen bzw. sich am Unterricht beteiligen können: zuerst nur mündlich, dann auch schriftlich.
- Texte als bedeutsame Formen der Verarbeitung von Sprache sollen verstanden, gelesen, geschrieben und verfasst werden können.
- Arbeits- und Lerntechniken zum Erwerb der Zweitsprache Deutsch sollen erworben werden.
Im Zentrum der Sprachförderung beim Erwerb einer Zweitsprache stehen die Bereiche Hörverstehen und Sprechen. Weiters sollen diesen SchülerInnen elementare Lese- und Schreibkompetenzen vermittelt werden, was in den üblichen Lehrplan-Bereich Lesen – Erstlesen; Erstleseunterricht und Schreiben fällt.
Hörverstehen und Sprechen als mündliches Sprachhandeln ist der ausführlichste und auch wesentlichste Bereich. Das nicht deutsch sprechende Kind soll
- den Sinn einfacher sprachlicher Äußerungen aus dem Sprechkontext erschließen,
- einfache (gesprochene) Texte verstehen und angemessen reagieren,
- sich zu Gehörtem äußern können,
- sich in verschiedenen Sprechsituationen absichtsgemäß und partnerbezogen äußern,
- erzählen und mitteilen,
- Rollen sprechen im szenischen Darstellen.
Weiters sollen Kindern mit einer anderen Erstsprache vielfältige Begegnungs- und Übungsformen angeboten werden, wobei auf konsequente Wiederholungen geachtet und immer vom Leichteren zum Schwierigeren vorgegangen werden soll. Sprachstrukturen der neuen Sprache Deutsch sollen beachtet und genau betrachtet werden (u. a. schrittweises Hinführen zu den Zeitstufen, ein Achten auf die Wortfolge, auf Wortveränderungen, auf allgemein grammatische Übereinstimmung).
Dem Wortschatz und seiner Erweiterung müssen besondere Beachtung geschenkt werden: Wortbedeutung, Alltagswortschatz, Fachwortschatz, Wortbildung.
Gehörschulung und Aussprache
Besondere Beachtung sollen Gehörschulung und Aussprache finden, wobei anfangs eine Gewöhnung an die unterschiedliche Intonation und an den anderen Rhythmus der deutschen Sprache stattfinden muss. Ebenso ist eine besonders gute Artikulation der Lehrenden notwendig.
Bereits verfügbare Kenntnisse in der Muttersprache sollten aufgegriffen werden (in Kooperation mit dem/der muttersprachlichen LehrerIn, mit Eltern des betroffenen Kindes und mit SchülerInnen derselben Sprachgruppe) und auf evtl. vorhandene Kenntnisse der Zweitsprache aufgebaut werden. Gelegentlich sollte die Erarbeitung eines Themas in beiden Sprachen gleichzeitig erfolgen. Dadurch wird die jeweilige Muttersprache eines Kindes wertgeschätzt, dies wiederum motiviert indirekt zum Erlernen der Zweitsprache Deutsch.
Im Kapitel „Didaktische Grundsätze” wird die Bedeutung der schulischen und außerschulischen Gemeinschaft für jeden Zweitspracherwerb hervorgehoben. Das Bedürfnis der Kinder nach Kommunikation unterstützt jeden Lernprozess. Es kommt zu einer Wechselwirkung zwischen sozialer und sachlicher Kompetenz, was die soziale Eingliederung ALLER Kinder in den Klassenverband unterstreicht.
Lehrperson als Sprachvorbild
Nicht vergessen werden darf die entscheidende Rolle der Lehrperson als Sprachvorbild. Sie sollte das einzelne Kind möglichst oft ansprechen, deutlich artikulieren, das gewohnte Sprechtempo dem Sprachkönnen des Kindes angepasst verringern und das gesprochene Wort bei normaler Intonation und Rhythmisierung mimisch und gestisch unterstützen. Dieses Verhalten hilft Kindern beim Einfügen in die neue Sprachumgebung.



