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Von: Michael Achleitner

Auf der Frankfurter Buchmesse wurde traditionell der Deutsche Jugendliteraturpreis vergeben. Literacy.at stellt die vier Siegertitel vor.

Der Deutsche Jugendliteraturpreis gilt auch in Österreich als eine der wichtigsten Auszeichnungen im Kinder- und Jugendbuchbereich. Er wurde 1956 vom damaligen Bundesministerium für Familienfragen gestiftet und wird jährlich verliehen. Ausgezeichnet werden herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur. Die Entscheidung über die Preisträger in den vier Kategorien Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch hat eine neunköpfige Kritikerjury getroffen.

Bestes Bilderbuch

Die Kategorie „Bestes Bilderbuch“ hat „Polka für Igor“ von Iris Anemone Paul für sich entschieden. „Das ist mein allererstes Buch. Ich bin total perplex und ich freue mich unglaublich“, sagte Paul, die auch in der Sparte „Neue Talente“ ausgezeichnet wurde, bei der Preisverleihung.

Zum Inhalt: Igor ist ein besonderer Hund. Wer sich die Zeit nimmt, mit ihm alte Polka-Schallplatten anzuhören, kommt in den Genuss, aufregenden Geschichten zu lauschen. Damals in Polen war Igor nämlich ein Held. Ola weiß das. Sobald die Nadel auf der Schallplatte zu kratzen beginnt, kommt Igor in Wallung. Und so reisen die beiden auf einem Ohrensessel durch seine Vergangenheit: mit Schmortopf und Sauerkraut, Seiltänzerinnen, so zart wie Putenschnitzel, mit russischen Blockflötistinnen, bengalischen Tigern und nach Wiesenschaumkraut duftenden Schafen – begleitet von Akkordeonklängen und knisterndem Kaminfeuer.

Das Buch ist auch als Sonderedition, mit einer limitierten und von der Künstlerin signierten Siebdruckarbeit, erhältlich. Man kann einen von 30 Siebdrucken mit Buch für € 60,– erwerben.

Bestes Kinderbuch

In der Sparte „Bestes Kinderbuch“ wurde „Vier Wünsche ans Universum“ der US-amerikanischen Autorin Erin Entrada Kelly ausgezeichnet. Übersetzt wurde das Buch von Birgitt Kollmann.

Zum Inhalt: Virgil ist schüchtern und fühlt sich in seiner lauten Familie komplett fehl am Platz. Valencia ist taub, intelligent und schrecklich einsam. Kaori ist eine Lebensberaterin mit hellseherischen Fähigkeiten und ihrer kleinen Schwester Gen im Schlepptau. Und da ist Chet, eine wahre Plage für die anderen Kinder. Nein, Freunde sind sie nicht, zumindest nicht bis zu dem Tag, als Chet Virgil und sein Meerschweinchen Gulliver angreift und die beiden schließlich in einem alten Brunnen feststecken. Was für ein Unglück! Oder was für ein Glück! Denn das führt zu einer beispiellosen Suchaktion von Valencia, Kaori und Gen. Mit Glück, Köpfchen und Mut – und einer kleinen Hilfe vom Universum natürlich – werden ein Junge gerettet, ein Bully in seine Schranken gewiesen und Freundschaften geschmiedet.

Bestes Jugendbuch

Der Hauptpreis und damit der Gewinner in der Kategorie Jugendbuch heißt „Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen“. Autor Steven Herrick war zur Preisverleihung nicht nach Frankfurt gekommen, doch der Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn nahm den Preis entgegen. „Der tolle Verstext stellt die Macht der Sprache in den Mittelpunkt, durchwogt von dem Fluss in der Heimatstadt der beiden Brüder im Roman“, begründete der Juryvorsitzende Jan Standke die Entscheidung für den in Versform geschriebenen Roman.

Zum Inhalt: Harry und Keith leben mit ihrem Vater in einem Holzhaus. Ihre Mutter kam ums Leben, als Harry sieben Jahre alt war. Viele Bewohner der kleinen Stadt an einer Flussbiegung meinten, dass die Kinder ohne Mutter verlottern würden, dass der Vater sich nicht alleine um sie kümmern könne – aber den beiden geht es gut. Harry und der ein Jahr jüngere Keith kommen langsam ins Alter, wo man sich für Mädchen interessiert. So beobachten sie einen älteren Nachbarsjungen, der immer wieder Mädchen abschleppt. Das ist interessant, doch Harry ist schockiert, als dort einmal auch die junge und hübsche Sekretärin der Schule, in die er verliebt ist, auftaucht. Ansonsten verbringen die Brüder ihre Tage in der Schule, treffen ihre Freunde und spielen Streiche und müssen sich den Reibereien mit der Dorfjugend stellen.

Bestes Jugendsachbuch

Anja Reumschüssel wurde mit dem Jugendliteraturpreis 2019 in der Kategorie Sachbuch für „Extremismus“ ausgezeichnet. „Ich hoffe, dass es von vielen gelesen wird, vor allem von denen, die dafür anfällig sind“, wünscht sich die Autorin und Journalistin.

Zum Inhalt: Bei dem Buch handelt es sich um einen Band aus der neuen Sachbuchreihe „Carlsen Klartext“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, jugendlichen Lesern Hintergrundwissen in Bezug auf aktuelle Entwicklungen in Gesellschaft und Politik anschaulich zu erklären, mit dem Ziel, dass sich diese eine eigene, differenzierte Meinung bilden können. Extremistische Anschauungen gibt es in vielen Bereichen: in Politik- und Religionsfragen, aber auch zu gesellschaftlichen Themen. Doch wann spricht man tatsächlich von Extremismus und wann nur von „extremen Ansichten“? Wie entsteht Extremismus und welche Arten gibt es? Kann man Extremismus bewerten – gibt es „positiven“ Extremismus? Eine gut recherchierte Analyse, die geprüftes Wissen und differenzierte Denkansätze miteinander verbindet. Die Bücher aus der Reihe „Carlsen Klartext“ sind besonders politisch interessierten Schülerinnen und Schülern sehr zu empfehlen. Sie eigenen sich auch sehr gut zum Einsatz im Unterricht. Vom Verlag wurde zusätzlich Unterrichtsmaterial für registrierte Lehrkräfte bereitgestellt.

Bilderbuch

Coverabbldung

Iris Anemone Paul
Polka für Igor

0–6 Jahre
44 Seiten
Kunstanstifter-Verlag
ISBN: 978-3-942795-70-8
Preis: € 24,70
Leseprobe

Kinderbuch

Coverabbildung

Erin Entrada Kelly
Vier Wünsche ans Universum

Ab 11 Jahren
288 Seiten
dtv/Reihe Hanser
ISBN: 978-3-423-64044-2
Preis: € 15,40
Leseprobe

Jugendbuch

Coverabbildung

Steven Herrick
Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen

Ab 13 Jahren
240 Seiten
Thienemann-Verlag
ISBN: 978-3-522-20246-6
Preis: € 15,50
Leseprobe

Jugendsachbuch

Coverabbildung

Anja Reumschüssel
Extremismus

Ab 12 Jahren
176 Seiten
Carlsen-Verlag
ISBN: 978-3-551-31734-6
Preis: € 7,20
Leseprobe