LITERACY.AT: DIE NEUE WEBSITE
„Mehr Stephenie Meyer, weniger Nestroy!“
Literacy.at-Chefredakteur Karl Hafner über Ziele und Nutzen der neuen österreichischen Lese-Website.
Letztes Jahr surften leseinteressierte Pädagoginnen und Pädagogen noch auf Lesenetzwerk.at, jetzt auf Literacy.at. Was hat sich geändert?
Sowohl das Leseverhalten als auch die Anforderungen an die Leserinnen und Leser ändern sich. Wir wollen einerseits noch effizienter die Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen unterstützen, andererseits genauer auf den gesamten Medienbereich schauen: 2008 wurden z. B. in Deutschland 29,1 Milliarden SMS verschickt. Auch da findet „Textrezeption“ und „Textproduktion“ statt.
Was versteht man unter „Literacy“?
Der Begriff „Literacy“ bezieht sich auf eine Kompetenzvielfalt, die über bloße Lesefähigkeit hinausreicht. Dazu gehören unter Beachtung der medialen Streuung die Fähigkeit zur Informationsentnahme und zur funktionierenden Kommunikation in unterschiedlichen Lebenssituationen. Die Vermittlung dieser Kompetenz zählt zu den wichtigsten Aufgaben der schulischen, aber auch der außerschulischen Bildung, da sie die Grundlage für alle weiteren Lern- und Kommunikationsprozesse bedeutet.
Warum ein englischer Ausdruck für einen Bereich, den man doch ebenso gut „Lesekompetenz“ nennen könnte?
Die „Literacy“-Philosophie geht von einem breiteren Lesezugang für Kinder und Jugendliche aus und ermöglicht eine vielfältigere Lesemotivation. Was in unseren Köpfen unter „Lesekompetenz“ abgespeichert ist, berücksichtigt die Vielfalt der Textbegegnung und die damit verbundenen Erwartungen oft unzureichend.
Wen soll Literacy.at ansprechen?
Unsere Zielgruppe sind vorerst Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten. Aber auch Eltern und alle Leseinteressierten sollen auf der Website Anregungen, Informationen und Möglichkeiten zur Kommunikation finden.
Ich bin Lehrerin und möchte in Sachen Literacy auf dem Laufenden bleiben. Werde ich auf dieser Website immer alles Relevante zu diesem Thema finden oder sollte ich mich auch anderswo im Internet umsehen?
Unser Ziel ist es natürlich, den UserInnen bestmögliche Informationen zu liefern, andererseits gibt es im Internet kein Monopol. Wenn es uns gelingt, ein breites Informationsspektrum anzubieten, das auch zum Weitersuchen im Netz anregt, können wir zufrieden sein.
Was bringt mir Literacy.at für meinen Unterricht?
Eines unserer wichtigsten Anliegen ist es, Unterrichtsmaterialien und Forschungsergebnisse aufzubereiten und nutzbar zu machen. Wir sind da erst am Anfang, aber es muss uns gelingen, Beispiele für möglichst alle Unterrichtsgegenstände zu entwickeln, egal in welcher Schulart. Außerdem wollen wir Anregungen bieten, wie man mit jenen Texten arbeiten kann, die von den Kindern und Jugendlichen tatsächlich gerne gelesen werden. Also verkürzt gesagt: etwas mehr Stephenie Meyer, etwas weniger Nestroy.
Ich bin selbst in der Leseszene aktiv, kann ich etwas einbringen?
Natürlich. Über die Kommentarfunktion, über Facebook, Twitter oder E-Mails kann man mit uns in Kontakt treten bzw. Beiträge liefern. Wir freuen uns über Informationen, Unterrichtsbeispiele, konstruktive Kritik. Die Inputs der UserInnen sollen unsere Arbeit mitgestalten. Wer einen Blog zum Thema schreiben möchte, kann gern mit uns Verbindung aufnehmen.
Was ist das letzte Buch, das Sie gelesen haben? Wie hat es Ihnen gefallen?
Ich versuche bei meinem Leseverhalten die Vielfalt zu leben: Als „klassisches Buch“ habe ich zuletzt von Brigitte Hamann „Österreich“ gelesen und war beeindruckt, wie kompakt und dennoch „aus einem Guss“ die österreichische Geschichte dargestellt werden kann, auch wenn man nur ca. 200 Seiten zur Verfügung hat. Als E-Book habe ich von Matthias Keidtel „Das Leben geht weiter“ gelesen, was mir recht gut gefallen hat, aber an Sven Regeners Roman „Herr Lehmann“, der eine ähnliche Thematik aufweist, nicht ganz herankommt. Sehr lesenswert: der Erzählband „Mitten auf der Straße“ von Michael Köhlmeier.
Ich find's schade, dass man einen "alten" Schriftsteller negativ besetzen muss um einen neuen Stern zu preisen!
Wird Frau Stephenie Meyer in 100 Jahren auch noch jemand lesen??? Wir werden es nicht überprüfen können.
Es hat alles seine Berechtigung auch in der Literatur und das ist gut so! Mehr Mut zur Toleranz - außerdem unterliegen Texte halt auch dem subjektiven Geschmack - daher Vielfalt und keinen Feldzug!
es wäre doch aber an der zeit, die klassenlektüre einmal zu modifizieren! es kann natürlich auch bequem sein, wieder auf die alten vorbereitungen zum lesestoff zurückzugreifen ....
aber wer selbst kinder hat, weiß, dass diese nicht immer lesen wollen, was auch die eltern schon gelesen haben. schlagen wir doch auch einmal ein neues buch auf!
Wenn die UserInnen (Welche Sprache ist das wohl???) E.Books lesen, Blogs verfassen, über Facebook und Twitter kommunizieren und hier surfen, wird deren Literacy wohl überausgeprägt. Merkt denn niemand mehr, was für ein Schwachsinn da verbreitet wird? Da les' ich doch lieber Nestroy!




