Urlaub mal anders

Von Michael Achleitner

Eine Sommergeschichte, die mit ihrem unterhaltsamen Blick auf die kleinen, aber wesentlichen Momente des Lebens überzeugt – ein gelungenes Kinderbuchdebüt von Mareike Krügel.

Illustration von Nele Palmtag aus dem Buch „Zelten mit Meerschwein”
Illustration aus dem Buch „Zelten mit Meerschwein”

Anton, fast neun, hat schon länger das Gefühl, dass alles den Bach runtergeht. Und jetzt sogar die Ferien. Sein Vater musste kurzfristig wegen eines Jobs verreisen und deshalb den gemeinsamen Urlaub absagen und seine Mutter berichtet ihm, dass ihr Arbeitsvertrag nicht verlängert wurde und die beiden deshalb jetzt sparen müssen. Toll, denkt Anton. Papa hat keine Zeit, Mama kein Geld und jetzt muss ich die ganzen Ferien lang zu Hause sitzen. Doch für ein paar Tage auf dem nahen Campingplatz sollte es dann doch reichen. Bloß, dass es dort auch keinen Platz mehr gibt, und so landen Anton, sein Meerschweinchen Pünktchen und seine Mutter im Wald. „Weißt du, Antonchen“, erklärt die anarchische, etwas trotzige Mutter, „es ist verboten, im Wald zu zelten. Es macht Spaß, besonders beim Frühstück, wenn die Vögel wie die Irren zwitschern, so wie jetzt, und schon deshalb allein ist es verboten. Denn sonst wäre der Wald voller Zelte und voller Leute, die an Baumstumpftischen sitzen und sich Äpfel teilen.“

Die Sommertage im Wald werden zu einem großen Abenteuer, in dem Anton nicht nur sein Meerschweinchen kurzfristig abhandenkommt, sondern auch seine Mutter. Dafür trifft er auf das Mädchen Liane, das ihn mit den Worten „Ich bin fast zwölf und kleine Kinder wie dich fresse ich zum Frühstück“ begrüßt. Nicht so einfach für einen Jungen, der, wie er selbst sagt, „für Ärger einfach nicht geeignet“ ist. Dass sich Anton ausgerechnet mit diesem starken und sehr direkten Mädchen anfreundet, hätte er nie gedacht. Und auch nicht, dass er sich trauen würde, klar zu sagen, was er denkt und was er möchte – und feststellt, dass das eigentlich gar nicht so schwierig ist. Denn beim Lesen des Buches erfährt man, dass sich Anton eine Menge Sorgen macht, Schwierigkeiten in der Schule und kaum Freunde hat, dass er gemobbt wird, das seiner Mutter aber nicht erzählen will.

Beeindruckendes Debüt

Mareike Krügel gelingt mit ihrem ersten Buch für junge LeserInnen das Kunststück, unterhaltsam über eine problematische Kindheit zu erzählen. In „Zelten mit Meerschwein“ geht es um Freundschaft, Mut und darum, dass jeder Mensch anders ist. Krügel lässt den Aktionsradius ihres kleinen Helden Schritt für Schritt größer werden, und mit jedem Meter, den er sich vom Zelt weg in den Wald wagt, wächst Antons Mut. Probleme lassen sich lösen. Nicht alle auf einmal, aber eines nach dem anderen.

Die kleinen Zeichnungen von Nele Palmtag, die neben Alltagsszenen beim Campen im Wald oft nur einzelne Dinge wie ein Nutellaglas oder einen selbst geschnitzten Speer zeigen, runden den Kinderroman schön ab.

Das Buch

Coverabbildung

Mareike Krügel
Zelten mit Meerschwein

Ab 8 Jahren
Beltz & Gelberg
158 Seiten
ISBN: 978-3-407-82352-6

Preis: € 13,40
Leseprobe (ePub)

Ein kurzer Zelturlaub wird zu einem großen Abenteuer, in dem Anton nicht nur sein Meerschweinchen Pünktchen kurzfristig abhandenkommt, sondern auch seine Mutter. Dafür trifft er auf das Mädchen Liane, das er rettet, obwohl er eigentlich keine Ahnung hat, wie man Dinge wieder in Ordnung bringt. Doch in diesen Ferien läuft sowieso alles anders als geplant ...

Über die Autorin

Porträt Mareike Krügel

Mareike Krügel, 1977 in Kiel geboren, studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Seit 2003 hat sie vier Romane und ein Jugendbuch veröffentlicht. Sie lebt bei Schleswig. Mareike Krügel erhielt zahlreiche Stipendien, u. a. für die  Villa Decius in Krakau, und ist Mitglied im P.E.N. Deutschland. Im Jahr 2003 bekam sie den Förderpreis der Stadt Hamburg, 2006 wurde sie mit dem Friedrich-Hebbel-Preis ausgezeichnet.