Sommer – Reisen – Lesen

Von der Lust des Lesens, mit ausgewählten Buchempfehlungen für die Ferien.

Von Martin Peichl und Helga Simmerl

Der Sommer und die bevorstehenden Ferienmonate sind eine Einladung, ein Versprechen: Vor uns ausgebreitet liegt die Aussicht, wieder mehr Zeit für die Dinge zu haben, die während des Schuljahres zu kurz gekommen sind. Zum Beispiel für die ungelesenen Bücher, die sich auf dem Nachtkästchen stapeln, die in den Regalen warten.

Die Ferien bieten die Gelegenheit, das zielgerichtete Lesen, das die Schule von Schüler/innen und Lehrer/innen gleichermaßen verlangt, wieder für einige Wochen hinter uns zu lassen und uns dem lustvollen Freizeitlesen zu widmen. Das ist auch wichtig, denn: „Das Verb lesen duldet keinen Imperativ“ – so Daniel Pennac in seinem Buch Wie ein Roman, in dem er auch die „unantastbaren Rechte des Lesers“ postuliert, die wir angesichts der komplexen Anforderungen im Schulalltag manchmal zu vergessen scheinen.

Sehen wir uns einige dieser Rechte genauer an, so sind sie gerade im Hinblick auf die bevorstehenden Sommerferien für Lehrer/innen und Schüler/innen von besonderer Bedeutung:

  • das Recht, Seiten zu überspringen (nicht nur bei Sachbüchern, auch bei Belletristik)
  • das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen (so wie wir auch aufhören zu essen, wenn wir satt sind)
  • das Recht, noch einmal zu lesen (z.B. ein Lieblingsbuch oder eine bestimmte Passage)
  • das Recht, irgendwas zu lesen (ganz frei von Wertigkeiten und von Schubladen wie „Klassiker“ oder „Weltliteratur“)
  • das Recht, überall zu lesen (im Freibad, am Strand, im Zug – das Buch als ständiger Reisebegleiter)
  • das Recht herumzuschmökern (ein wenig so als würde man nach einem passenden Reiseziel suchen; gerade hierfür bieten sich Bibliotheken an!)

Was oben angeführte Liste auch klar macht: Lesen und Reisen sind verwandte Tätigkeiten. Man kann spontan aufbrechen oder die Reise gut planen und vorbereiten. Und so wie man nicht einfach zwischen „richtigem“ und „falschem“ Reisen unterscheiden kann – ein Thema, mit dem sich der österreichische Autor Ilija Trojanow in seinem Essay „Setzt euch der Fremde aus!“ und in seinem Buch Gebrauchsanweisungen fürs Reisen ausführlich beschäftigt hat – sollte man auch die Tätigkeit des Lesens nicht kategorisieren und bewerten.

Bücher ermöglichen es ihren Leser/innen, in die Vergangenheit, in die Zukunft, an reale und erfundene Orte zu reisen. Jede gelesene Seit ist gewissermaßen eine zurückgelegte Strecke. Und wie auf dem Weg zwischen zwei Orten warten bestenfalls zwischen der ersten und der letzten Seite viele neue Begegnungen, Erlebnisse und Erkenntnisse.

Die von uns zusammengestellte Sommerleseliste ist eine Einladung. Entdecken Sie Sachbücher, Jugendbücher, Romane, Bilderbücher, Graphic Novels oder Atlanten, um mit ihnen im Kopf oder ganz real auf Reisen zu gehen.

Auch ein kurzfristiger Ankauf für die Schulbibliothek ist noch vor dem Sommer möglich!

Tipps

1. Sommerlesen mit Büchern aus der Schulbibliothek
Richten Sie im Juni eine Sommerleseecke in Ihrer Bibliothek ein. Holen Sie Ihre Buchempfehlungen für den Sommer aus den Regalen, präsentieren Sie diese in einer eigens dekorierten Leseecke oder auf einem Büchertisch, umgeben von sommerlichen Utensilien wie Sonnenbrille, Luftmatratze, Strandmatte oder Sonnenkappe.

2. Ermöglichen Sie Schüler/innen und Lehrer/innen die Entlehnung über die Ferien!
VORSICHT bei Schüler/innen der 4. bzw. 8. Schulstufe. Wenn Kinder und Jugendliche die Schule wechseln, kann das Einfordern entliehener Medien sehr aufwendig werden.