Smart – mit und ohne Phone!

Kein „entweder oder“, sondern „sowohl als auch“: Kinder wachsen heute in die Dualität von analogen und digitalen Medien- und Freizeitaktivitäten hinein und sind smart genug, beide Welten exzellent zu managen, so das Ergebnis der Kinder-Medien-Studie 2018.

Kinder mit Handys

Die zentrale Erkenntnis der Kinder-Medien-Studie 2018 von sechs deutschen Verlagen (siehe Kasten rechts) lautet: Kinder ziehen sich trotz zunehmender Digitalisierung nicht in die virtuelle Welt zurück, sondern nehmen das aktuelle Geschehen in ihrer Umwelt mit allen Sinnen wahr. Sie hören, sehen und lesen von der Welt – und wollen sie verbessern. Schlüsselergebnisse sind:

  • Gedrucktes Vertrauen: 75 % aller Kinder zwischen vier und 13 Jahren lesen mindestens mehrmals pro Woche Bücher oder Zeitschriften.
  • Print ist dabei unersetzlich, elektronische Endgeräte und Lesemedien spielen in keinem Alter eine besondere Rolle.
  • Digitale Nachricht schlägt Papier? Nein! Kinder nutzen alle Kommunikationswege: vom Telefonat über die SMS bis hin zum klassischen Brief.

Gute Balance zwischen on- und offline

Kinder verfügen über eine gute Balance zwischen der analogen und digitalen Beschäftigung und halten sich bei der Freizeitgestaltung beide Welten offen. So haben Freizeitaktivitäten wie „mit Freunden zusammen sein“ (89 %) oder „im Freien spielen“ (81 %) im Durchschnitt über alle Altersklassen hinweg eine große Bedeutung. Gleichzeitig wird das digitale Spielerlebnis auf Tablet, Smartphone oder Computer (mindestens mehrmals pro Woche) mit zunehmendem Alter immer relevanter (71 % der 13-Jährigen gegenüber 7 % bei den Vierjährigen).

Bücher haben neben YouTube und WhatsApp noch Platz

Kinder bleiben Printmedien treu und die Lesefreude der 6- bis 10-Jährigen ist nach wie vor groß: 70 % der Kinder lesen Bücher oder Zeitschriften mindestens mehrmals pro Woche. Beim Lesevergnügen spielen elektronische Endgeräte und Lesemedien in der Zielgruppe der Vier- bis 13-Jährigen keine Rolle. Anders ist es bei Radio und TV: Die Nutzung von kostenpflichtigen Streaming- oder kostenlosen Videodiensten wird mit zunehmendem Alter interessanter. So greifen zum Beispiel 35 % der 13-Jährigen mindestens mehrmals pro Woche auf YouTube, Vimeo oder andere kostenlose Videodienste zurück, wenn es um Filme, Serien oder Fernsehsendungen geht. Dennoch bleiben 87 % der Kinder auch hier den klassischen Medien treu und schauen Filme, Serien oder Fernsehsendungen mindestens mehrmals pro Woche linear. Vor allem bei den ganz jungen Kindern stehen beim Zuhören klassische Medien hoch im Kurs: 60 % der Vierjährigen hören Musik, Hörspiele oder Hörbücher mindestens mehrmals pro Woche auf CD.

Kinder kommunizieren auf allen Ebenen

WhatsApp statt Anruf? Nicht bei der Generation Smartphone. Obwohl die App für die älteren Kinder von zehn bis 13 Jahren von hoher Relevanz ist (74 %), nutzen 97 % der Kinder ihre Kommunikationskanäle mindestens ab und zu zum Telefonieren und damit stärker als die Textnachricht (90 %). Bei den Sechs- bis Neunjährigen ist die Differenz noch deutlich ausgeprägter: Während 88 % mindestens ab und zu telefonieren, schreiben lediglich 42 % Textnachrichten. Noch lieber schreiben die Jüngeren sogar  Postkarten oder Briefe (43 %). Danach erst folgen Sprachnachrichten (20 %) und das Posten von Bildern oder Status (16 %). Die älteren Kinder dagegen bleiben allen Kommunikationsformen gegenüber offen, senden fast genauso gerne Sprachnachrichten wie sie Bilder teilen oder ihren Status posten (70 % und 65 %) und nehmen auch weiterhin noch gerne den Stift in die Hand, um Grüße per Post zu verschicken (49 %).

Kinder haben ein klares Bild vom Internet

Die Digital Natives wissen genau, was sie in der Online-Welt erwartet, und kennen die Kehrseite des Internets. So ist es laut Aussagen der Kinder einerseits „das coolste Medium, das es gibt. Es kennt alle Geheimnisse, weiß Antwort auf jede Frage und stellt alle Musik der Welt bereit.“ Auch ist das Internet für die Kinder „wie ein Buch, wo alles drinsteht, nur dass es eben auf einem Bildschirm ist“. Gleichzeitig sind sie sich der Gefahr, „immer unselbstständiger zu werden“ oder des Zeitraubs bewusst, denn der „Papa sitzt stundenlang drin und redet nicht mit uns“. Dann beurteilen Kinder das Internet als „doof“ und „schlecht für die Menschen“.

Die Studie

KMS-Logo

Zum zweiten Mal präsentieren die sechs Verlagshäuser Blue Ocean Entertainment AG, Egmont Ehapa Media GmbH, Gruner+Jahr, Panini Verlags GmbH, der SPIEGEL-Verlag und der ZEIT Verlag mit der Kinder-Medien-Studie (KMS) die Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung, die detaillierte Einblicke in die Medienwelt und Lebensrealität der vier- bis 13-jährigen Kinder bietet.

In der KMS 2018 wurden bei den 6- bis 13-Jährigen insgesamt 41 Magazine abgefragt und bei den Eltern von 4- bis 5-jährigen Vorschulkindern 27 Magazine erhoben. 2.649 Doppel-Interviews von zufällig ausgewählten Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren und jeweils einem Erziehungsberechtigten liefern repräsentative Daten. Die Ergebnisse sind eins zu eins auf Österreich übertragbar.

Berichtsband KMS 2018 zum Download