Medien- und Informationskompetenz

Kinder und Jugendliche nutzen heute digitale Medien regelmäßig in ihrem privaten Alltag wie auch im schulischen Kontext. Technisch gesehen sind die „Digital Natives“ oft sehr geschickt und erlernen die Handhabung neuer Geräte, neuer Tools oder neuer Apps meist mühelos und schnell.
Doch ein sicherer Umgang mit dem Internet will gelernt sein. Die Medienbildung hat daher einen immer höheren Stellenwert. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, wie sie Quellen überprüfen sowie Online-Inhalte kritisch betrachten und somit besser einschätzen können. Sie müssen erfahren, wie sie sich vor Gefahren im Internet schützen können, und lernen, die Rechte anderer zu respektieren. Der richtige Umgang mit Urheberrechten und geistigem Eigentum ist ein ebenso wichtiger Aspekt der Medienbildung wie das Entwickeln eines Bewusstseins über die zahlreichen Falschnachrichten und gefälschten Bilder im Internet.
Bereits in der Primarstufe ist die Vermittlung digitaler Kompetenzen im Lehrplan verankert. Im Vordergrund stehen hier ein spielerischer Zugang zu Technik und Problemlösung sowie ein erstes Reflektieren über den eigenen Umgang mit dem Internet. Mit der Einführung der „Digitalen Grundbildung“ als Pflichtgegenstand in der Sekundarstufe I soll sichergestellt werden, dass alle Schülerinnen und Schüler der 5. bis 8. Schulstufe ihre digitalen Kompetenzen verlässlich weiter aufbauen und schrittweise erweitern können. Die generelle Stärkung digitaler Kompetenzen bleibt jedoch Aufgabe aller Gegenstände und ist ein integrativer Teil des Fachunterrichts.
Interview zur Initiative "Digitale Schule"
Es beginnt ein Anpassungs- und Gewöhnungseffekt (Text)
Literacy.at im Gespräch mit dem Chief Digital Officer des Bildungsministeriums, Mag. Martin Bauer
Literacy.at: Die Initiative "Digitale Schule" des Bundesministeriums für Bildung hat die technologische Ausstattung der Schulen in den vergangenen 4 Jahren verbessert. Trotzdem bestehen noch erhebliche regionale Unterschiede in der Qualität der Infrastruktur, aber auch bei der Ausstattung. Warum ist das so?
Martin Bauer: Bezüglich Netzausbau macht es einen Unterschied, ob wir über einen Tiroler Talschluss oder eine Großstadt sprechen. In der Großstadt haben wir ganz andere Möglichkeiten, etwa bzgl. Glasfaserkabelanbindung. Hinzu kommt die Kostenbelastung. Auch wenn es eine Anbindung gibt, heißt das noch lange nicht, dass sich die Schule oder der Schulerhalter diese auch leisten kann. Hier fallen mitunter erhebliche monatliche Kosten an, auch wenn es vergünstigte Tarife für den Bildungsbereich gibt. Zusätzlich zum Bund als Erhalter für die Bundesschulen gibt es auch private Schulerhalter, vor allem kirchliche Institutionen, und im Pflichtschulbereich das Land bzw. die Gemeinden. Diesen stehen unterschiedliche budgetäre Möglichkeiten zur Verfügung.
Seit 2021/22 werden an die Schülerinnen und Schüler der 5. Schulstufe Tablets bzw. Laptops ausgegeben. Zweck der Initiative ist es, die pädagogischen und technischen Voraussetzungen für einen IT-gestützten Unterricht zu schaffen. Der Einsatz der Geräte ist oft abhängig vom Engagement bzw. vom Know-how der einzelnen Lehrkräfte und scheint (gerade nach der Pandemie) stark abzunehmen. Wie sehen Sie das?
Ich glaube, das hängt stark vom Schulstandort, von der Führung und auch von den Prioritäten ab, die seitens der Schulleitung gesetzt werden. Dann kommt noch die Ebene der Lehrpersonen hinzu. Es gibt unterschiedlichste Charaktere und auch – so fair und offen muss man sein – unterschiedliche Kompetenzen, was die Digitalisierung anbelangt. Und da spreche ich nicht nur über die Bedienung digitaler Geräte, sondern auch darüber, wie man im Unterricht mit der Digitalisierung rein didaktisch und methodisch umgeht. Auch wenn wir in der Fort- und Weiterbildung unterstützen, ist es am Ende immer der Lehrperson überlassen, in welchen Bereichen sie sich fortbildet und wo sie die Schwerpunkte für ihren Unterricht setzt. Wir haben aber dafür gesorgt, dass wir eine gewisse Qualität sicherstellen: Jede Schule musste ein pädagogisch-digitales Konzept erarbeiten und abgeben. Sonst konnte man gar nicht an der Geräteinitiative teilnehmen.
Die Diskussion über das Handyverbot wird, wie man in vielen Kommentaren nachlesen kann, wohl irrtümlich mit dem Ende des digitalen Unterrichts gleichgesetzt. Können Sie das hier vielleicht richtigstellen?
Gerne. Also das ist natürlich überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil. Zum einen war es bisher so, dass die Schulen autonom entschieden haben, wie sie mit dem Thema Handy, und zwar als Kommunikationstool, umgehen. Was ändert sich jetzt? Wir haben ein Nutzungsverbot für das digitale Gerät als Kommunikationstool. Wir sprechen hier von Smartphones, Smartwatches und Geräten, die der Kommunikation dienen und ein gewisses Ablenkungspotenzial im Unterricht haben. Es ist aber auch explizit in der Schulordnung geregelt, dass Schulen in der Hausordnung davon wieder Ausnahmen machen können. Das heißt, man kann Handys sehr wohl wieder erlauben. Auch die Lehrkräfte.
Es scheint schwierig zu sein, Lehrkräfte für das Pflichtfach „Digitale Grundbildung“ zu finden – mitunter springen Lehrkräfte, die auch privat EDV-affin sind, ein.
Dieses Gerücht scheint sich hartnäckig zu halten. Ich kann aber mit harten Fakten dagegenhalten. Wir haben, als Digitale Grundbildung zum Pflichtgegenstand geworden ist, einen Hochschullehrgang zur Nachqualifikation von Lehrpersonen eingeführt, die dieses Fach unterrichten. Im ersten Jahr der Durchführung haben sich 880 Lehrpersonen für diesen Hochschullehrgang eingeschrieben. Damit man das besser einordnen kann: Der 8-Punkte-Plan* wurde an 1.500 Gymnasien und Mittelschulen umgesetzt. Das heißt, wir hatten einen Großteil der Schulen schon im ersten Hochschullehrgang, wenn man davon ausgeht, dass im Durchschnitt eine Lehrkraft pro Schule den Lehrgang besucht. Dazu kommen noch die Lehrpersonen, die zuvor schon Informatik unterrichtet haben. Und im zweiten Jahr, in dem wir den Hochschullehrgang angeboten haben, sind gerade einmal 200 Plätze nachgefragt worden, sprich: Der Bedarf ist gedeckt.
Auch in der Volksschule sind die digitalen Kompetenzen im Lehrplan verankert. Ab welcher Schulstufe empfiehlt das Ministerium, digitale Grundbildung zu unterrichten?
Wir sprechen in der Primarstufe nicht unbedingt von digitaler Grundbildung, sondern von Medienbildung, durchaus auch von informatischer Kompetenz, aber eher im Sinne eines problemlöseorientierten Denkansatzes. Themen, die behandelt werden, sind unter anderem: „Wie bewege ich mich sicher im Internet?“, Faktencheck und Fake News.
Können die Pädagog:innen-Ausbildung und die Aktualisierung der Lehrpläne mit der Geschwindigkeit der digitalen Entwicklung überhaupt mithalten? Sollte man nicht zum Beispiel auf die Angst mancher Lehrkräfte vor digitalen Neuerungen eingehen und Lehrinhalte daran anpassen – etwa die Ergebnisse von KI-Recherche auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen zu lernen –, anstatt den Einsatz dieser Technologien zu verbieten?
Der Mensch reagiert auf Veränderung, auf eine Disruption in einem ersten Impuls oft eher ablehnend und sucht nach Strategien des Auswegs. Aber die Disruption ist ja schon eingetreten. Dann beginnt ein Anpassungs- und GewöhnungseFekt. Ich glaube, mittlerweile sieht man das auch schon. Künstliche Intelligenz findet Eingang in sehr viele Arbeiten und ist mitunter sogar zum Thema von Arbeiten geworden. Die Herausforderung, die die Lehrpersonen haben, ist, Plagiate zu erkennen. Aber Sie haben völlig recht, Faktencheck ist das große Thema, weil KI manchmal oder sogar sehr oft keine korrekten Antworten gibt. Und genau hier muss Kompetenzvermittlung erfolgen. Außerdem halte ich es für überholt, dass Betreuungslehrer:innen eine Arbeit ganz genau durchlesen und jeden Rechtschreib- und Grammatikfehler anstreichen.
Was halten Sie von adaptivem Lernen, also in unserem Zusammenhang von der KI-unterstützten Individualisierung von Lerninhalten?
Wenn wir uns mit KI beschäftigen, dann liegt dieses Thema auf der Hand. Das Thema ist an sich nicht neu. Adaptives Lernen gab es auch vor dem KI-Hype schon. Die neue Qualität ist allerdings, dass der Algorithmus nicht mehr von einem Menschen vorgegeben wird. Das heißt, es ist nicht mehr klar, in welche Richtung der Lernprozess gehen wird – die künstliche Intelligenz übernimmt diese Steuerung. Da sollten wir uns überlegen, was wir einer KI überantworten und wo wir eine Grenze ziehen müssen, gerade beim heutigen Entwicklungsgrad von künstlicher Intelligenz.
Interview: Michael Achleitner
Die Langversion des Interviews finden Sie als Podcast.
Zur Person

Mag. Martin Bauer ist seit Juni 2022 Chief Digital Officer (CDO) im Bundesministerium für Bildung und Leiter der Gruppe Präs/C (IT, Digitalisierung und Medien).
Materialien
Hier finden Sie nützliche Materialien und Hilfestellungen für den Unterricht.
Saferinternet

Die Initiative Saferinternet.at ist Partner zur Stärkung der Medienkompetenz und unterstützt mit ihren Angeboten Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrende beim sicheren, kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien. Mit der Materialsammlung Wahr oder falsch im Internet? Informationskompetenz in der digitalen Welt bietet saferinternet.at ein Unterrichtspaket mit 17 praktischen Übungen. Die Inhalte erstrecken sich vom cleveren Umgang mit Suchmaschinen über die Bewertung von Online-Quellen bis zum Erkennen von Betrugsfallen oder Fake-News.
MyNews

Die unabhängige digitale Themenplattform "MyNews" ist als Unterrichts-Tool für Jugendliche ab 12 Jahren konzipiert und fördert die Lese- und Medienkompetenz. Seit Herbst 2025/26 stellt MyNews 20 Ausgaben zur Verfügung. Die gesellschaftsrelevanten Themen sind für den fächerübergreifenden Einsatz. Jährlich sind 10 weitere Ausgaben geplant, wodurch über kurz oder lang eine beachtliche Sammlung von frischen, lebensnahen und fake-news-freien Inhalten, die direkt in den Unterricht einfließen können, entsteht.
CheckNews

Das Projekt CheckNews von IQESonline fördert die inhaltliche Medienkompetenz von Jugendlichen mit offenen Lernumgebungen für selbständiges und kooperatives Lernen. Schüler/innen setzen sich mit Social Media-Beiträgen kritisch auseinander. Sie verstehen, wie Aufmerksamkeit generiert wird, wie Fake News erkannt werden können und was der Unterschied zu journalistischen Beiträgen ist. Durch das Projekt sind zahlreiche Plattformen, Serious Games und Tools für einen interaktiven Medienunterricht entstanden, die auch insbesondere auf eine digitale Lesekompetenz abzielt. Darüber hinaus finden Sie hier weitere wichtige Tools zur Förderung der Medienkompetenz.
Handbuch Lernen mit digitalen Medien

Das Handbuch »Lernen mit digitalen Medien« bietet hochaktuelle Beiträge zu den Potenzialen neuer Medien für zeitgemäße Lernkulturen, zu Digital Learning Leadership, zu personalisiertem Lernen, digitalem Feedback und wirksamer Lernbegleitung. Mit Empfehlungen zu 1:1-Ausstattungen und einer agilen Medienentwicklungsplanung. Mit Handlungsszenarios für den Einsatz von Social Media, Erklärvideos und Tools. Und mit Unterrichtsideen, wie die 4K-Schlüsselkompetenzen gezielt im offenen Unterricht, in Projekten und Makerspace-Settings gefördert werden können.