Verortung des eigenen Lebens

Autobiografisches Schreiben mit Jugendlichen II.

Von Martin Peichl und Helga Simmerl

Der folgende Artikel liefert ausgehend von den Überlegungen zum autobiografischen Schreiben mit Jugendlichen und dem bereits vorgestellten Schreibimpuls 1: Themenkreis HEIMAT und SPRACHE eine weitere Anregung für die Arbeit mit Texten in der Schulbibliothek. Dieses Mal geht es um das Aufwachsen in der Stadt beziehungsweise um das Aufwachsen auf dem Land und die damit verknüpften Erfahrungen der Schüler/innen.

Schreibimpuls 2: Themenkreis LEBEN IN DER STADT/LEBEN AUF DEM LAND

Die Umgebung, in der wir aufwachsen, prägt unsere Kindheit und Jugend maßgeblich. textliche Auseinandersetzung mit dem Ort, an dem sie leben, hilft Schüler/innen, ihre aktuelle Lebenssituation zu reflektieren, aber auch ihre Zukunftspläne zu visualisieren.
Leitfragen zum Einstieg:

  • Wie sieht der Ort aus, an dem du aufgewachsen bist?
  • Welche Menschen und/oder Dinge magst du dort?
  • Was tust du dort?
  • Was stört dich an dem Ort, an dem du lebst?
  • In welcher Umgebung würdest du gerne leben?

Arbeit mit literarischen Texten

Eine weitere Möglichkeit, sich mit dem Aufwachsen in der Stadt zu beschäftigen, sind die folgenden drei Primärtexte:

  • Ingeborg Bachmann: Jugend in einer österreichischen Stadt (1960)
  • Alfred Wolfenstein: Städter (1920)
  • Georg Heym: Die Stadt (1912)

Die Beschäftigung mit den Texten kann sowohl vor als auch nach dem Schreibprozess erfolgen. Je nach Anspruch kann der Schwerpunkt dabei auf inhaltliche bzw. atmosphärische Elemente oder darüber hinaus auch auf sprachliche Mittel gelegt werden. Da es sich um bereits ältere Beispiele handelt, kann der Fokus außerdem auf dem Vergleich der Lebenswelten liegen.

Fragen zu den Textbeispielen:

  • Welche Elemente der Stadt werden in den Texten beschrieben?
  • Wie sind die Texte formal, sprachlich und thematisch gegliedert?
  • Wie wird das Verhältnis zwischen Menschen und Stadt dargestellt?
  • Welche Unterschiede, welche Gemeinsamkeiten fallen auf?

Arbeit mit Bildern

Der Kontrast zwischen Stadt- und Landleben kann vor dem eigentlichen Schreiben auch mithilfe von Bildimpulsen thematisiert werden. Hier zwei Beispiele:

Abb. 1: Symbolbild „Stadt“
Symbolbild „Stadt“
Abb. 2: Symbolbild „Land“
Symbolbild „Land“

Ebenso können Schüler/innen aufgefordert werden, selbst passende Bilder beizusteuern.
Im Rahmen eines Fotowettbewerbs können Schüler/innen aufgefordert werden, ihre unmittelbare Lebensumgebung fotografisch festzuhalten und mit einem entsprechenden Titel zu versehen. Alternativ ist auch eine Internetrecherche nach passenden Bildern möglich. In der Schulbibliothek können schließlich die im Rahmen des Schreibprojekts entstandenen Texte gemeinsam mit einer Auswahl der besten Fotos bzw. Bilder ausgestellt werden.

Arbeit mit Medienpaketen

Als Inspiration und zum Schmökern im Vorfeld des Schreibprozesses aber auch zur Nachbearbeitung kann die Schulbibliothek gezielt Medienpakete, die sich mit dem Leben in einer Großstadt bzw. mit dem Leben auf dem Land auseinandersetzen, anbieten. Hier ein paar Anregungen für Oberstufenklassen:

Leben in der Stadt:

  • Italo Calvino: Die unsichtbaren Städte
  • Elias Canetti: Die Stimmen von Marrakesch
  • Jahn Gehl, Brigitte Svarre: Leben in Städten. Wie man den öffentlichen Raum untersucht
  • Robert Gernhardt: Berliner Zehner – Hauptstadtgedichte
  • Jaroslav Rudiš: Himmel unter Berlin
  • Anke Stelling: Schäfchen im Trockenen
  • Botho Strauß: Paare, Passanten

Leben auf dem Land:

  • Eva Lugbauer: Und am Ende stehlen wir Zitronen
  • Petra Piuk: Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman
  • Hilal Sezgin: Landleben. Von einer, die raus zog
  • Josef Winkler: Leichnam, seine Familie belauernd