Bundesweites Lesegütesiegel für Mittelschulen​

Wer nicht ausreichend lesen kann, erfährt im täglichen Leben große Einschränkungen.

Lesen ist weit mehr als eine Grundkompetenz – es ist eine zentrale Voraussetzung für Bildungserfolg, gesellschaftliche Teilhabe und das demokratische Zusammenleben. Mit dem Übergang in die Sekundarstufe I ist der Leseerwerb nicht abgeschlossen, sondern erfordert eine gezielte und kontinuierliche Weiterentwicklung, die der Vielfalt der Lernenden gerecht wird.

Das bundesweite Lesegütesiegel macht das besondere Engagement von Schulen im Bereich der Leseförderung sichtbar. Es zeichnet Schulen aus, die die Lesekompetenz und Lesemotivation ihrer Schüler:innen durch vielfältige, innovative und evidenzbasierte Maßnahmen fördern und Lesekultur als gesamtschulische Aufgabe verankern.

Darüber hinaus ist das Lesegütesiegel mehr als eine Auszeichnung: Der zugrunde liegende Kriterienkatalog unterstützt Schulen dabei, ihre Stärken zu erkennen, Entwicklungspotenziale sichtbar zu machen und die Leseförderung gezielt weiterzuentwickeln. Er bietet damit einen praxisnahen Wegweiser für wirksame und nachhaltige Leseförderung – unabhängig davon, ob eine Einreichung geplant ist.

Wer kann sich bewerben?

Mittelschulen (einschließlich inklusiver Schulformen), die nach den österreichischen Lehrplänen unterrichten, können sich von 1. Oktober bis 27. November 2027 über die Plattform www.lesen-superkraft.at für das bundesweite Lesegütesiegel bewerben. Grundlage für die Einreichung sind die im Schuljahr 2026/27 entlang des Kriterienkatalogs gesetzten und weiterentwickelten Maßnahmen zur Leseförderung.

Die sechs Schwerpunkte

Die sechs inhaltlichen Schwerpunkte beschreiben die vielfältigen Themen- und Aufgabenbereiche einer wirksamen Leseförderung.

Der Schwerpunkt schulische Lesekultur zielt darauf ab, Leseförderung als gemeinsame Aufgabe des gesamten Schulstandorts zu verankern. Unter der Verantwortung der Schulleitung entwickeln alle Lehrkräfte eine gemeinsame Vision sowie verbindliche Ziele und Qualitätsstandards für die Leseförderung, die regelmäßig reflektiert und weiterentwickelt werden. Entscheidend sind dabei die Zusammenarbeit aller am Leseprozess Beteiligten, der fachliche Austausch im Kollegium sowie gemeinsame Maßnahmen der Schulentwicklung und Fortbildung. Lesen ist damit nicht nur Unterrichtsinhalt, sondern ein prägender Bestandteil der Schulkultur.  Eine aktuelle Übersicht der Fortbildungsangebote finden Sie unter Professionalisierung und Fortbildungen.

Der Schwerpunkt Leseräume zielt darauf ab, Lesen im gesamten Schulgebäude sichtbar und erlebbar zu machen. Eine gut ausgestattete, barrierefreie Schulbibliothek sowie attraktive Leseräume mit vielfältigen, aktuellen Medien schaffen wichtige Lese- und Lernorte, fördern Lesekompetenz und Lesemotivation und leisten einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit. Das Portal Schulbibliotheken Österreich (PSÖ) und der Österreichische Buchklub unterstützen Schulen mit bibliothekarischer, didaktischer und fachlicher Expertise bei der Gestaltung und Weiterentwicklung ihrer Leseräume.

Der Schwerpunkt diagnosebasierte Förderung verbindet die regelmäßige Erhebung der Lesekompetenz mit gezielten Fördermaßnahmen. Durch pädagogische Diagnostik erkennen Lehrpersonen individuelle Stärken und Entwicklungsbedarfe, um Schüler:innen passgenau beim Aufbau ihrer Lesekompetenz zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen die Förderung des basalen Lesens, der Leseflüssigkeit und des Leseverstehens. Dabei werden die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen aller Schüler:innen berücksichtigt – einschließlich jener mit Deutsch als Zweitsprache sowie mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Grundlage dafür sind eine passgenaue Diagnostik, evidenzbasierte Fördermaßnahmen sowie der gezielte Einsatz geeigneter Materialien, wie sie beispielsweise auf Buch.Zeitempfohlen werden.

Der Schwerpunkt Medien- und Informationskompetenz umfasst jene Fähigkeiten, die Schülerinnen und Schüler benötigen, um Informationen in analogen und digitalen Medien gezielt zu recherchieren, kritisch zu bewerten und verantwortungsvoll zu nutzen. Dazu gehören insbesondere digitale Lesekompetenz, der reflektierte Umgang mit Medieninhalten und Falschinformationen sowie die Berücksichtigung ethischer und rechtlicher Aspekte im Umgang mit Informationen.

Der Schwerpunkt literarische Bildung erkennt literarisches Lernen als facettenreichen Prozess an, der auch immer sprachliches, kulturelles, soziales und personelles Lernen bedeutet. Wie Sie Literatur medial vielfältig und zielgruppengerecht für alle Schüler:innen vermitteln können, erfahren Sie unter literarische Bildung.

Im Schwerpunkt Leseanimation sollen medial vielfältige und zielgruppengerechte Angebote für alle Schüler:innen gesetzt werden. Die Lesekompetenz wird schließlich mitunter dadurch gefördert, dass Schüler:innen eine positive Lesehaltung entwickeln. Insofern greifen Maßnahmen der Leseanimation sowohl die individuellen Bedürfnisse auf, bedenken allerdings auch die Einbindung im sozialen Gefüge. Welche exemplarischen Strategien Sie hierfür einsetzen können, erfahren Sie unter Lesemotivation.