„Beeindruckende Arbeiten”

Vorwissenschaftliche Arbeiten können bei unterschiedlichsten Institutionen und Organisationen eingereicht werden. Die Besten werden prämiert und erhalten Preise. Wir sprachen mit Gabriele Slezak und Sarah Schmelzer vom Centrum für Internationale Entwicklung und wollten wissen, warum sich das C3 für VWAs interessiert?

Interview: Michael Achleitner

Schülerinnen beim Empfang des C3-Awards 2016

Warum schreibt das „Centrum für Internationale Entwicklung (C3)” einen Preis für eine vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) aus? Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Auszeichnung?
Mit dem C3-Award prämieren wir herausragende Vorwissenschaftliche Arbeiten (VWA) und Diplomarbeiten, die globale Zusammenhänge, Machtverhältnisse und Abhängigkeiten mit einem kritischen Zugang berücksichtigen. Es werden Arbeiten ausgezeichnet, die Wohlstand und Armut nicht isoliert von politischen Systemen betrachten, sondern das Netzwerk weltumspannender Beziehungen reflektieren. Zum einen wollen die im C3 vertretenen entwicklungspolitischen Organisationen damit Internationale Entwicklung als gesellschaftlich relevantes Themenfeld im Schulkontext stärker positionieren und zum anderen auf unser Angebot für SchülerInnen im C3, wie Veranstaltungen und Bibliothek, aufmerksam machen.

Wie breit ist das inhaltliche Spektrum für eine VWA in diesem Bereich?
Die Palette möglicher Themen für VWA bzw. Diplomarbeiten aus dem Bereich der Internationalen Entwicklung ist breit und keineswegs nur auf die Länder des sogenannten „Globalen Südens“ begrenzt. Die Themen orientieren sich am globalen Bezug, dem kritischen und reflektierten Zugang und der entwicklungspolitischen Relevanz. Die Reflexion betrifft nicht nur die politische Ebene, sondern bezieht auch die persönliche Lebenswelt der SchülerInnen mit ein und bietet daher interessante Anknüpfungsmöglichkeiten für OberstufenschülerInnen. 2017 wurde zum Beispiel eine Arbeit ausgezeichnet, die dem Internationalen Agrarhandel und dessen Auswirkungen auf Westafrika nachgeht oder eine andere, die sich mit den Produktionsbedingungen in der Textilindustrie in Bangladesch und dem Konsumverhalten von österreichischen SchülerInnen beschäftigt.

Wann wurde der C3-Award ins Leben gerufen?
Der C3-Award wurde im Schuljahr 2015/16 erstmals ausgeschrieben und wird jährlich vergeben.

Wie viele Einreichungen sind seither bei ihnen eingegangen?
Insgesamt 175 Arbeiten. Die Arbeiten kommen aus beinahe allen Bundesländern, was uns besonders freut, ist es doch ein Ziel des Projekts insbesondere SchülerInnen außerhalb Wiens mit unserem Angebot zu erreichen.

Wie zufrieden waren Sie mit der Qualität der eingereichten Arbeiten insgesamt?
Das Interesse und persönliche Engagement der SchülerInnen am Thema Internationale Entwicklung ist groß. Die Arbeiten zeigen aber auch, dass gerade dieses Engagement für SchülerInnen eine Herausforderung darstellt, sich selbst nicht zu überfordern. Die Qualität der Arbeiten steigt mit einer guten Fokussierung auf eine konkrete, möglichst abgegrenzte Fragestellung. Der Anteil der Arbeiten die dieses Kriterium erfüllt haben, ist 2017 höher gewesen als 2016. Für Vorwissenschaftliche Arbeiten zeigen die eingereichten Arbeiten überwiegend eine beeindruckende Qualität. Die Arbeiten bestätigen aber auch einen durchaus vorhandenen Bedarf an Unterstützung beim Zugang zu entwicklungspolitischer Literatur sowie bei der Auswahl der für die VWA geeigneten Quellen.

Welche Anforderungen stellen Sie an eine von Ihnen ausgezeichnete Arbeit?
Die fünf preisstiftenden Organisationen im C3 haben einen Beurteilungskatalog mit sechs Kriterien erarbeitet: Globaler Bezug, entwicklungspolitische Relevanz, verwendete Literatur, kritischer Zugang, methodisch-analytische Vorgangsweise und sprachliche und formale Kriterien, wie zum Beispiel eine gendersensible Sprache.

Wie setzt sich die Jury/das Entscheidungsgremium bei Ihnen zusammen?
Unser wissenschaftlicher Beirat ist ein 14-köpfiges Gremium und besteht aus WissenschaftlerInnen der Fachgebiete Internationale Entwicklung, Migrationsforschung, Politikwissenschaften, Gender, Bildungswissenschaften, Religionspädagogik, Globales Lernen, Wirtschaftswissenschaften sowie  jeweils einer VertreterIn der Fördergeber ADA, ÖNB und DKA, VertreterInnen der fünf preisstiftenden Organisationen sowie einer VertreterIn der Lehrkräfte (außer Konkurrenz des Wettbewerbs).

Nach Durchsicht der Arbeiten – halten Sie die Einführung der VWA für eine gute Entscheidung?
Aufgrund der Einreichungen schätzen wir die Lernerfahrung und die eigenständige Erarbeitung eines Themas, das unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt, als einen großen Mehrwert für SchülerInnen im Rahmen der Matura ein. Im Laufe des Recherche- und Schreibprozesses werden junge Menschen mit widersprüchlichen Theorien und Ansätzen konfrontiert, die sie dann aufbereiten müssen. Auf diese Weise kann eine solide Basis für eigenständiges Denken, Reflexion und Offenheit für nachhaltige Gesellschafts-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik gelegt werden.

Was möchten Sie SchülerInnen, die im Bereich Internationale Entwicklung Ihre VWA schreiben möchten, mitgeben?
Anregungen zu möglichen Themenstellungen können SchülerInnen auf unserer Website finden, wo wir auf übersichtlichen Themensheets wesentliche Aspekte eines Themas, dazugehörige Fragestellungen und Literatur zur Verfügung stellen. Auch können die 17 prämierten Arbeiten heruntergeladen werden. Ein kurzes Video und ein Bericht fassen die Preisverleihung zusammen und zeigen Interviews mit den PreisträgerInnen. Wer schon ein Thema im Bereich Internationale Entwicklung im Auge hat, sollte früh zu uns in die C3-Bibliothek kommen und gerne auch eine Beratung in der Bibliothek in Anspruch nehmen.

Was ist Ihrer Meinung nach wesentlich, um eine qualitativ hochwertige Arbeit zu schreiben?
Qualifizierte Unterstützung während des gesamten VWA-Projekts, insbesondere bei der Auswahl von fachlicher Einstiegsliteratur zum Themenbereich, bei der Recherchekompetenz in der Bibliothek, der Auswahl eines interessanten Teilaspekts, der inhaltlichen Eingrenzung, sowie der Entwicklung einer geeigneten Fragestellung. Interviews mit ExpertInnen sind in vielen Fällen eine zu große Herausfordrung für die SchülerInnen und nach unserer Erfahrung meist nicht nötig für eine gelungene VWA oder Diplomarbeit.

Können Lehrkräfte diese Anforderungen auf dem Gebiet der Internationalen Entwicklung überhaupt leisten?
Nun, aus diesem Grund möchten wir im kommenden Schuljahr eine Fortbildung für betreuende Lehrkräfte mit dem Schwerpunkt Informations- und Recherchekompetenz anbieten. Das Konzept dafür soll in Zusammenarbeit mit KooperationspartnerInnen im VWA-Bereich entwickelt werden.

Bis wann können SchülerInnen ihre VWA für den nächsten C3-Award bei Ihnen einreichen?
Die neue Ausschreibung beginnt ab 1.1.2018 und endet mit 30.4.2018 . Es werden aber auch Arbeiten des Vorjahres (2016/17) zugelassen. Diese können jederzeit eingereicht werden.

Endet die Zusammenarbeit mit der Auszeichnung der SchülerInnen?
Um das persönliche entwicklungspolitische Engagement der SchülerInnen zu stärken, werden alle TeilnehmerInnen am C3-Award im darauffolgenden Herbst zu einer Diskussion über nachhaltige Entwicklung (UN-Agenda) mit den parlamentarischen Clubs ins Parlament eingeladen. Dabei werden die Ideen der SchülerInnen eingebracht, gemeinsam diskutiert und weiterentwickelt, damit sie auf parlamentarischer Ebene Gehör finden.

Zu den Personen

Gabriele Slezak
Porträt Slezak

Dr. Gabriele Slezak, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der ÖFSE, und Mag. Sarah Schmelzer, Leiterin des Bereichs Bibliothek der ÖFSE, sind für das Projekt zum Vorwissenschaftlichen Arbeiten im C3 zuständig. 

Dr.in Gabriele Slezak
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43/1/317 40 10-109
E-Mail: g.slezak@oefse.at

Mag.a Sarah Schmelzer MSc
Bibliothek
Tel.: +43/1/317 40 10-204
E-Mail: s.schmelzer@oefse.at

Das C3

Das Centrum für Internationale Entwicklung versteht sich als Kompetenzzentrum zu Fragen der internationalen Entwicklung in Österreich. Das Centrum ist ein Ort der Wissenschaft, der Bildung und des Dialogs. Im C3 bieten die fünf entwicklungspolitischen Organisationen ÖFSE, BAOBAB, Frauen*solidarität, Paulo Freire Zentrum und Mattersburger Kreis Raum für Diskussion und Reflexion.

Drei dieser Organisationen betreiben außerdem die C3-Bibliothek für Entwicklungspolitik, die größte österreichische Fachbibliothek zu Internationaler Entwicklung, Globalem Lernen und Frauen*Gender. Die Bibliothek hat verschiedenste Angebote für SchülerInnen und LehrerInnen.
Mehr Information unter: www.centrum3.at

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