Mittelmäßige Lesekompetenz

Die Lesekompetenzen der 15-/16-Jährigen bildeten zum dritten Mal nach PISA 2000 und PISA 2009 den Testschwerpunkt der PISA-Studie. Die Ergebnisse von Österreichs Schülerinnen und Schüler haben sich in den letzten Jahren kaum verändert.

Mädchen mit Buch

Mit der Erhebung 2018 wird bei PISA die Lesekompetenz zum dritten Mal als Hauptdomäne erfasst (1. Mal: 2000; 2. Mal: 2009). Lesen wird dabei als dynamischer Prozess definiert, der neben dem Heraussuchen von Informationen auch das Entwickeln eines allgemeinen Verständnisses sowie die Reflexion und Bewertung von geschriebenen Informationen in unterschiedlichen Situationen und Kontexten umfasst.

Platz 22 von 39

Österreichs Jugendliche erreichen bei PISA 2018 in Lesen einen Mittelwert von 484 Punkten. Damit liegt Österreich unter den 39 OECD-/EU-Ländern auf Platz 22. Die besten Leseleistungen innerhalb der OECD werden von Jugendlichen aus Estland (523 Punkte) erbracht, gefolgt von Kanada und Finnland mit 520 Punkten. Unter allen 68 Ländern, in denen der Test computerbasiert administriert wurde, führen vier asiatische Länder das Spitzenfeld an: die chinesischen Provinzen Peking, Schanghai, Jiangsu und Zhejiang (555 Punkte), Singapur (549 Punkte), Macau (525 Punkte) und Hongkong (524 Punkte). Danach folgt Estland.

Auffallend ist, dass sich die Lesekompetenz der Jugendlichen in mehr Ländern verschlechtert als verbessert hat. Österreich weist bei PISA 2018 (484 Punkte) eine ähnliche Leseleistung wie bei PISA 2015 (485 Punkte) auf. Aufgrund des gesunkenen OECD-Schnitts liegt Österreich nun im OECD-Schnitt, während es 2015 noch signifikant darunter lag.

Sieben Prozent sind top

In Österreich beträgt der Anteil leistungsstarker Leser/innen rund 7 Prozent. Damit ist die österreichische Lese-Spitzengruppe etwa um die Hälfte kleiner als die der führenden Länder. Die Spitzengruppen des deutschsprachigen Nachbarlands Deutschland und die der Schweiz belaufen sich auf 11 % bzw. 8 %.

24 Prozent von Österreichs Jugendlichen befinden sich laut PISA-Studie in der Lese-Risikogruppe. Damit ist die österreichische Lese-Risikogruppe rund doppelt so groß wie jene der führenden Länder.

Lesefreude und Leseselbstkonzept

In Österreich ist das Leseselbstkonzept der Jugendlichen vergleichsweise hoch und die Geschlechterunterschiede sind im Ländervergleich gering. Erwartungsgemäß haben Jugendliche in den Schulsparten, in denen sich viele leistungsstarke Jugendliche befinden (vor allem in der AHS), großes Vertrauen in ihre Leseleistung.

Die Leistungen der Mädchen und Burschen haben sich von PISA 2015 auf PISA 2018 nicht signifikant verändert. Der Mittelwert der österreichischen Mädchen beträgt bei PISA 2018 im Schnitt 499 Punkte. Sie übertreffen damit ihre Alterskollegen, die im Schnitt 471 Punkte erreichen, um 28 Punkte. Im OECD-/EU-Vergleich befindet sich Österreich damit im Mittelfeld.

Im Zeitvergleich ist in Österreich, aber auch in den Vergleichsländern die Lesefreude der Schülerinnen und Schüler zurückgegangen. Jede/jeder zweite 15-/16-Jährige in Österreich gibt an, nur zu lesen, wenn es sein muss (53 %). Am höchsten ist die Lesefreude der Jugendlichen in der AHS. Mit Abstand die geringste Lesefreude haben die Jugendlichen in den Berufsschulen. 35 Prozent aller Jugendlichen in Österreich gaben an, das Lesen sei für sie Zeitverschwendung.

Familiäre Faktoren

Es gibt zwar in allen Ländern einen Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status der Familie und den Leistungen der Jugendlichen, das Ausmaß des Zusammenhangs variiert jedoch zwischen den Ländern. In Österreich erklärt der sozioökonomische Status einen relativ großen Anteil der Leistungsunterschiede zwischen den Jugendlichen. Österreich zählt außerdem zu den Ländern mit den größten Leistungsnachteilen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. In Lesen macht der Mittelwertunterschied zwischen einheimischen Jugendlichen und Jugendlichen der zweiten Generation 54 Punkte aus, zwischen einheimischen Jugendlichen und Jugendlichen der ersten Generation sogar 79 Punkte.

Die Studie

PISA (Programme for International Student Assessment) liefert seit 18 Jahren regelmäßig Erkenntnisse über die Wettbewerbsfähigkeit von Bildungssystemen. Im Abstand von drei Jahren nehmen weltweit mehr als eine halbe Million Schüler/innen an PISA teil und zeigen, ob sie ihr schulisches Wissen und Können in alltagsnahen Problemstellungen anwenden können. PISA misst und vergleicht dazu die Grundkompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft und erhebt zentrale Kontextbedingungen, die den Kompetenzerwerb beeinflussen. Da Schüler/innen im Alter von 15 bzw. 16 Jahren an PISA teilnehmen, wird der kumulative Lernertrag gegen Ende der Pflichtschulzeit erfasst.

Ergebnisbericht zu PISA 2018