Ganymed in Literature

Ein fächerübergreifendes Literatur- und Kunstvermittlungsprojekt der Schulbibliothek am Döblinger Gymnasium in Wien 19

Von Maria Schmid-Feistl

Eine gute Lage im Schulhaus, eine moderne Ausstattung und ein passgenauer Medienbestand bilden die Grundvoraussetzung für den Erfolg einer Schulbibliothek. Von zentraler Bedeutung für die Nutzung der Bibliothek als Ort des Lehrens und Lernens bleibt jedoch die pädagogische Arbeit.  Neben ihren verwaltungstechnischen und organisatorischen Tätigkeiten entwickeln daher Schulbibliothekar/innen unterschiedlichste Vermittlungsformen wie Workshops zum Aufbau von Informationskompetenz, Angebote zur Umsetzung der Vorwissenschaftlichen Arbeit bzw. Diplomarbeit, Schulungen im Rahmen der Digitalen Grundbildung oder kreative Leseförder- und Literaturvermittlungsprojekte.

Maria Schmid-Feistl, Schulbibliothekarin am Döblinger Gymnasium in Wien 19, ließ sich vom Erfolgsformat GANYMED des Kunsthistorischen Museums  zu einem Projekt der besonderen Art inspirieren. In Anlehnung an das ungewöhnliche Kunstvermittlungsprogramm des Museums, entwickelte die Schulbibliothekarin ein Konzept, das Schüler/innen neue Sichtweisen auf Kunst und Literatur eröffnen möchte. Bilder und Texte werden dabei in Beziehung gesetzt und durch kreative Ausdrucksformen wie Tanz, Musik oder Theater näher erkundet. 

Als Leitmotiv zur Umsetzung der Projektidee mit einer 6. Klasse wählte Maria Schmid-Feistl das Thema „Beziehung“.

Phase 1: Vorbereiten der Bildergalerie

Vor dem eigentlichen Projektstart müssen 20-30 Kunstwerke aus unterschiedlichen Epochen zum Thema als Basis für die Weiterarbeit ausgewählt werden. Digitale Bildquellen eignen sich ebenso für die Auswahl der Kunstwerke wie Bildbände aus dem Bestand der Schulbibliothek. Eine Zusammenarbeit mit den Kunsterzieher/innen der Schule bietet sich hier in besonderer Weise an (Auswahl der Werke, Bildanalyse im BE-Unterricht). Als Variante ist es selbstverständlich auch denkbar, dass Schüler/innen selbst Abbildungen geeigneter Gemälde, Skulpturen und anderer Kunstobjekte suchen und in einer Bildergalerie zusammentragen.

Phase 2: Auswählen passender Text-Bild-Kombinationen  

Als Einstieg in das eigentliche Ganymed-Projekt lernen die Schüler/innen zunächst J.W. Goethes gleichnamige Hymne an die Natur kennen und recherchieren zur Figur des Ganymeds in der griechischen Mythologie. Danach werden die vorbereiteten Kunst-Abbildungen gemeinsam mit ausgewählten Werken der Gegenwartsliteratur in den Räumlichkeiten der Schulbibliothek aufgelegt.

In Einzelarbeit, Partnerarbeit oder auch in Kleingruppen wählen die Schüler/innen nun ein Bild aus, das mit einer Textstelle aus einem der Bücher in Beziehung gesetzt wird. Um eine geeignete Textpassage zu finden, wird in den Büchern geschmökert, quergelesen und miteinander diskutiert.

Phase 3: Künstlerische Umsetzung des Text-Bild-Gefüges 

Schließlich folgt die kreative Phase. Die Botschaft des Text-Bild-Gefüges soll nun künstlerisch umgesetzt werden, wobei die Darstellungsform frei wählbar ist: Lesen, Theaterspielen, Singen, Musizieren, Tanzen, etc.

Am Ende des Projekts steht eine Performance ganz im Sinne des Ursprungsformats im KHM: Die Schüler/innen wählen für ihre Darbietung einen geeigneten Ort im bzw. um das Schulgebäude, der die Inszenierung bestmöglich unterstützt. Text, Bild und Performance bilden dabei eine Einheit. Requisiten und Kostüme können die Szenen auf Wunsch zusätzlich bereichern

Die Besucher/innen der Performance (Eltern, Schüler/innen anderer Klassen) wandern im Sinne eines Stationentheaters von Ort zu Ort und besuchen in unterschiedlicher Reihenfolge die Darbietungen der einzelnen Gruppen, die in zeitlicher Abstimmung mehrmals wiederholt werden.

Zielgruppe des vorgestellten Projekts sind Schüler/innen der Sekundarstufe II, wobei eine Adaption für jüngere Schüler/innen durch die Wahl eines passenden Themas sowie altersgemäßer Bilder und Texte leicht möglich ist.

Vorgestellte Bücher

Folgende Bücher wurden im Projekt der 6.Klasse am G19 ausgewählt:

  • Tamara Bach: Mausmeer
  • Christina Dachler: Vox
  • Steven Herrick: Wir beide wussten, es war etwas passiert
  • Paulus Hochgatterer: Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war
  • Navid Kermani: Sozusagen Paris