Bilderbücher und kreatives Schreiben

Eine Serie kreativer Umsetzungsideen zum „Schreiben in der Bibliothek”.

Von Martin Peichl und Helga Simmerl

Bibliotheken sind Orte voller Schreibimpulse. Die Bücher in den Regalen laden nicht nur dazu ein gelesen zu werden, sondern bieten auch vielfältige Anregungen für das eigene Schreiben. Sie lassen uns auf Entdeckungsreisen gehen, bieten Gelegenheit sich mit neuen Texten oder noch unbekannten Autorinnen und Autoren auseinanderzusetzen und sind Quelle der Inspiration für den eigenen Schaffensprozess.

Schreiben ist ein wichtiges Werkzeug und als solches ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebens. Schreibend denken wir, schreibend planen wir und schreibend tauschen wir unsere Gedanken, Gefühle und Ideen mit anderen Menschen aus. Schreiben ist aber auch eine wichtige Grundlage für die aktive Teilhabe an demokratischen Prozessen.

Die Serie „Schreiben in der Schulbibliothek” zeigt Möglichkeiten auf, Schreiben im Rahmen der Bibliotheksarbeit zu initiieren und zu fördern.

Coverabbildung
Coverabbildung


Inspiration 1: Kreatives Schreiben zu einem Bilderbuch

Bilderbücher faszinieren schon lange nicht mehr nur Kinder, sondern sind unter Jugendlichen und Erwachsenen beliebter denn je. Der Buchmarkt bietet eine Vielzahl künstlerisch illustrierter Bücher und Graphic Novels, die als wunderbare Inspirationsquellen für kreative Schreibprozesse dienen können. Eine einzelne Buchseite eignet sich dabei ebenso als Impuls wie das Buchcover oder ein Ausschnitt aus einem Buchtrailer.

Das Geschriebene kann in einem impulsiven Schreibakt entstehen oder mehrere Überarbeitungsphasen durchlaufen. Wer möchte, kann die dabei entstandenen Texte mit der Gruppe teilen oder auch Feedback einholen. Zum Abschluss kann der Schulbibliothekar/die Schulbibliothekarin das Buch vorstellen oder daraus vorlesen.

Im Sinne eines wertschätzenden Umgangs mit Schüler/innen-Texten können die Ergebnisse auch in der Bibliothek ausgehängt werden. Die gleichzeitige Präsentation der Texte und des impulsgebenden Buches führen im besten Fall dazu, dass auch andere Schüler/innen neugierig werden und das Bilderbuch lesen wollen.

Beispiele von geeigneten Bilderbüchern:

Willy Puchner: Willy Puchners fabelhaftes Meer
Alessandro Sanna: Der Fluss
Jorge Bucay: Wie der König seinen Feind verlor
Martin Baltscheit: Der einsamste Wal der Welt
Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe

Beispiele mit Buchtrailern:
Shaun Tan: Ein neues Land > zum Buchtrailer
Agnès de Lestrade: Der Bär und das Wörterglitzern > zum Buchtrailer

Impulse

Variante 1: Alle Schüler/innen erhalten den gleichen Schreibimpuls, die Texte werden vorgestellt, mit dem Original verglichen und in der Bibliothek präsentiert.

Variante 2: Die Schüler/innen erhalten als Ausgangsmaterial verschiedene Seiten ein- und desselben Buches bzw. verschiedene Ausschnitte aus einem Buchtrailer. Im Anschluss an den Schreibprozess kann sich die Gruppe über die ihnen zugewiesenen Impulse und deren Interpretationen austauschen und das Buch in seiner Gesamtheit kennenlernen.

Variante 3: Die Schüler/innen entwickeln in Gruppenarbeit den Inhalt der auf dem Impuls basierenden Erzählung. Nachdem der Verlauf der Erzählung geklärt ist, werden die Erzählungen in Einzelarbeit verschriftlicht.

Variante 4: Es kommen so viele Bilderbücher zum Einsatz wie Schüler/innen anwesend sind. Jede/r Schüler/in bekommt ein anderes Buchcover zugeteilt und schreibt einen kurzen Text. Im Anschluss werden die Texte vorgelesen und die Gruppe versucht zu erraten, welches Bilderbuch die Inspirationsquelle für den jeweiligen Text war. Hierfür müsste man die Cover der Bücher zum Beispiel kopiert in der Bibliothek aufhängen oder die Bücher so auflegen, dass sie für alle gut einsehbar sind.

Variante 5: Die Schüler/innen erhalten in kopierter Form Auszüge aus verschiedenen Bilderbüchern. Sie werden nun aufgefordert, die Geschichte fortzusetzen oder auch die Geschehnisse vor dem Textausschnitt zu erzählen. Werden mehrere Ausschnitte eines Buchs verteilt, können die Schüler/innen auch die Lücken mit eigenen Texten und/oder Zeichnungen füllen.

Fragen zum Austausch in der Gruppe bzw. zum Abschuss:

  • Wie wurde der Impuls von den Schreibenden interpretiert?
  • Welche kreativen Entwicklungsmöglichkeiten des ursprünglichen Impulses wurden von den Schreibenden gefunden?
  • Wie ist der Impuls in die Gesamtheit der Erzählung im Buch eingebettet?
  • Welche Stimmung geht von den Illustrationen im Bilderbuch aus? Welchen Einfluss haben die Illustrationen auf die Wirkung des Textes/der Erzählung?
  • [Wenn man mit Auszügen arbeitet:] Was ist vorher passiert, was wird später noch passieren?