Der ewige Kampf

Von: Michael Achleitner

Ein Märchen, ein Fantasy- und Abenteuerroman, ein Familiendrama – den ewigen Kampf des Guten gegen das Böse thematisiert Zoran Drvenkar auch in seinem neuesten Jugendroman. Leicht poetisch, mitunter etwas schwerlastig, meilenweit von einem klassischen Jugendroman entfernt.

Vida erblickt im Winter 1704 das Licht der Welt, doch schon ihre Geburt wird vom Tod geprägt. Ihre Mutter vererbt ihr eine Bestimmung, deren Handhabe großes Geschick und einen starken Charakter erfordert. Ihr Vater und die Tanten helfen Vida dabei, mutig, wissenshungrig und stark zu werden. Denn Vida wurde geboren, um das Licht auf die Welt zurückzubringen. Aber niemand rechnet damit, dass sie ihren eigenen Weg geht und selbst dem Tod die Stirn bietet.

Alleinstellungsmerkmal Drvenkar

Das Setting von Zoran Drvenkars neuestem Jugendroman, der ab 14–17 Jahren empfohlen wird, ist wie gewohnt authentisch, überaus reichhaltig und mit atmosphärischem Leben gefüllt. Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse spielt, wie auch schon in früher erschienenen Romanen des Autors, eine zentrale Rolle. „Licht und Schatten waren bei mir schon immer Thema“, konkretisiert Drvenkar (Literacy.at berichtete). „Es geht nicht um den Konflikt zwischen Gut und Böse. Den Konflikt habe ich durch das Schreiben meiner anderen Bücher genug durchleuchtet und verstanden. Hier geht es mehr um die Wurzeln des Bösen und um das Verständnis und den Kampfgeist, den man aufbringen sollte, um sich der Dunkelheit zu stellen und ein wenig mehr Licht in das Leben zu bringen.“

Der Roman sticht nicht nur duch sein Setting, das Thema und die schön herausgearbeiteten Charaktere heraus – die Figuren haben alle ihre Geheimnisse, die erst nach und nach zum Vorschein treten und zu einer unvorhergesehenen Entwicklung beitragen –, sondern durch Drvenkars ureigene poetische und teilweise philosophische Sprache, die allerdings manchmal auch etwas schwerlastig durchaus zu der einen oder anderen Länge führt. Mit Sicherheit eine eher anspruchsvolle und weniger eine leichte Sommerlektüre.

Der etwas andere Jugendroman

„Licht und Schatten“ ist vom Genre her eher schwer einzuordnen. Der Roman könnte als Mixtur aus Fantasy- und Abenteuerroman, Familiendrama, Coming-of-Age-Story bezeichnet werden, in die  mythologische, magische und märchenhafte Elemente verpackt sind. Es handelt sich jedenfalls nicht um eine einfache, harmlos gestrickte Erzählung, sondern, wie Maurice Feiel es ausdrückt, „um eine ernstzunehmende Parabel, die das (über-)irdische Dasein und den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse auf magische Weise analysiert.” Außerdem schafft Drvenkar es, Spannungsbögen einzubauen und die Leserin bzw. den Leser zu überraschen. Auch lässt er die Leserin bzw. den Leser lange Zeit darüber im Unklaren, wohin das Ganze eigentlich führen wird.

„Licht und Schatten“ ist weit von einem klassischen Jugendroman entfernt. Dennoch oder genau deshalb eine Leseempfehlung für die Zielgruppe.

Das Buch

Buchcover

Zoran Drvenkar
Licht und Schatten

Ab 14 Jahren
584 Seiten
Verlag: Beltz
ISBN:  978-3-407-75462-2
Preis: € 20,60
Leseprobe

Schon in jungen Jahren macht sich Vida auf den Weg, um die Wahrheit zu finden. Sie hört den Ruf der Toten und begegnet ihrer eigenen Zukunft. Denn Vida wurde geboren, um das Licht auf die Welt zurückzubringen.

Über den Autor

Porträt von Zoran Drvenkar

Zoran Drvenkar wurde 1967 in Kroatien geboren und zog als Dreijähriger mit seinen Eltern nach Berlin. Seit 30 Jahren arbeitet er als freier Schriftsteller. Zoran Drvenkar schreibt Romane, Gedichte und Theaterstücke über und für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Er schreibt auch unter den Pseudonymen Victor Caspak und Yves Lanois. Er wurde für seine Bücher mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und lebt heute in einer alten Kornmühle in der Nähe von Berlin.