„Ein Buch wie das Leben“

Von Michael Achleitner

Aus purer Langeweile schrieb der 17-jährige Colin Hadler über das aus den Fugen geratene Leben des 16-jährigen Finn. Der Verlag druckt bereits die zweite Auflage des Jugendromans.

Colin Hadler

Eigentlich will ich eine ganz normale Geschichte erzählen“, lässt der junge Grazer Colin Hadler seinen Helden Finn zu Beginn seines Debütromans sagen. Doch normal ist nicht viel im Leben des Pubertierenden. Jemand wird entführt, ein geheimnisvoller neuer Nachbar gibt Rätsel auf und eine neue Mitschülerin hat offenbar viel zu verbergen. Im Internet werden skurrile Intrigen gesponnen, es gibt rätselhafte Todesfälle und Finns Bruder, der sich eben als schwul geoutet hat, verschwindet ebenfalls. Und die Gerüchte um den „Hasenmann“ werden lauter.

Zu schreiben begonnen hat Hadler schon vor einigen Jahren – aus purer Langeweile, wie er sagt. Eine Lehrerin hat sein Talent erkannt und ihn an eine Buchhändlerin weitervermittelt. Über diese ist er beim Grazer Keiper Verlag gelandet, der sein Debüt heuer veröffentlicht hat. „Ich wollte ein Buch erschaffen, das lustig, spannend, philosophisch, mysteriös ist. Ein Buch wie das Leben“, so der Autor.

Hadler erzählt in sarkastischem Grundton aus der Perspektive von Finn, der das Rätsel um den Hasen lösen will. An den Hauptcharakter wie an den Schreibstil muss man sich erst einmal gewöhnen – vielleicht auch weil er etwas sehr gewollt jugendlich daherkommt. In die gleiche Kategorie sind Dialoge wie „‚Sehe ich aus wie Gott?‘ – ‚Nein, wie sein Fußabtreter‘“ oder „‚Was sind Vögel, Mama?‘ – ‚Ach Schätzchen, stell dir vor, Murmeltiere hätten Flügel und würden Regenwürmer essen, das sieht dann aus wie ein Vogel‘“ einzuordnen. Ein aufmerksameres Lektorat hätte dem Buch auch gutgetan.

Der Autor hat eine Geschichte geschaffen, bei der man mit Sicherheit nicht jedes Wort auf die Waage legen, nicht hinter allem einen Realitätsbezug suchen darf. Die Charaktere des Buchs sind mitunter deutlich überzeichnet, etwa die Lehrerin Klingenbach, die tote Goldfische verfüttert. Mit „Hinterm Hasen lauert er“ hat Colin Hadler aber bestimmt einen skurrilen Jugendroman verfasst, der überraschende Wendungen nimmt und auch ernste Themen wie Cyberbullying aufgreift. „Für manche wird es einfach eine unterhaltsame Geschichte sein – überzeichnet, verrückt. Für andere, die sich darauf einlassen, habe ich schon die ein oder andere Message versteckt“, sagt er selbst. Und hält Wort. Etwa mit der Conclusio des Buchs, nämlich das es wesentlich ist, Menschen nicht nur nach ihren Handlungen zu beurteilen, sondern sich auch die Mühe zu machen, die Ursache dieser Handlungen zu verstehen. So sehen die Protagonisten des Buchs nur, dass jeder Angst vor dem Hasen hat – aber den Fuchs, der den Hasen bedroht und gegen den sich der Hase wehrt, vergisst jeder.

Das Buch

Buchcover

Colin Hadler
Hinterm Hasen lauert er

edition keiper
280 Seiten
ISBN: 978-3-903144-72-9

Preis: € 18,00
Leseprobe

Das Leben des 16-jährigen Finn gerät aus den Fugen. Finns Familie ist in dem ganzen Durcheinander auch nicht gerade hilfreich – aber mit Unterstützung seiner Freunde versucht er, die ganze Welt zu retten. Nein, eigentlich nur die Kleinstadt, in der sie leben, aber immerhin …

Über den Autor

Colin Hadler

Colin Hadler, geb. am 15.10.2001 in Graz, lebt in Weiz und Graz und besucht dort das BORG Dreierschützengasse. Er gewann im April 2017 den steirischen Landes-Redewettbewerb im Bereich „Neues Sprachrohr“. Hadler spielt seit acht Jahren Theater. Er schreibt Gedichte, Texte, Lieder und Drehbücher. Sein erster Kurzspielfilm „Mitternachtsblau“, für den er das Drehbuch geschrieben hat, feierte im November 2018 seine Kinopremiere. „Hinterm Hasen lauert er“ ist sein Romandebüt.