FLEDI

FLEDI steht für Fachintegrierende Leseförderung in Mathematik, Deutsch und Sachunterricht und wurde von Fachdidaktiker/inn/en der PPH Augustinum entwickelt.

Mit der Konzeptionierung und Implementierung von FLEDI verfolgt das Projektteam unter der Leitung von Elisabeth Stabler ein doppelpoliges Ziel:

  • Langfristige Steigerung der Lesekompetenz von Schüler/inn/en
  • Weiterentwicklung einer am aktuellen Stand der Forschung basierten Lesedidaktik in der Primarstufe durch evidenzbasierte Ergebnisse

Lesekompetenz trägt dazu bei, die von der OECD geforderte Teilhabe an der Gesellschaft zu erreichen und ein selbstbestimmtes Leben jedes und jeder Einzelnen zu ermöglichen. Die Ausbildung dieser Fertigkeit gilt gemeinhin als zentrale Aufgabe des Deutschunterrichts. Ergebnisse der neueren Forschung (Michalak & Feigenspan, 2022) weisen jedoch darauf hin, dass Sprachlichkeit und fachliches Lernen eng zusammenhängen. Leseförderung bzw. Leseverstehen muss dementsprechend als Aufgabe aller Fächer gesehen, gedacht und realisiert werden. Sie darf nicht Alleinstellungsmerkmal des Deutschunterrichts der Grundschule sein, da eine Fachsprache die allgemeinsprachliche Bildung benötigt.

Es braucht daher Leseförderungsmaßnahmen, die neben dem allgemeinen sinnerfassenden Lesen vor allem das fachspezifische Lesen fokussieren und unterstützen. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2020, mit dem Ziel, Innovationen für die pädagogische Praxis zu generieren, FLEDI - Fachintegrierende Leseförderung in Mathematik, Deutsch und Sachunterricht, von Fachdidaktiker/inn/en der PPH Augustinum entwickelt.

Der Terminus fachintegrierende Leseförderung fokussiert dabei Lesemaßnahmen, die nicht losgelöst von ihren Problemzusammenhängen agieren, sondern vielmehr eine mentale Vernetzung des Gelesenen im Fachunterricht implizieren. In diesem Zusammenhang nehmen Sachtexte eine zentrale Rolle im Fachunterricht ein, da sich Schüler/innen anhand dieser einerseits mit bestimmten Themen und Sachverhalten befassen, andererseits neue Inhalte gelernt werden. Letztlich geht es immer um eine Unterrichtsgestaltung, die sich nicht in erster Linie von den Fachbereichen her konstituiert, sondern von einer Leseförderung ausgeht, in der Fachlichkeit aber eine wesentliche Rolle spielt (Stabler 2023). Zudem werden Sachtexte dem Bedürfnis der Kinder gerecht, die Welt zu verstehen, und zählen laut der Erfurter Studie zu den beliebtesten Textsorten von Grundschulkindern beider Geschlechter (Richter, 2003).

Schüler/innen beim Lesetraining mit FLEDI

Mit FLEDI soll eine gezielte und systematische Leseförderung für Schüler/innen der Primarstufe auf Basis von Sachtexten erreicht werden, wobei die Lesefördermaßnahme folgende Schwerpunkte fokussiert:

  • Förderung der Leseflüssigkeit: Nur wer flüssig lesen kann, ist auch in der Lage, Texte zu verstehen. Die Besonderheit von FLEDI 3 ist, dass die Kinder zunächst das Lesen mit begleitenden und unterstützenden Hörtexten trainieren, die nach Lesegeschwindigkeit zweifach differenziert sind. Bei dieser Form des begleitenden Lautlesens fungieren ausgebildete Sprecher/innen in den Sachhörtexten als Lesetrainer/innen (Wild & Schilcher, 2017). Sie demonstrieren als Lesemodell, welche Lesegeschwindigkeit dem Text angemessen ist und wie welche Satzteile sinnvollerweise betont werden müssen (Rosebrock & Nix, 2020)
     
  • Förderung des Leseverstehens: Hierzu wurde das Lesestrategietraining FLEDI 4 entwickelt. Im Vordergrund steht dabei die Einführung und Anwendung effektiver Lesestrategien. Das Training knüpft dabei thematisch an die Schwerpunkte von FLEDI 3 an. Die Textinhalte orientieren sich dabei am Volksschullehrplan für Sachunterricht und umfassen die Themen Mensch und Gemeinschaft, Körper und Gesundheit, Natur und Technik sowie Wirtschaft und Nachhaltigkeit. FLEDI 4 vermittelt drei Lesestrategien, die für Sachtexte gut geeignet sind (vor dem Lesen, während des Lesens und nach dem Lesen). Der Schwerpunkt liegt dabei auf denjenigen Handlungen, die einen Text strukturieren und zu einem globalen Textverständnis führen.

Handbuch der Didaktik fachintegrierender Leseförderung

Neben dem Lesetraining für Kinder gibt es auch für Lehrpersonen ein Handbuch, das sich der Didaktik einer fachintegrierenden Leseförderung widmet. Dieses Handbuch, dessen Autor/inn/en sich als Hochschullehrpersonen mit fachwissenschaftlichem und fachdidaktischem Hintergrund in den Disziplinen Deutsch, Mathematik und Sachunterricht an hohen Qualifikationsstandards orientieren, liefert detaillierte Ideen, wie Sachtexte, die in ihrer originären Form zur Förderung der Leseflüssigkeit herangezogen werden, als Basis für einen Unterricht in Mathematik und im Sachunterricht fungieren können.

  • Michalak, M., Feigenspan, K. (2022). Zum Zusammenspiel von fachbezogenem und sprachlichem Lernen. Zeitschrift für Grundschulforschung 16, 95–111 (2023). doi.org/10.1007/s42278-022-00163-w.
  • Richter, K. (2003). Die Entwicklung von Lesemotivation und der Literaturunterricht in der Grundschule. In: B. Hurrelmann & S. Becker (Hrsg.), Kindermedien nutzen (S. 115-132). Juventa Verlag.
  • Rosebrock, C., & Nix, D. (2020). Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen schulischen Leseförderung (9. überarbeitete und erweiterte Auflage). Hohengehren: Schneider Verlag.
  • Stabler, E. (2023) (Hrsg.). Handbuch der Didaktik fachintegrierender Leseförderung. Eigenverlag.
  • Wild, J., & Schilcher, A. (2017). Filius. Lehrerhandreichung. Flüssigkeit im Lesen mit unterschiedlichen Sachhörtexten trainieren. Verfügbar unter www.projektelis.eu [23.01.2024].