Bundesergebnisbericht iKMPLUS

Die individuelle Kompetenzmessung PLUS (iKMPLUS) ist ein bundesweites Instrument zur Erfassung der Kompetenzen von Schüler:innen und unterstützt Schulen bei der Unterrichts- und Qualitätsentwicklung.

Der Bundesergebnisbericht iKMPLUS fasst die Ergebnisse der Kompetenzmessungen zusammen, zeigt, inwieweit die Bildungsstandards erreicht werden, und analysiert regionale Unterschiede sowie verschiedene Einflussfaktoren, etwa das Bundesland, den Urbanisierungsgrad, die sozioökonomische Ausgangslage und ausgewählte Merkmale der Schüler:innen.

Damit bietet der Bericht einen österreichweiten Überblick über die iKMPLUS-Ergebnisse und stellt eine fundierte Datengrundlage für alle bereit, die sich mit der Qualität und Weiterentwicklung des österreichischen Bildungssystems befassen.

Bundesergebnisbericht iKMPLUS (1. Zyklus)

Der vom Institut des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Schulwesen (IQS) veröffentlichte erste Bundesergebnisbericht der iKMPLUS Primarstufe fasst die Ergebnisse aus drei Jahren iKMPLUS (2023-2025) zusammen. Er liefert österreichweit differenzierte Daten zu den Kompetenzen von Schüler:innen und zeigt, inwieweit die Bildungsstandards am Ende der Volksschule erreicht wurden. Eine Übersicht biete das IQS unter Bundesergebnisbericht iKMPLUS Primarstufe 2023-2025.

Literacy.at im Gespräch mit IQS-Direktor Robert Klinglmair

Im Interview erklärt IQS-Direktor Robert Klinglmair, warum die Daten des iKMPLUS-Zyklus für die Schul- und Unterrichtsentwicklung entscheidend sind – und wie sie über internationale Vergleichsstudien hinausgehen bzw. sie ergänzen.

Literacy.at: Welche Erkenntnisse liefern die ersten Ergebnisse des iKMPLUS-Zyklus im Vergleich zu den PIRLS Daten für Österreich?

Robert Klinglmair: Österreich nimmt seit Langem an internationalen Kompetenzerhebungen teil. Diese Daten werden aber nicht so sehr für die Schul- oder Unterrichtsentwicklung genutzt, sondern zeigen vor allem, wo Österreich im internationalen Vergleich steht, etwa bei PIRLS in Lesen oder bei PISA zusätzlich auch in Mathematik und Naturwissenschaften. Die iKMPLUS ergänzt diese Befunde, verfolgt hingegen einen anderen Zweck: Mit jährlich schulintern erhobenen Daten sieht man, wo eine Schule steht, was bereits gut gelingt, aber auch, wo Aufholbedarf besteht, um den Unterricht gezielt weiterzuentwickeln. Mit den 3-Jahres-Rückmeldungen wird darüber hinaus eine noch aussagekräftigere Datengrundlage auf verschiedenen Systemebenen zur Verfügung gestellt, um gezielt Schulentwicklung voranzutreiben.

Das heißt, die internationalen Studien sind der systemische Überbau und iKMPLUS geht in die Tiefe?

Genau. Internationale Erhebungen liefern keine Ergebnisse auf Schul- oder Bundeslandebene, sondern dienen dem internationalen Vergleich auf Systemebene. Etwa die PISA-Studie: Im Jahr 2022 hat Österreich zwar Punkte verloren, aber andere Länder haben mehr verloren – relativ hat sich Österreich also verbessert und rangiert im oberen Drittel bzw. praktisch bedeutsam über dem Durchschnitt.

Wie erstellen Sie die Fragen für die Kompetenzmessungen?

Die iKMPLUS basiert auf den sogenannten Bildungsstandards. Dabei gibt es vier Kompetenzstufen: „Nicht erreicht“, „Teilweise erreicht“, „Erreicht“ und „Übertroffen“. Die Aufgaben werden vom IQS entwickelt, unter Einbindung von Lehrpersonen und renommierten internationalen Kooperationspartnern, um ein hohes wissenschaftliches Niveau zu gewährleisten. Jährlich nehmen rund 320.000 Schüler:innen teil; da braucht es viele Aufgaben.

Welche Trends in der Lesekompetenz von Volksschulkindern lassen sich aus den neuen iKMPLUS-Ergebnissen ablesen?

Die letzten 15 Jahre brachten viele Veränderungen: mehr Zuwanderung, mehr Schüler:innen mit anderer Erstsprache als Deutsch, gleichzeitig aber auch mehr Eltern mit höherem Bildungsniveau. Zudem wirken die Folgen der Covid-19-Pandemie nach. Insgesamt zeigt sich jedoch ein stabiler Trend in Deutsch (Lesen), auch im Vergleich zu den ehemaligen Überprüfungen der Bildungsstandards (BIST-Ü). Mathematik ist die stärkste Domäne von Österreichs Schüler:innen, mit leichtem Kompetenzzuwachs.

Gab es überraschende Ergebnisse?

Die Ergebnisse entsprechen weitgehend den Erwartungen, auch aufgrund der umfassenden Maßnahmen, die seit der Bildungsreform 2017 getroffen wurden. Positiv ist, dass es keinen Kompetenzrückgang gab. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch auffällig: Das Burgenland liegt zum Beispiel über, Vorarlberg unter den jeweiligen Erwartungswerten. Hier gilt es, Ursachen zu analysieren, damit die Schulstandorte, aber auch sämtliche Steuerungsebenen daraus lernen und Verbesserungen erzielt werden können.

Welche Unterschiede zeigen sich zwischen Schüler:innengruppen?

Entscheidend hierbei ist der Vergleich unter ähnlichen Rahmenbedingungen. Die sozioökonomische Ausgangslage (SÖL), welche die Bildung und den ökonomischen Hintergrund der Eltern, aber auch einen Migrationshintergrund und die Erstsprache mitberücksichtigt, spielt eine entscheidende Rolle für den Kompetenzerwerb: Bessere Rahmenbedingungen gehen mit höheren Kompetenzen einher. Auf Schüler:innenebene zeigt sich, dass andere Erstsprachen als Deutsch den größten Unterschied ausmachen. Auch das Bildungsniveau der Eltern bleibt zentral – Bildung wird in Österreich nach wie vor stark „vererbt“, wie auch zahlreiche Auswertungen der amtlichen Statistik belegen.

Diese Faktoren wirken sich vermutlich regional aus?

Ja, es gibt starke Unterschiede nach Bundesländern. Wien etwa hat bei der iKMPLUS in der Primarstufe in Mathematik um 18 Punkte weniger erreicht als der Österreich-Durchschnitt. Daraus könnte geschlossen werden, Wien habe schlecht abgeschnitten. Wien hat aber vergleichsweise schwierige Voraussetzungen (es ist z. B. ein Ballungszentrum, es gibt starke Zuwanderung und viele Schüler:innen mit anderer Erstsprache als Deutsch) und viele Schulen in belasteten SÖL-Kategorien. Umgekehrt gibt es auch Bundesländer wie das Burgenland oder Tirol, in denen es es keine einzige Schule gibt, die nach SÖL die schwierigsten Voraussetzungen hat. Deshalb benutzen wir in der Auswertung den sogenannten populationsadjustierten Erwartungswert. Auf Basis dieser Maßzahl erfüllt Wien den Erwartungswert und arbeitet auch innerhalb der SÖL-Kategorien sehr erfolgreich. Die Ergebnisse müssen also differenziert betrachtet werden, um keine voreiligen oder falschen Schlüsse zu ziehen.

Wie können Schulen die Rückmeldungen aus der iKMPLUS für die Unterrichtsentwicklung nutzen?

Lehrpersonen erhalten detaillierte Ergebnisse für jede:n Schüler:in sowie eine Übersicht über die eigene Klasse. Schulleitungen erkennen anhand der Klassenergebnisse mögliche Unterschiede zwischen den einzelnen Klassen, um im Team voneinander profitieren zu können. Ziel der iKMPLUS sind die gezielte Weiterentwicklung des Unterrichts und individuelle Förderung und auch, dass mit den umfassenderen 3-Jahres-Rückmeldungen nachhaltige Schulentwicklung betrieben wird. Zusätzlich gibt es Systemberichte für Bildungsdirektionen sowie Bildungspolitik und -verwaltung, um entsprechende Maßnahmen abzuleiten und gelingende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Dürfen Ergebnisse in die Benotung einfließen?

Nein, keinesfalls; die iKMPLUS ist ein rein diagnostisches Instrument. Die iKMPLUS ersetzt keine Leistungsüberprüfung und darf nicht für die Notengebung oder für Entscheidungen zum Übertritt in weiterführende Schulen verwendet werden; dies ist auch gesetzlich klar geregelt.

Welche Schritte plant das IQS auf Basis der ersten iKMPLUS-Ergebnisse und welche Kompetenzmessungen stehen im Schuljahr 2026/27 an?

Nach den iKMPLUS-Ergebnissen der Primarstufe folgen Ende Oktober jene der Sekundarstufe, davor noch die Ergebnisse zu PISA 2025. Wir werden die Daten des ersten Zyklus vertieft analysieren, um herauszufinden, was weiter verbessert werden kann. Denn so gibt es etwa Schulen, die haben die günstigsten sozioökonomischen Voraussetzungen, liegen aber weit unter ihrem Erwartungswert. Dann gibt es Schulen, die haben die schwierigsten Voraussetzungen, liegen aber über dem Durchschnitt. Ziel ist es, erfolgreiche Ansätze zu identifizieren und sowohl Schulentwicklung als auch das Schulsystem insgesamt gezielt weiterzuentwickeln und damit zu den Wirkungszielen des Bildungsressorts beizutragen.

Interview: Michael Achleitner, Thomas Aistleitner

Die Langversion des Interviews finden Sie als Podcast hier:

 

Zur Person

Mag. Dr. Robert Klinglmair ist seit 2021 Direktor des Institutes des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Schulwesen (IQS). Der promovierte Volkswirt war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Volkswirtschaftslehre der JKU Linz, am Institut für Höhere Studien (IHS) Kärnten, bei der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Kärnten (VGK) und an der Universität Klagenfurt. Von 2018 bis 2021 war er Bildungsdirektor für Kärnten.

Quellen

Bundesministerium für Bildung: individuelle Kompetenzmessung PLUS