„Gut strukturiert arbeiten!“

Markus Koroschetz erzählt über seine Erfahrungen beim Erstellen seiner vorwissenschaftlichen Arbeit im Unterrichtsfach Biologie.

Literacy.at: Wie bist du auf dein Thema gekommen, wurdest du bei der Themenfindung beraten?
Markus Koroschetz: Meine Vorgehensweise bei der Themensuche war alles andere als vorbildlich. Von allen Seiten hört man immer: such dir ein Thema, das dir liegt, dich interessiert, mit dem du dich beschäftigen willst usw. Ich habe allerdings den Rat eines guten Freundes befolgt, der die VWA zwei Jahre vor mir gemacht hat. Laut ihm solle man ein Thema wählen, bei dem alle die Augenbrauen erstmal hochziehen, von dem wenige Leute Ahnung haben und welches wenig Spielraum lässt. So entschied ich mich für die künstliche Befruchtung und im Nachhinein ist es die richtige Wahl gewesen. Das Thema an sich fand ich, als ich ein Buch von meiner Schwester durchblätterte und mich über die darin beschriebenen Zuchtmethoden und die künstliche Befruchtung lustig machte. Plötzlich merkte ich, dass das ein passendes VWA-Thema wäre.

Wenn du nicht über dieses Thema geschrieben hättest, welches wäre es dann geworden?
Ich wollte meine VWA eigentlich über die unterschiedliche Darstellung von James Bond bei Ian Fleming, John Gardener und in den Verfilmungen verfassen. Leider kam mir früh die Einsicht, dass es schwer werden würde, einen Professor zu finden, der die nötigen 24 Bücher gelesen und sämtliche Filme gesehen hat. Außerdem kann ich rückblickend von einem Themengebiet mit diesen Ausmaßen nur abraten. Ich habe das bei Freunden von mir erlebt. Man wählt ein Thema und „weiß schon was man schreiben will“. Dann, zwei Wochen vor Hochladefristende, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder: „Ich habe 90.000 Zeichen – ist das schlimm?“, oder: „Meine VWA ist zwar genial, aber weder mein Betreuer noch ich kennen sich noch aus.” Beides eher suboptimale Szenarien um zur Präsentation anzutreten.

Deine Meinung: Das Thema eher allgemein halten oder lieber eng ziehen?
Wie ich bereits erwähnt habe, sollte man sich ein eher kleines Themengebiet heraussuchen. Ein großes Themengebiet erwies sich für viele als eine Art Selbstmordkommando. Natürlich gibt es Ausnahmen, keine Frage, aber alles, was ich hier sage, bezieht sich auf die große Allgemeinheit, die eben meistens laut aufstöhnt. Wenn man das Thema gefunden hat, sollte man gerade soweit ins Detail gehen, um das nötigste Fachwissen abzudecken – wir sind Schülerinnen und Schüler, keine Experten. Ich hatte teilweise das Problem, dass sich feine Details von Quelle zu Quelle unterschieden. Deswegen mein Rat: was nicht unbedingt zum Verständnis der Materie notwendig ist, sollte nicht in die VWA. Die Gefahr etwas zu verdrehen oder falsch zu verstehen ist zu hoch.

Wann hast du mit der VWA begonnen?
Meine Arbeit an der VWA begann in den letzten drei Wochen der Sommerferien. Ich weiß, die VWA sollte ein Prozess sein, der den Schüler/die Schülerin durch die 8. Klasse begleitet, aber man wird schon von Schularbeiten, Hausübungen, lästigen Professoren usw. durch die 8. Klasse begleitet, weshalb man sich dieses Themas so früh wie möglich entledigen sollte. Ich selbst hatte ca. 15.000 Zeichen am Ende der Sommerferien, die mir das Leben spürbar erleichtert haben. Natürlich ist die Voraussetzung hierfür ein Betreuer/eine Betreuerin, die/der auch im Sommer bereit ist zu helfen.

Welche Arbeiten zur VWA sollten SchülerInnen deiner Erfahrung nach bereits in den Sommerferien erledigen?
Es wäre klug, wenn man Anfang August schon in etwa eine Ahnung hat, welche Literatur man verwenden möchte. Man sollte auch schon zwei bis drei Bücher zur Hand haben. Dann kommt eine der schwierigsten Aufgaben: das Strukturieren. Man sollte sich hierbei wirklich Mühe geben. Eine gute Struktur erleichtert vieles. Es ist klar, dass vielleicht einmal ein Kapitel verschoben, gestrichen oder umbenannt werden muss, aber ein gutes Gerüst macht die Arbeit viel solider. Man sollte allerdings nichts machen, was der Betreuer/die Betreuerin nicht abgesegnet hat, weil man sonst, wenn es schlecht läuft, die Hälfte wieder löschen kann.

War es schwierig für dich, die Termine zu halten?
Termine sind einzuhalten. Punkt. Viel mehr kann man dazu nicht sagen. Die meisten Betreuer/innen wissen schon, was der Schüler/die Schülerin in einer gewissen Zeit erledigen kann. Die offiziellen Termine sind lange vorher bekannt, man kann sich alles gut einteilen. Ich persönlich hatte nie Probleme mit irgendwelchen Terminen und ich denke, die meisten Leute in meinem Jahrgang auch nicht. Wenn jemand einmal bei einem Treffen mit dem Betreuer/der Betreuerin seine Aufgaben nicht erfüllt hat, ist das ja nicht so tragisch. Wenn jemand es allerdings nicht schafft, seine VWA bis zur Deadline fertigzustellen, ist das einfach Fahrlässigkeit.

Welche Aufgabe kam deinem Betreuungslehrer zu? Fühltest du dich gut betreut?
Mein Betreuer und ich haben perfekt zusammen funktioniert. Zugegeben, wir haben uns nicht häufig getroffen, das ging allerdings von meiner Seite aus. Er hat mir die notwendigen Tipps gegeben, hat mir alle Fragen, die ich hatte, problemlos beantwortet  und war eigentlich immer erreichbar. Ich finde, dass es auch so sein sollte.

Welchen Bereich des Arbeitens hast du am schwierigsten empfunden?
Es mag komisch klingen, aber die schwierigste Arbeit war der letzte Touch, das Formatieren. Alles ist erledigt, man ist froh und denkt sich, da kann ja nichts mehr passieren. Aber dann geht es erst so richtig los. Seitenzahlen einfügen, jedes einzelne Zitat noch einmal kontrollieren, Abstände checken, Titelblatt richtig machen usw. Wahrscheinlich war es dieses Gefühl bereits fertig zu sein, obwohl man es noch nicht ist, dass es so schlimm gemacht hat. Auf jeden Fall sollte man sich nicht zu früh freuen.

Hast du es während des Arbeitens bereut, dieses Thema ausgewählt zu haben?
Nach ein paar Wochen hängt jedem das gewählte Thema beim Hals raus. Man kann es einfach nicht mehr hören. Aber ich habe erst im Laufe der Zeit gelernt, mein Thema in Ehren zu halten. Es war kompakt, übersichtlich und anscheinend hatte ich die richtige Literatur, denn jede Frage die ich mir stellte, wurde mit einem Blick in ein Buch beantwortet. Auch bei der Präsentation wurde mir klar, wie toll mein Thema war. Bei der Diskussion kamen wenige Fragen von der Kommission.

Welche Tipps kannst du zur Präsentation der VWA geben?
Für die Präsentation sollte man sich wirklich gut vorbereiten. Beim Erstellen der PowerPoint sollte man darauf achten, dass die Folien nicht überladen sind. Stichwörter und zwei bis drei Bilder, wenn überhaupt. Keine Multimedia-Show abziehen. Wenn das erledigt ist, kommt der Text. Ich persönlich empfehle das Verwenden eines Karteikärtchens während der Präsentation. Auf der einen Seite kann man sich Stichwörter darauf notieren, auf der anderen Seite weiß man, was man mit den Händen tun soll. Während der Präsentation gibt es keinen Grund zur Nervosität. Einfach langsam und deutlich sprechen. Der Text sollte bereits im Vorfeld so geschrieben sein, dass man fünf Minuten sprechen kann. Bei der Diskussion danach, einfach das sagen, was man weiß. Wenn man keine Ahnung hat, muss man das zugeben und nichts erfinden. Das könnte sehr schnell sehr böse enden.

Dein persönlicher Tipp für alle, die ihre VWA vor sich haben?
Im Laufe der Vorbereitung und des Verfassens der VWA hört man von allen Seiten immer: das musst du so machen. Aber jeder hat seine eigenen Herangehensweisen. Wichtig ist es, sich ein System zurechtzulegen, mit dem man auch arbeiten kann. Aber der wahrscheinlich wichtigste Tipp: Achtet auf die Zeit! Es gibt in der 8. Klasse nicht nur die VWA. Wer sich Zeit lässt, wird bemerken, dass die Deadline der VWA in eine kritische Phase der Schulzeit fällt. Wenn man in dieser Phase noch die halbe VWA schreiben muss, schaut meistens nicht viel dabei heraus.