Ein Rückblick mit viel Perspektive

Ein Blick in das Programm des Bibliothekartages 2017 macht eines schnell klar: Wie vielschichtig die Aufgaben von Schulbibliothekarinnen und Schulbibliothekaren geworden sind und welche bedeutende Rolle die Schulbibliothek als Kompetenzzentrum für Schülerinnen und Schüler einnimmt.  

Von Martin Peichl und Helga Simmerl

Header Bibliothekartages 2017

Markus Feigl (BVÖ), Helga Simmerl (BMB/Literacy) und Martin Peichl (BMB/Literacy) führten durch das Programm des des Bibliothekartages 2017, das zu lebhaften Diskussionen anregte und spannende Perspektiven für die Arbeit in der Schulbibliothek eröffnete. 

Zu Beginn stellten drei Vertreterinnen und Vertreter steirischer Bibliotheken das „Steirische Stufenmodell“ vor, das eine enge Zusammenarbeit der unterschiedlichen Bibliothekstypen vorsieht, um Schülerinnen und Schüler bei der Erlangung altersspezifischer Bibliothekskompetenzen bestmöglich zu begleiten. Der das Stufenmodell auszeichnende Aufbau berücksichtigt dabei die Kernkompetenzen jeder Bibliothek und trägt dazu bei, dass Kinder und Jugendliche in die Bibliothekswelt hineinwachsen können und auf ihrem Weg zur VWA/Diplomarbeit bibliothekarisch gut begleitet werden.

Barbara Lagger präsentierte in ihrem Beitrag die von der Universitätsbibliothek Graz entwickelten E-Tutorials zum erfolgreichen Recherchieren, die bereits ausführlich im Artikel „Mit der UB Graz zur VWA/Diplomarbeit“ vorgestellt wurden.

Josef Pichlbauer vom BG/BRG Lichtenfels konzentrierte sich auf die Chancen und Herausforderungen, die die Einführung der VWA für Schulbibliotheken mit sich gebracht haben und zeigte Möglichkeiten auf, wie die Schulbibliothek Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zu ihrer Abschlussarbeit begleiten und unterstützen kann.

Boris Miedl ergänzte schließlich das Angebot steirischer Bibliotheken zur Unterstützung bei VWA/Diplomarbeit durch die von der Stadtbibliothek Graz entwickelten Programme. Im Rahmen der kreativen Jugendbibliothek [kju:b] können Schulklassen Workshops zum Recherchieren, zum Zitieren oder auch Präsentationsworkshops besuchen. In einer eigens eingerichteten Sprechstunde zur VWA/Diplomarbeit können persönliche Anliegen einzelner Schülerinnen und Schüler (z.B. zur Literatursuche, zur Eingrenzung des Themas oder zu Fragen des richtigen Zitierens) geklärt werden.

Den zweiten längeren Block bestritt Harald Fidler, Medienredakteur bei der Tageszeitung Der Standard und verantwortlich für die Website diemedien.at, die sich der österreichischen Medienlandschaft widmet. Sein Vortrag befasste sich mit dem Phänomen „fake news“ und Informationen im „postfaktischen Zeitalter“. Durch anschauliche Beispiele wurde dem Publikum ein Einblick in die komplexe Welt der Filterblasen und Echokammern ermöglicht. Auch wurde darüber diskutiert, wie man diesen (nicht ganz neuen) Entwicklungen begegnen kann.

Der Nachmittag war zunächst dem „Schreiben in der Bibliothek“ gewidmet. Martin Peichl, der selbst Deutsch, Englisch und wissenschaftliches Schreiben im Kontext der Bibliothek an der AHS Zirkusgasse in Wien unterrichtet, präsentierte eine Bandbreite an kreativen Schreibanregungen wie Textreduktionen und Freewriting. Darüber hinaus wurden Umsetzungskonzepte für Schreibgruppen, Schreibnächte und Schreibreisen besprochen. Ergänzend stellte Martin Peichl Möglichkeiten vor, wie digitale Plattformen für kreatives Schreiben und Publizieren genutzt werden können. Twitter oder Instagram fanden dabei ebenso ihren Platz wie die StoryApp, die Schreibenden die Möglichkeit gibt, ihre besten Geschichten einem interessierten Publikum zu präsentieren. Der gesamte Vortrag steht als PDF zum Download zur Verfügung.

Im nächsten Block sprach die Autorin Rachel van Kooij über Trends und Vermittlungsformen in der Jugendliteratur und lieferte darüber hinaus spannende Anregungen, wie man junge Leserinnen und Leser für die Bibliothek gewinnen kann. Die Vortragende diskutierte die Möglichkeiten und Grenzen von Online-Bibliothekskatalogen und wie man diese für jugendliche Benutzerinnen und Benutzer attraktiver gestalten könnte.

Katharina Kaiser-Müller, die unter anderem Workshops an Schulen für Safer Internet durchführt, beschäftigte sich abschließend mit der Frage, wie man Kinder und Jugendliche unterstützen kann, soziale Medien wie Instagram und Facebook kompetent zu nutzen.

Auf einer eigens für den Bibliothekartag 2017 eingerichteten digitalen Pinnwand stellt die Vortragende für alle Interessierten eine Vielzahl an unterstützenden Materialien zur medienpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen zur Verfügung. Darunter finden sich beispielsweise Videos zu „Algorithmen“, dem „Darknet“ oder auch zum Thema „Urheberrecht“. Darüber hinaus hat Brockhaus unter dem Titel Medienwissen ein umfangreiches, kostenloses Online-Material zur Medienbildung an Schulen entwickelt.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass der Österreichische Bibliothekartag 2017 mit seinen Vorträgen und den daraus entstandenen Diskussionen einmal mehr gezeigt hat, wie weit das Betätigungsfeld von Schulbibliothekarinnen und Schulbibliothekaren ist, und dass Bibliotheken einen wichtigen Beitrag im Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen leisten. 

Die ReferentInnen

Martin Peichl, BMB Literacy, AHS Zirkusgasse
Martin Peichl, BMB Literacy, AHS Zirkusgasse
Barbara Lagger, UB Graz
Barbara Lagger, UB Graz
Josef Pichelbauer, Schulbibliothek BG/BRG Lichtenfels
Josef Pichelbauer, Schulbibliothek BG/BRG Lichtenfels
Harald Fidler, Der Standard
Harald Fidler, Der Standard
Boris Miedl, Stadtbibliothek Graz
Boris Miedl, Stadtbibliothek Graz
Rachel van Kooij, Kinder- und Jugendbuchautorin
Rachel van Kooij, Kinder- und Jugendbuchautorin
Katharina Kaiser-Müller, Safer Iternet
Katharina Kaiser-Müller, Safer Iternet