POETRY-SLAM
Schlagabtausch mit Worten
Nach über zwanzig Jahren ist der Poetry-Slam, ein Schlagabtausch mit Worten, ungebrochen populär. Mittlerweile haben die Slams nicht nur Bars, sondern auch Literaturhäuser erobert. Im Literaturhaus Wien geht an einem Freitagabend im Monat der Slam B mit vollem Haus und jungem Publikum über die Bühne.

- Slam-B-Organisatorin Diana Köhle
Gegen acht wird es immer voller. Wer keinen freien Stuhl findet, macht es sich auf dem Boden gemütlich. Auf der Bühne passieren letzte Vorbereitungen. Der Schauplatz: nicht etwa ein Konzertlokal, sondern das Literaturhaus Wien.
Location gesucht
Hier geht am Freitagabend zum vierten Mal der monatliche Slam B über die Bühne. Organisatorin und Moderatorin Diana Köhle hat die Location für ihren Poetry-Slam bewusst ausgewählt: „Alle anderen Poetry-Slams in Wien finden in Lokalen statt, haben eher Partycharakter. Es ist ziemlich laut und die SlammerInnen bekommen nicht immer genügend Aufmerksamkeit. Ich war daher auf der Suche nach einer ,ruhigeren‘ Location, mit einer Bühne, auf der die SlammerInnen auftreten können, und wo sich das Publikum voll und ganz dem Dargebotenen widmen kann.“ Programmplanerin Silvia Bartl vom Literaturhaus, schon lange Slam-Fan, fand die Idee super: „Ich habe mit Begeisterung Ja gesagt.“
Volles Haus, junges Publikum
Volles Haus und junges Publikum: Welcher Literaturveranstalter würde sich das nicht wünschen. Zwischen Teenagern und Twenty-Somethings hat sich auch Literaturhaus-Stammpublikum eingefunden. Für Erstgäste beim Poetry-Slam erklärt Didi Sommer, heute Host des Abends, die Regeln: Fünf Minuten ist Zeit, um im Wettbewerb mit den anderen einen eigenen Text zu präsentieren, und: „Keine Requisiten, keine Kostüme, kein Gesinge!“ Aus 16 Anmeldungen werden die 12 SlammerInnen des Abends ausgelost. Bevor es losgeht, sorgt „Opferlamm“ Nadja Bucher, die Siegerin des letzten Slam B, mit ihrem Auftritt für Stimmung. Didi Sommer lässt noch das Publikum den Applaus üben: Denn hier wird mittels Applausvoting bestimmt, wer weiterkommt.
Supermarktman und Jessica Simpson
Die TeilnehmerInnen sind bunt durchmischt: von der jungen Frau mit witzigem Monolog bis zum älteren Herrn mit politischem Gedicht. „Poetry-Slams sind generationsübergreifend, die TeilnehmerInnen bei Slam B sind derzeit von 18 bis 70+ Jahren“, sagt Diana Köhle. Nach drei Auftritten votet das Publikum, nach vier Runden stehen die FinalistInnen fest: Paz Ooka kommt mit ihrem Text über „Supermarktman“, der sich leider nicht als Prinz, sondern vielmehr als Frosch entpuppt, ins Finale. Lyrikerin Dagmar Fischer kann mit kleinen, feinen Gedichten überzeugen. Dritte Finalistin ist Madame Mirage, aus der Schweiz angereist und – zumindest laut Slam-Text – im falschen Körper geboren: „Eigentlich bin ich Jessica Simpson.“ Schauspieler und Stückeschreiber Karsten Rühl schafft es als einziger Mann ins Finale und mit einem Burn-out-Text, Schnellsprech und gekonntem Auftritt zum Sieg.
Alles ist möglich
Nicht allein der Text, vor allem die Performance zählt beim Slam. Wie ein Siegertext oder eine Siegerperformance aussieht, lasse sich nicht so leicht beantworten: „Sicherlich gewinnen vermehrt jene SlammerInnen, deren Texte zum Lachen animieren und deren Performance begeistert“, so Diana Köhle. „Doch das heißt nicht, dass nicht auch ernste Texte beim Publikum ankommen. Je nach Stimmung, Lust und Laune, bei Poetry-Slams ist alles möglich und nichts vorhersehbar.“ Jeder Slam ist anders – was wohl auch den anhaltenden Erfolg des Formats ausmacht.
Begeistern für Literatur
Die FinalistInnen bekommen noch mal verdienten Applaus, Schreibstifte statt Medaillen umgehängt und Kuverts in die Hand gedrückt. Das Publikum rückt aus ins Wiener Nachtleben. Silvia Bartl freut sich: „Es ist schön, Leute in diesem Alter für Literatur begeistern zu können. Ich habe die Hoffnung, dass sie sich weiter dafür begeistern und neugierig sind, zu einer anderen Veranstaltung zu kommen, selber zu lesen oder zu schreiben.“



